{"id":1492,"date":"2025-07-31T05:59:19","date_gmt":"2025-07-31T05:59:19","guid":{"rendered":"https:\/\/kultur-goldman.de\/?post_type=kunst&#038;p=1492"},"modified":"2026-04-22T17:22:55","modified_gmt":"2026-04-22T17:22:55","slug":"crown-of-horns-2024","status":"publish","type":"kunst","link":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/kunst\/crown-of-horns-2024\/","title":{"rendered":"Baumann Crown of Horns, 2024"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anselm Baumann \u2013 CROWN OF HORNS<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der K\u00fcnstler Anselm Baumann agiert wie ein Forscher. Seine Arbeitsweise ist ein intensives Experimentieren mit Farben, Materialien und Produktionstechniken, wobei seine Werke oft in einem \u00fcber Monate dauernden Entwicklungsprozess entstehen und stets um ein zentrales Thema kreisen, den Raum. Der Raum verstanden als architektonischer, als Farb- und Ideenraum, der sich zwischen Konstruktion und Vorstellung entfaltet. Wesentlich f\u00fcr diesen Prozess ist dabei das Unvorhersehbare, das als St\u00f6rung akzeptiert und als kreatives Potenzial bewusst in den Arbeitsprozess integriert wird. Diese Offenheit erlaubt es dem Werk, sich jenseits des urspr\u00fcnglich Gedachten zu entwickeln. Als gelernter Bildhauer kam Baumann fr\u00fch mit unterschiedlichsten Materialien und Bearbeitungstechniken in Kontakt. Seither hat er sein Spektrum konsequent erweitert, was sich besonders in seinen Gipsreliefs zeigt. Abstrakte Collagen innerhalb architektonischer Elemente, dabei werden Ma\u00dfstab und Zweck bewusst in der Schwebe gehalten. Modelle f\u00fcr Geb\u00e4ude oder nur Fassaden, finale Werke oder Zwischenstufen einer gr\u00f6\u00dferen Idee sind in ihrer gewollten Ambivalenz Teil des k\u00fcnstlerischen Konzepts, das durch die modellhafte Unfertigkeit die Vorstellungskraft der Betrachtenden aktiviert und Raum l\u00e4sst f\u00fcr die Frage: Wie s\u00e4he ein Geb\u00e4ude dieser Art aus, wo st\u00fcnde es, wie w\u00fcrde es wirken? Auf dem Union-Areal manifestiert sich diese Denkweise in zwei nestartig plastischen Gebilden. Wie stilisierte Kapitelle erinnern sie an Baumkronen und fungieren als skulpturale Inan den Schnittstellen der Pfosten-Riegel-Konstruktion. Mit ihrer kraftvollen Pr\u00e4senz lenken sie den Blick nach oben, w\u00e4hrend sie zugleich den rationalen Pragmatismus der baulichen Struktur unterlaufen und durch ihre organoide Formsprache in einen Dialog mit der konstruktiven Klarheit treten. So beginnt ein Spiel, bei dem plastische Elemente und collagierte Oberfl\u00e4chenstrukturen st\u00e4ndig neue Wahrnehmungen freisetzen und durch die Bewegung entlang der Wendeltreppe die Betrachtenden selbst zu Akteuren werden, die durch ihre Perspektive Ver\u00e4nderungen erzeugen, indem sie die Nest-Baumkronen-Konstellation immer wieder neu erleben. Sie entstehen aus der Auseinandersetzung mit nat\u00fcrlichen Nestformen und vergleichbaren organischen Strukturen, wobei die in Aluminium gegossenen \u00c4ste mit filigraner Anmutung eine Fortsetzung und Steigerung der jeweiligen Wendeltreppen darstellen und in einen Dialog mit den D\u00e4chern eintreten. In diesem narrativen Geflecht, das Architektur, Skulptur und Symbolik miteinander verwebt, beziehen sich die beiden Baumskulpturen zusammen mit den stilisierten Widderh\u00f6rnern auf die biblische Erz\u00e4hlung der Opferung Isaaks. Ein begleitender Schriftzug visualisiert die Tradition des Schofar-Blasens, jenes archaische Widderhorn, das im Judentum eine tiefe spirituelle Bedeutung hat. An Rosch Haschana, dem j\u00fcdischen Neujahrsfest, wird traditionell das Schofar geblasen, um einen inneren Weckruf zur Umkehr auszul\u00f6sen. Dieser Ruf steht f\u00fcr Erneuerung, Freiheit, Erl\u00f6sung. Seine T\u00f6ne \u2013 Tekia, Tru\u2019ah und Schewarim \u2013 formen eine symbolische Klangarchitektur, die zwischen Best\u00e4ndigkeit, Aufl\u00f6sung und Unterbrechung oszilliert, wobei die Schewarim, im j\u00fcdischen Kontext als \u201eBruchst\u00fccke\u201c gedeutet, f\u00fcr den Zustand des Ersch\u00fcttertseins und zugleich der Erneuerung stehen und somit eine metaphorische Br\u00fccke schlagen zwischen dem Gebrochen werden und dem Aufbruch zu Neuem. Die Schrift, die diese klangliche Symbolik aufgreift, spielt mit der Idee der Lautmalerei; Gr\u00f6\u00dfe, Farbe und die m\u00f6gliche Ausf\u00fchrung als Cut-outs sind Teil des gestalterischen Konzepts, das den Dialog zwischen Skulptur, Text, Klang und spiritueller Bedeutung er\u00f6ffnet und letztlich auch die Frage nach der Wirksamkeit von Kunst im Raum stellt: als St\u00f6rung, als Widerstand, als Ansto\u00df zur Ver\u00e4nderung.<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"featured_media":1493,"template":"","style-kunst":[],"qr-kat":[],"qr-code-kunst":[],"class_list":["post-1492","kunst","type-kunst","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","entry","has-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst\/1492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst"}],"about":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kunst"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1493"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"style-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/style-kunst?post=1492"},{"taxonomy":"qr-kat","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-kat?post=1492"},{"taxonomy":"qr-code-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-code-kunst?post=1492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}