Hoffnungsträger

Fritz Bauer
16. Juli 1903

1. Juli 1968

Steckbrief

Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.

1930 wird Fritz Bauer im Alter von nur 27 Jahren in Stuttgart zum jüngsten Amtsrichter Deutschlands ernannt. Doch drei Jahre später erhält er als Jude und SPD-Mitglied Berufsverbot. Nach KZ-Haft und Exil in Schweden und Dänemark kehrt er nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Der Jurist will aktiv am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mitwirken. Ohne die konsequente Aufarbeitung der NS-Verbrechen kann es für ihn keinen Neuanfang geben.

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16. Juli 1903

1. Juli 1968
Stuttgart

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Frankfurt am Main

Nichts gehört der Vergangenheit an. alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.

Nichts gehört der Vergangenheit an. alles ist noch Gegenwart und kann wieder Zukunft werden.

1930 wird Fritz Bauer im Alter von nur 27 Jahren in Stuttgart zum jüngsten Amtsrichter Deutschlands ernannt. Doch drei Jahre später erhält er als Jude und SPD-Mitglied Berufsverbot. Nach KZ-Haft und Exil in Schweden und Dänemark kehrt er nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Der Jurist will aktiv am Aufbau einer demokratischen Gesellschaft mitwirken. Ohne die konsequente Aufarbeitung der NS-Verbrechen kann es für ihn keinen Neuanfang geben. Solange Täter ungestraft bleiben, ist auch der Nationalsozialismus Teil der Gegenwart. Als Generalstaatsanwalt in Braunschweig und später in Frankfurt stößt Bauer auf eine Justiz, in der viele einstige Nationalsozialisten weiterhin tätig sind.

Einer seiner ersten großen Fälle ist die Anklage gegen Otto Ernst Remer im Jahre 1952. Dieser hatte die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 öffentlich als Verräter diffamiert. Bauer klagt ihn wegen übler Nachrede und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener an. Remer wird verurteilt Zum ersten Mal erkennt ein deutsches Gericht offiziell an, dass der Widerstand gegen Hitler legitim war und das NS-Regime ein Unrechtsstaat.

1960 gibt Bauer dem israelischen Geheimdienst Mossad den entscheidenden Hinweis zur Verhaftung Adolf Eichmanns. Der ehemalige SS-Scherge, der die Judentransporte in die Vernichtungslager organisierte, lebte unbehelligt in Argentinien. Drei Jahre später beginnt unter seiner Führung der 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess. Es ist das bedeutendste Verfahren der deutschen Nachkriegsgeschichte – zum ersten Mal wird der Holocaust in einer breiten Öffentlichkeit thematisiert. Um Gerechtigkeit geht es ihm, um die Anerkennung des Leids und vor allem hofft er, dass die Prozesse freilegen, welche Mechanismen und Denkweisen zu den unmenschlichen deutschen Gräueltaten geführt haben. Bauer macht sich Feind und entgeht nur knapp einem Mordanschlag.

Nach den Auschwitz-Prozessen wollte Bauer weitere Täter zur Rechenschaft ziehen. Sein Fokus: ehemalige NS-Justizbeamte, die an der Ermordung Zehntausender sogenannter „Geisteskranker“ beteiligt waren. Doch zu einem Verfahren kam es nicht mehr. Bauer wird am 1. Juli 1968 tot in seiner Badewanne aufgefunden.

Fritz Bauer starb, wie er lebte: allein. „Ich bin von Gott und aller Welt verlassen“, schrieb er einem Freund. Trotz Anfeindungen ließ er sich nie entmutigen. Unermüdlich kämpfte er für einen Rechtsstaat, der aus der Vergangenheit lernt. Mit dem Auschwitz-Prozess und seinen juristischen Impulsen prägte Fritz Bauer die Bundesrepublik nachhaltig. Sein Vermächtnis: der Mut, Unrecht zu benennen – auch wenn es unbequem ist.

© Ardi Goldman (Hrsg.):  Stella Friedrichs: Fritz Bauer. In: PEOPLE LIKE US, S. 111-112. Frankfurt am Main 2013;
Fritz Bauer Institut; Lemo-Lebendiges Museum Online.

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