Borchard Leo
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Wir sind nun mal keine Umbringer. Wir haben Ehrfurcht vor dem Leben. Das ist unsere Stärke und unsere Schwäche.
Leo (Lew) Borchard wurde in Moskau geboren. Seine Mutter Eugenia siedelte 1917 mit ihrem Sohn und ihrer Tochter nach Finnland über. Leo Borchard studierte Musik in Helsinki und Berlin. Er arbeitete als Dirigent und Kapellmeister in Berlin und Königsberg. Ab den 1930er Jahren lebten er und seine Partnerin, die Journalistin Ruth Andreas-Friedrich, im selben Haus am Hünensteig 6 in Berlin-Steglitz. Beide waren besorgt über die Verfolgung der Opposition und der Juden. Nach den Novemberpogromen von 1938 luden sie regelmäßig Gleichgesinnte zu sich ein, um über Hilfsmöglichkeiten für die Verfolgten zu sprechen. 1942 begannen das Paar und ihre Freunde, in Berlin untergetauchte Menschen, hauptsächlich Juden, zu unterstützen. Sie nahmen einige vorübergehend bei sich auf und besorgten Unterkunft und Verpflegung für andere und fälschten Papiere. Ab September 1943 gab Borchard dem jungen jüdischen Musiker Konrad Latte aus Breslau Musikunterricht und versorgte ihn mit Essen und Unterkunft. Als Borchard bei ausländischen Ensembles engagiert war, suchte er Unterstützung für den Widerstand im Ausland, unter anderem in Schweden. Mit Hilfe des Arztes Walter Seitz täuschte Borchard Anfang 1945 eine Lebererkrankung vor, um der Einberufung zum Volkssturm zu entgehen.
Zusammen mit anderen Mitgliedern der Gruppe „Onkel Emil“ sprühte er im April 1945 in einer riskanten Protestaktion gegen das Hitler-Regime das Wort „Nein“ an zahlreiche Mauern in Berlin. Kurz nach Kriegsende wurde Leo Borchard Direktor der Berliner Philharmoniker. Im August 1945 wurde er bei einer Militärkontrolle in Berlin versehentlich erschossen.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- 1943 widmete ihm Gottfried von Einemsein Capriccio für Orchester, op. 2: „Leo Borchard in Freundschaft gewidmet“. Borchard dirigierte die Uraufführung mit den Berliner Philharmonikern am 11. März 1943.
- Im Oktober 1988 wurde am Wohnhaus von Ruth Andreas-Friedrich und Leo Borchard eine Berliner Gedenktafel angebracht.
- 1990 erhielt die Musikschule des Berliner Bezirks Steglitz den Namen Leo-Borchard-Musikschule. Sie wird nach der Fusion mit der Musikschule in Zehlendorf zur Leo-Borchard-Musikschule Steglitz-Zehlendorf.
- 1995 widmeten die Berliner Philharmoniker unter Claudio Abbado ihrem früheren Dirigenten ein Festwochen-Konzert.
- Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann. Tagebuchaufzeichnungen 1938-1945. Erstveröffentlichung Hamburg 1947.
- Karin Friedrich: Zeitfunken. Biografie einer Familie. München 2000.
- Matthias Sträßner: Der Dirigent der nicht mitspielte. Leo Borchard 1899-1945. Berlin 2017.
- Wolfgang Benz: Protest und Menschlichkeit. Die Widerstandsgruppe „Onkel Emil“ im Nationalsozialismus.
Ditzingen 2020.
- Leo Borchard dirigiert die Overtüre zur Fledermaus von Johann Strauss. YouTube.
- Leo Borchard dirigiert Tschaikowskys Romeo und Julia. Aufnahme von 1945. YouTube.
- Markus Vanhoefer: Was heute geschah – 23. August 1945 – Leo Borchard wird erschossen. BR Klassiker 21.08.2023.
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