Bauer Fritz
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.
„Nichts gehört der Vergangenheit an. alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“
Fritz Bauer
1930 wird Fritz Bauer im Alter von nur 27 Jahren in seiner Heimatstadt Stuttgart zum jüngsten Amtsrichter Deutschlands ernannt. Drei Jahre später erhält er als Jude und SPD-Mitglied Berufsverbot. Nach KZ-Haft und Exil in Schweden und Dänemark kehrt Bauer ins zerstörte Nachkriegsdeutschland zurück. Der Jurist will aktiv am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mitwirken. Ohne die konsequente Aufarbeitung der NS-Verbrechen kann es für ihn keinen Neuanfang geben. Solange Täter ungestraft bleiben, ist auch der Nationalsozialismus Teil der Gegenwart. Als Generalstaatsanwalt in Braunschweig und später in Frankfurt stößt Bauer auf eine Justiz, in der viele einstige Nationalsozialisten weiterhin tätig sind.
Einer seiner ersten großen Fälle ist die Anklage gegen Otto Ernst Remer im Jahre 1952. Dieser hatte die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 öffentlich als Verräter diffamiert. Bauer klagt ihn wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener an. Remer wird verurteilt Zum ersten Mal erkennt ein deutsches Gericht offiziell an, dass der Widerstand gegen Hitler legitim war und das NS-Regime ein Unrechtsstaat.
1960 gibt Bauer dem israelischen Geheimdienst Mossad den entscheidenden Hinweis zur Verhaftung Adolf Eichmanns. Der ehemalige SS-Scherge, der die Judentransporte in die Vernichtungslager organisierte, lebte unbehelligt in Argentinien. Drei Jahre später beginnt unter Bauers Führung der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess. Es ist das bedeutendste Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte – zum ersten Mal wird der Holocaust in einer breiten Öffentlichkeit thematisiert. Um Gerechtigkeit geht es ihm, um die Anerkennung des Leids und vor allem hofft er, dass die Prozesse freilegen, welche Mechanismen und Denkweisen zu den unmenschlichen deutschen Gräueltaten geführt haben. Bauer macht sich noch mehr Feinde und entgeht nur knapp einem Mordanschlag.
Nach den Auschwitz-Prozessen will Bauer weitere Täter zur Rechenschaft ziehen. Sein Fokus: ehemalige NS-Justizbeamte, die an der Ermordung Zehntausender sogenannter „Geisteskranker“ beteiligt waren. Doch zu einem Verfahren kommt es nie. Bauer wird am 1. Juli 1968 tot in seiner Badewanne aufgefunden.
Fritz Bauer starb, wie er gelebt hatte: allein. „Ich bin von Gott und aller Welt verlassen“, schrieb er einmal einem Freund. Doch nie ließ Fritz Bauer sich entmutigen. Immer machte er weiter, gegen alle Widerstände trat er für seinen Traum von „Freiheit, Recht und Brüderlichkeit“ ein. Und veränderte mit dem Auschwitz-Prozess und seinen zahlreichen Anstößen für die Juristische Zeitgeschichte die Bundesrepublik.
Quelle: Ardi Goldman (Hrsg.): Stella Friedrichs: Fritz Bauer. In: PEOPLE LIKE US, S. 111-112. Frankfurt am Main 2013. Lemo-Lebendiges Museum Online.
- Ronen Steinke: Fritz Bauer oder Auschwitz vor Gericht. München/Zürich 2013.
- Fritz Backhaus, Monika Boll, Raphael Gross (Hrsg.): Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht. Frankfurt am Main/New York 2014.
- Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903–1968. Eine Biographie. Neuausgabe, München 2016.
- Fritz Bauer: Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns. Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 34. Hamburg 2016.
- Fritz Bauer: Kriegsverbrecher von Gericht. Reihe: Fritz-Bauer-Schriften; Bd. 1. Göttingen 2026.
- Ronen Steinke: Fritz Bauer oder Auschwitz vor Gericht. München/Zürich 2013.
- Fritz Backhaus, Monika Boll, Raphael Gross (Hrsg.): Fritz Bauer. Der Staatsanwalt.
NS-Verbrechen vor Gericht. Frankfurt am Main/New York 2014. - Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903–1968. Eine Biographie. Neuausgabe, München 2016.
- Fritz Bauer: Die Wurzeln faschistischen und nationalsozialistischen Handelns. Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 34. Hamburg 2016.
- Fritz Bauer: Kriegsverbrecher von Gericht. Reihe: Fritz-Bauer-Schriften; Bd. 1. Göttingen 2026.
- Tod auf Raten. Dokumentarfilm. Regie: Ilona Ziok. Deutschland 2010.
- Fritz Bauer Institut (Hrsg.): Fritz Bauer: Gespräche, Interviews und Reden aus den Fernseharchiven 1961-1968. Redaktion: Bettina Schulte Strathaus. Berlin 2014.
- Der Staat gegen Fritz Bauer. Deutscher Spielfilm. Regie: Lars Kraume. Deutschland 2015.
- Die Ermittlung. Film zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess. Regie: RP Kahl. Deutschland 2024.
David Johst, im Auftrag des Fritz Bauer Instituts (Hrsg.): Fritz Bauer. Sein Leben, sein Denken, sein Wirken. Tondokumente mit Originaltönen von Fritz Bauer, kommentiert und eingeleitet von Burghart Klaußner. Berlin 2017.
Euthanasie-Verbrechen
Bezeichnung für die systematische Ermordung von Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Nationalsozialismus. Zwischen 1939 und 1945 wurden im Rahmen der „Aktion T4“ und nachfolgenden Maßnahmen über 200.000 Menschen als „lebensunwert“ getötet – durch Vergasung, Medikamente oder verhungern lassen.
„Nichts gehört der Vergangenheit an. alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.“
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