{"id":2017,"date":"2025-08-28T12:29:10","date_gmt":"2025-08-28T12:29:10","guid":{"rendered":"https:\/\/kultur-goldman.de\/?post_type=kunst&#038;p=2017"},"modified":"2026-04-22T17:10:11","modified_gmt":"2026-04-22T17:10:11","slug":"malgruen-derelikt-v","status":"publish","type":"kunst","link":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/kunst\/malgruen-derelikt-v\/","title":{"rendered":"Krebber Malgr\u00fcn (Derelikt V)"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00fcnstler Gereon Krebber (*1973 in Oberhausen) studierte an der D\u00fcsseldorfer Kunstakademie bei den Professoren Tony Cragg und Hubert Kiecol sowie am Royal College of Art in London. Seit 2012 lehrt er selbst als Professor f\u00fcr Bildhauerei an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf. Seine Werke wurden in nationalen und internationalen Institutionen und Ausstellungen gezeigt, u. a. 2013 im Kunstmuseum Gelsenkirchen, 2016 im Museum DKM Duisburg und im Folkwangmuseum, Essen, 2023 im Marburger Kunstverein und 2024 bei der 9. Schweizerischen Triennale der Skulptur in Bad Ragaz und Vaduz. Krebber hat Arbeiten im \u00f6ffentlichen Raum, u. a. in Bonn, Bochum und Viersen, realisiert. 2003 hat er den Jerwood Sculpture Prize, 2009 das Wilhelm-Lehmbruck-Stipendium erhalten, und 2021 verbrachte er eine Artist Residency im renommierten Europ\u00e4ischen Keramischen Werkzentrum (EKWC) in Oisterwijk (NL).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Gereon Krebber <\/strong><strong>\u2013<\/strong><strong> <em>Derelikt<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinen Skulpturen aus der Werkreihe <em>Derelikt<\/em> richtet Gereon Krebber den Blick auf Fragilit\u00e4t, Verfall und die \u00e4sthetische Aufladung zerst\u00f6rter Strukturen. Der Titel <em>Derelikt<\/em> leitet sich vom lateinischen <em>derelictus<\/em> ab und bedeutet so viel wie verlassen<em>, <\/em>preisgegeben oder aufgegeben. Auch bezeichnet <em>Derelikt<\/em> ein herrenloses Gut, das aufgegeben wurde, etwa ein gestrandetes Schiff. In der Architektur spricht man von <em>Dereliktbauten<\/em>, wenn es sich um verfallene Geb\u00e4ude handelt. Diese Bedeutungsfelder schwingen auch in Krebbers skulpturalen Arbeiten mit, sie verweisen auf Zerst\u00f6rung und die Transformation von Ordnung in Chaos.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgehend von streng konstruierten Tonformen, oft turmartige Raster aus Plattenelementen, entstehen plastische Gebilde, die zun\u00e4chst fast architektonisch anmuten, dann aber in einem Akt gezielter Destruktion gebrochen, eingedr\u00fcckt und deformiert werden. Die formale Ordnung wird unterlaufen, aus der geplanten Konstruktion w\u00e4chst das Unberechenbare.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zentrales gestalterisches Mittel ist dabei die Glasur: Krebber verwendet eine f\u00fcr niedrigere Temperaturen gedachte Glasur, die er bewusst \u201e\u00fcberfeuert\u201c. Bei \u00fcberh\u00f6hter Brenntemperatur beginnt das Material zu flie\u00dfen, l\u00e4uft \u00fcber die gebrochene Oberfl\u00e4che und erstarrt im Moment der Bewegung. Das Ergebnis ist ein eigent\u00fcmlicher Materialzustand zwischen flie\u00dfen und erstarren, zwischen Zerst\u00f6rung und Ornament. Die gl\u00e4nzenden, mehrfarbigen Schichten \u00fcberziehen die skulpturalen Strukturen wie z\u00e4her Sirup, zugleich sinnlich, verf\u00fchrerisch, irritierend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was aus der Distanz wie eine Ruine wirkt, offenbart bei n\u00e4herer Betrachtung ein komplexes Spiel aus Gegens\u00e4tzen: harte Raster und weiche Rinnsale, klar strukturierte K\u00f6rper und amorphe