Hoffnungsträger

Joachim Kügler
19. Mai 1926

25. Dez. 2012

Steckbrief

Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.

Joachim Kügler, geboren am 19. Mai 1926 in Frankfurt am Main, studierte Jura und legte 1951 das zweite Staatsexamen ab. Nach seiner Zeit als Anwaltsassessor trat er in den Staatsdienst ein und war als Gerichtsassessor bei der Amtsanwaltschaft Frankfurt sowie den Staatsanwaltschaften in Darmstadt und Frankfurt tätig.

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19. Mai 1926

25. Dez. 2012
Frankfurt am Main

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Gummersbach

Sie haben es nicht gewusst, wollen Sie sagen?“

Sie haben es nicht gewusst, wollen Sie sagen?“

Joachim Kügler, geboren am 19. Mai 1926 in Frankfurt am Main, studierte Jura und legte 1951 das zweite Staatsexamen ab. Nach seiner Zeit als Anwaltsassessor trat er in den Staatsdienst ein und war als Gerichtsassessor bei der Amtsanwaltschaft Frankfurt sowie den Staatsanwaltschaften in Darmstadt und Frankfurt tätig.

Als einer der Staatsanwälte im Frankfurter Auschwitz-Prozess ermittelte Kügler von 1959 bis 1965 auf Initiative von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer gemeinsam mit Gerhard Wiese und Georg Friedrich Vogel gegen NS-Täter. Mit seiner beharrlichen Prozessführung entlarvte er das Leugnen und Verharmlosen der Angeklagten. Seine Frage an einen Täter – „Sie haben es nicht gewusst, wollen Sie sagen?“ – brachte sowohl die Strategie der NS-Verbrecher als auch seine eigene Empörung auf den Punkt.

Am 13. Mai 1965 fasst Joachim Kügler am Anfang seines Plädoyers die Auffassung der Staatsanwaltschaft im ersten Auschwitz-Prozess vor dem Landgericht Frankfurt am Main in der „Strafsache gegen Mulka u. a.“ zusammen: „Die Beweisaufnahme hat mit glasklarer Härte ergeben, dass wir es hier mit einem Mördertum von unvorstellbarer Entsetzlichkeit zu tun haben und dass dessen Funktionieren von dem bewussten und gewollten Zusammenwirken der Angeklagten und Tausender anderer abhing. Ihre Untaten waren von so ungezügelter und zugleich sachlich-bürokratisch organisierter Lieblosigkeit, Bosheit und Mordgier, dass niemand sie ohne tiefe Scham darüber, dass Menschen zu dergleichen fähig sind, überdenken kann. Auschwitz war ein Hohlraum völliger Kulturentledigung. Der Erfolg ihres mörderischen Zusammenwirkens ist bis heute, mehr als zwanzig Jahre nach dem letzten Atemzug der Opfer, Spuren von einmaliger Intensität hinterlassen.“

Joachim Kügler schied unmittelbar nach Ende des Auschwitzprozesses, entgegen dem Wunsch von Fritz Bauer, aus dem Justizdienst aus. Er gründete in der Frankfurter Innenstadt eine renommierte Anwaltskanzlei, die er bis zu seinem Ruhestand 1991 leitete. Später zog er aus privaten Gründen ins Rheinland und verstarb 2012 in Gummersbach. Obwohl er stets betonte, in Frankfurt beigesetzt werden zu wollen, wurde er aufgrund fehlender finanzieller Mittel und Angehöriger auf Kosten der Stadt Gummersbach in einem anonymen Urnengrab bestattet.

Am 30. September 2015 veranlasste der Immobilienentwickler Ardi Goldman die Umbettung Joachim Küglers in ein Ehrengrab auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. Für Goldman war es eine Pflicht und ein tiefes Bedürfnis, Küglers letzten Wunsch zu erfüllen. „In einer Zeit, wo wir wieder die Freiheit verteidigen müssen gegen Menschen, die die hässliche Fratze der Menschenverachtung zeigen, ist es wichtig, Haltung und Courage zu zeigen. Joachim Kügler hat das mit seiner ganzen Kraft getan.“

Über hundert Personen nahmen an der Gedenkfeier für Joachim Kügler teil. Ardi Goldman, der Jurist Rupert von Plottnitz – ehemaliger hessischer Staatsminister, Werner Renz und Harry Schnabel – damaliger Gemeindevorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main – würdigten seine Rolle im Auschwitz-Prozess und seine Rückkehr nach Frankfurt. Schnabel erinnerte an die Anfeindungen gegen die ermittelnde Staatsanwaltschaft und betonte die Notwendigkeit, standhaften Menschen wie Kügler posthum Respekt zu erweisen. Von Plottnitz hob dessen unbeirrten Einsatz für die Rechte der Auschwitz-Opfer als bedeutendes rechtshistorisches und rechtsstaatliches Vermächtnis hervor.

Auf Initiative von Ardi Goldman erhielt Küglers Ehrengrab die schlichte Inschrift mit seinem Leitmotiv: „Sie haben es nicht gewusst, wollen Sie sagen?“ – eine bleibende Erinnerung an Joachim Küglers unermüdlichen Einsatz für Gerechtigkeit.

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