Korczak
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Er begleitete die Kinder des Waisenhauses auf ihrer letzten Reise.
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„Kinder haben ein Recht auf den heutigen Tag.
Er soll heiter sein, kindlich, sorglos.“Janusz Korczak
Janusz Korczak, geboren als Henryk Goldszmit, wächst in einer assimiliert polnisch- jüdischen Familie in Warschau auf. Nach dem Medizinstudium steht ihm eine vielversprechende Karriere als Arzt offen, doch er will armen und elternlosen Kindern helfen. Unter dem Namen „Janusz Korczak“, den er als Schriftsteller wählt, wird er einer der bedeutendsten Pädagogen seiner Zeit.
Ab 1911 leitet Korczak gemeinsam mit seiner engsten Vertrauten Stefania Wilczyńska das von ihm gegründete Waisenhaus „Dom Sierot“. Hier setzt er seine fortschrittlichen Erziehungsideen um: Kinder sind Menschen mit eigenen Bedürfnissen. Sie sollten ernst genommen und in Entscheidungen einbezogen werden. Sein Ziel ist eine Gesellschaft, in der Kinder und Erwachsene gleichwertig sind. Im „Dom Sierot“ verwirklicht er diese Vision: Das Waisenhaus wird zur Kinderrepublik mit eigener Verfassung, Parlament, Gericht und Zeitung. Jedes Kind hat Rechte, Pflichten – und die Verantwortung für das eigene Handeln.
1940 muss das Waisenhaus ins Warschauer Ghetto umziehen. Korczak und sein Team kämpfen täglich um Lebensmittel und Medikamente und bemühen sich, durch Unterricht, Konzerte und Theateraufführungen den Kindern ein Gefühl von Geborgenheit zu bewahren.
Im August 1942 beginnt die Deportation: Etwa 200 jüdische Waisenkinder sollen ins Vernichtungslager Treblinka gebracht werden. Freunde bieten Korczak die Möglichkeit zur Flucht – doch er lehnt ab. Den Kindern erzählt er, sie machen eine Reise. Sie ziehen ihre besten Kleider an, stellen sich in Reihen auf, und er marschiert singend mit ihnen zum Umschlagplatz. Irena Sendler, die als Krankenschwester im Ghetto Tausende Kinder hinausschmuggelte, erinnerte sich: „Der Weg vom Waisenhaus zum Umschlagplatz war lang – es dauerte vier Stunden, um dorthin zu gelangen. Ich habe sie gesehen, als sie von der Żelazna-Straße nach Leszno einbogen.“
Quellen: Yad Vashem: Janusz Korczak – Educational Materials, online.
Wladyslaw Szpilman: Das wunderbare Überleben. Warschauer Erinnerungen 1939 bis 1945. Berlin 1998, S. 93 f.
- 1972 erhält Korczak posthum den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
- 1978 gab die Deutsche Bundespost anlässlich seines 100. Geburtstags zu seinen Ehren eine 90-Pfennig-Briefmarke heraus. Im selben Jahr wurde die Internationale Korczak-Gesellschaft mit Sitz in Warschau gegründet. Die Deutsche Korczak-Gesellschaft folgte 1979.
- Am 1. April 1980 wurde ein Asteroid nach ihm benannt: (2163) Korczak.
- In Deutschland sind zahlreiche Schulen, Einrichtungen für Kinder und Straßen nach Janusz Korczak benannt.
- 2009 wurde in München die Europäische Janusz-Korczak-Akademie e. V. gegründet, um die jüdische Jugend- und Erwachsenenbildung sowie den interreligiösen Dialog zu fördern.

Denkmal für Janusz Korczak, Stefania Wilczyńska und die Kinder des Waisenhauses an der Świętokrzyska-Straße 32 in Warschau.
Enthüllt am 1. Juni 2006, dem Internationalen Kindertag. Wikimedia Commons, gemeinfrei. Künstler: Jan Bohdan Chmielewski.
Foto: Szczebrzeszynski – Eigenes Werk.
- Friedhelm Beiner (Hrsg.): Janusz Korczak: Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto 1942. Frankfurt am Main 1994.
- Friedhelm Beiner (Hrsg.): Janusz Korczak: Das Recht des Kindes auf Achtung. Frankfurt am Main 2002.
- Irène Cohen-Janca: Die letzte Reise: Janusz Korczak und seine Kinder. Berlin 2015.
- Sabine Andresen (Hrsg.): Janusz Korczak: Wie man ein Kind lieben soll. Göttingen 2018.
- Siegfried Steiger: Korczaks Erbe leuchtet weiter … Erinnerung will Licht sein: Wer in das Universum Korczaks eintaucht, erkennt, wohin verbohrte Ideologie, blinder Hass und alle Formen von Antisemitismus führen (können). Günzburg 2023.
Seit 1991 inszeniert das „Experimentelle Theater Günzburg“ Produktionen, die sich mit dem Leben und dem Werk von Janusz Korczak beschäftigen. Buch und Regie: Siegfried Steiger.
„Kinder haben ein Recht auf den heutigen Tag.
Er soll heiter sein, kindlich, sorglos.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
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Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main