Laabs
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Mein Handeln in diesen gefährlichen Jahren war selbstverständlich.
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Der Architekt und Feldwebel der Luftwaffe wird 1941 im besetzten Polen als Kreisbaurat in Chrzanów in der Nähe der Kleinstadt Oświęcim (Auschwitz) dienstverpflichtet. Dort wird Laabs Zeuge der Gewaltmaßnahmen gegen die jüdische Bevölkerung. Er erwirbt ein großes Grundstück für einen landwirtschaftlichen Betrieb, fordert jüdische Arbeitskräfte an und lässt ihnen Papiere ausstellen, wodurch sie vorläufig geschützt sind. Wenn Transporte in Vernichtungslager drohen, bietet er weiteren Verfolgten Zuflucht, besorgt ihnen Essen, Geld und Kleidung.
Im Februar 1943 gibt Laabs vor, etwa 100 Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu begleiten. Dabei tritt er in seiner Fliegeruniform auf. Die beiden Lastwagen schickt er jedoch nach Myslovice (Mislowitz, heute Tschechien) – die Fahrer sind bestochen, ein Offizier ist eingeweiht.
Am 15. Januar 1945 flüchtet Laabs mit seiner Familie vor der Roten Armee und erlebt das Kriegsende in Nordhessen. Nach einem langen Entnazifizierungsverfahren wird er 1949 als „entlastet“ eingestuft. 1972 erhält Karl Laabs das Bundesverdienstkreuz, 1980 wird er von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ anerkannt.
- 1972 erhielt Karl Laabs das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
- Ein Jahr nach seinem Tod wurde er 1980 von Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern geehrt. 1983 pflanzten seine Angehörigen zu seinen Ehren einen Baum auf der Allee der Gerechten.
- Am 31. Mai 2022 wurde das zentrale Lehrsaalgebäude der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen in „Feldwebel‑Laabs‑Zentrum“ umbenannt. Seine Biografie ist seither Teil der politisch-historischen Bildung angehender Unteroffiziere.
- Eycke Strickland: Augen sehen, Ohren hören. Eine Kindheit in Nazi-Deutschland 1933 – 1946. San Bernardino 2016.
- Reinhold Lütgemeier-Davin: Karl Laabs. Ein Juden- und Polenretter in Krenau/Chrzanów. Marburg 2020.
- In der englischsprachigen Reihe „Growing Up in Nazi Germany – Part 1–3“ berichtet Eycke Strickland, die Tochter von Karl Laabs, über ihre Kindheit in Deutschland von 1933 bis 1946. Das Interview wurde am Bellevue College (USA) aufgezeichnet und ist auf YouTube abrufbar.
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