Einschl\u00e4ge, technische Pr\u00e4zision und rohe Gewalteinwirkung. Die Oberfl\u00e4chen changieren zwischen Fragilit\u00e4t und Brutalit\u00e4t, zwischen Sch\u00f6nheit und Schrecken. Dabei vermeidet Krebber direkte Anspielungen auf konkrete Bauwerke oder historische Ereignisse, &nbsp;doch lassen sich Assoziationen an zerst\u00f6rte urbane R\u00e4ume kaum vermeiden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders im Kontext des Ausstellungsorts entstehen Resonanzen: Gerade in St\u00e4dten mit dominanter Nachkriegsarchitektur wie Marl entfalten Krebbers Arbeiten eine besondere Wechselwirkung mit der Umgebung. Der Brutalismus der Nachkriegsmoderne, einst Ausdruck von Fortschritt und Wiederaufbau, erscheint in den Skulpturen als fragile Erinnerung, als gezeichnete Form zwischen Vergangenheit und Gegenwart.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zerst\u00f6rung ist dabei kein blo\u00dfer Akt des Vandalismus, sondern bildnerische Strategie. Durch das bewusste Kaputtmachen erzeugt Krebber ein Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Ordnung und Verwerfung, zwischen der Regelhaftigkeit des Rasters und der Unvorhersehbarkeit des Materials. Der Prozess des Werfens, Zerdr\u00fcckens und Rei\u00dfens wird selbst Teil der \u00e4sthetischen Erz\u00e4hlung. Wie der K\u00fcnstler selbst formuliert:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eEigentlich wollte ich blo\u00df etwas kaputt<\/em> <em>machen. Aber um das bildnerisch zu zeigen, braucht es als Kontrast eine regelm\u00e4\u00dfige Struktur, eine Ordnung. Daher habe ich mit regelm\u00e4\u00dfigen Strukturen angefangen, die ich zerdr\u00fcckt, verformt und mit feuchtem Ton beworfen habe. Diese Strukturen sahen aus wie Hochh\u00e4user \u2013 das war ein Entdecken beim Machen, keine vorausgehende Absicht. Unweigerlich kommen Medienbilder von zerst\u00f6rten und ausgebombten H\u00e4usern in den Sinn, die uns von Syrien, der Ukraine oder Gaza erreichen. Doch die im Fluss erstarrte Glasur l\u00e4sst die Ruinenplastiken unwirklich werden. Wie mit Sirup \u00fcbergossen gl\u00e4nzen die Strukturen mehrfarbig. Die Realit\u00e4t hatte mich eingeholt, aber ich konnte den Schrecken zumindest noch entr\u00fccken.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Derelikt<\/em> ist damit nicht nur eine Serie von Skulpturen, sondern ein komplexes Reflexionsfeld: \u00fcber Zerst\u00f6rung als sch\u00f6pferischer Akt, \u00fcber die \u00e4sthetische Verwandlung von Trauma, \u00fcber Material als Tr\u00e4ger von Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gereon Krebber gelingt es, in Ton und Glasur eine irritierende Ambivalenz zu evozieren, zwischen realer Welt und surrealer Anmutung, kritischem Kommentar und formaler Lust.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"featured_media":2500,"template":"","style-kunst":[],"qr-kat":[],"qr-code-kunst":[],"class_list":["post-2017","kunst","type-kunst","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","entry","has-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/kunst\/2017","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/kunst"}],"about":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kunst"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2500"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2017"}],"wp:term":[{"taxonomy":"style-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/style-kunst?post=2017"},{"taxonomy":"qr-kat","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/qr-kat?post=2017"},{"taxonomy":"qr-code-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/qr-code-kunst?post=2017"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}