{"id":1791,"date":"2025-08-26T04:23:40","date_gmt":"2025-08-26T04:23:40","guid":{"rendered":"https:\/\/kultur-goldman.de\/?post_type=kunst&#038;p=1791"},"modified":"2026-04-22T17:11:46","modified_gmt":"2026-04-22T17:11:46","slug":"ggg-1120-2016","status":"publish","type":"kunst","link":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/kunst\/ggg-1120-2016\/","title":{"rendered":"Slominski GGG 1120, 2016"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Andreas Slominski, Spezialist f\u00fcr Fallen und Finten, K\u00e4fige und K\u00f6der, seziert das Allt\u00e4gliche mit fast wissenschaftlicher Pr\u00e4zision. In den 80ern entwickelte der K\u00fcnstler Tierfallen, die an minimalistische Kunstobjekte erinnern, oder pr\u00e4sentierte Garagentore wie abstrakte Gem\u00e4lde und widmete sich weiteren Alltagsobjekten, wie dem Dixi-Klo.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was sehen wir auf dem Union-Areal? Was <em>GGG 1120<\/em> ist, als Ding, bedarf keiner Frage. Dass es sich dabei um ein Kunstwerk handelt, muss an dieser Stelle auch nicht weiter ausgef\u00fchrt werden. Mit <em>GGG 1120<\/em> pr\u00e4sentiert der K\u00fcnstler ein industriell gefertigtes, braun lackiertes Garagentor, das Teil einer Werkreihe ist, die sich auf Marcel Duchamps Readymades bezieht und die im Originalzustand gezeigt oder noch durch Schilder, Objekte oder Umbauten verfremdet werden. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Objekte, aus dem funktionalen Kontext herausgel\u00f6st und in einen klassischen Metallrahmen erhoben, die sonst den Zugang zu einem privaten, verschlossenen Raum markieren, werden hier zur autonomen Tafel, zum vermeintlichen Bild. Doch was verr\u00e4t uns diese Verschiebung, der Perspektivwechsel \u00fcber uns selbst als Betrachtende? Welche Welt \u00f6ffnet oder schlie\u00dft sich?&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gew\u00e4hlte Farbigkeit, ein dumpfes \u201eKackbraun\u201c, erinnert an den schmutzigen Realismus der Alltagswelt, an Garagenflure, Einfahrten, an die ges\u00e4ttigte Biederkeit kleinb\u00fcrgerlicher Wohnkultur. Braun als Farbe des Erdigen, des Bodens kann hier auch als Symbol f\u00fcr Tr\u00e4gheit, Besitzdenken, Enge gelesen werden und, in ihrer historischen Aufladung, als leiser Verweis auf den braunen Schatten des Nationalsozialismus. Die Farbwahl kann auf ein Kontinuum des Denkens rekurrieren, in dem das Gew\u00f6hnliche, das Spie\u00dfige und das politisch Gef\u00e4hrliche ineinandergreifen. Das Garagentor wird so zum Sinnbild einer gesellschaftlichen Haltung: des Abgrenzens, des Bewahrens, des Eingeschlossenseins in den eigenen Grenzen. Das banale Alltagsobjekt, als Symbol des Eigenheims und Besitzstands, wird zur Falle f\u00fcr unsere Erwartungen an Kunst. Indem der K\u00fcnstler uns auf die Innenseite des Tores blicken l\u00e4sst, das, was man normalerweise nicht sieht, verdreht Slominski die Zeichen: Das Kunstwerk wei\u00df um die Erwartungen, die an es gestellt werden, und erf\u00fcllt sie nicht. Es bleibt verschlossen, gleichsam unzug\u00e4nglich. Die Betrachtenden stehen sprichw\u00f6rtlich vor verschlossenen Toren. Und gerade darin liegt der Reiz: in der Erkenntnis, dass der ideelle Mehrwert, das Erz\u00e4hlen, das Denken, in uns selbst entsteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig spielt Slominski mit der \u00c4sthetik der Konzeptkunst und den Ideen von Marcel Duchamp. Wie ein Readymade verweigert <em>GGG 1120<\/em> den traditionellen Anspruch an handwerkliche oder \u00e4sthetische Erhabenheit und konfrontiert die Betrachtenden mit einem Objekt, das sie zu kennen glauben. Slominski agiert hier wie ein wissenschaftlicher Beobachter, ein K\u00fcnstler-Fallensteller. Er baut keine Falle f\u00fcr Tiere, sondern f\u00fcr Gedanken. Das Werk ist eine Versuchsanordnung: Es l\u00e4dt dazu ein, die eigenen Sehgewohnheiten und Bedeutungszuschreibungen zu pr\u00fcfen. Wie sehr sind wir darauf trainiert, im vermeintlich Banalen nach \u201etieferem Sinn\u201c zu suchen? Wie leicht lassen wir uns verf\u00fchren, aus Farbe, Form und Titel eine Geschichte zu spinnen? <em>GGG 1120<\/em> ist sich dieser Mechanismen bewusst und f\u00fchrt sie mit feiner Ironie ad absurdum.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk <em>GGG 1120<\/em> l\u00e4sst die Betrachtenden in der Garage stehen, einem Zwischenraum zwischen Alltag und Kunst, Labor und Zuflucht. Hier kippt das Funktionale ins Symbolische: Das Tor wird zum Sinnbild des Eingeschlossenen, des Schutzraums, aber auch der ideologischen Enge, aus der man vielleicht nur durch ein anderes Sehen entkommen kann. So l\u00e4sst sich <em>GGG 1120<\/em> als eine pr\u00e4zise gebaute, zugleich aber hochgradig ambivalente Falle lesen, f\u00fcr Wahrnehmung, Bedeutung und Selbstgewissheit. Die kackbraune Fl\u00e4che ist nicht nur Farbe, sondern Haltung: eine Mischung aus Ironie, Provokation und Analyse. Slominski h\u00e4lt uns den Spiegel vor und dieser Spiegel ist aus industriell gefertigtem Blech.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"featured_media":1795,"template":"","style-kunst":[],"qr-kat":[],"qr-code-kunst":[],"class_list":["post-1791","kunst","type-kunst","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","entry","has-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst\/1791","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst"}],"about":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kunst"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1795"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1791"}],"wp:term":[{"taxonomy":"style-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/style-kunst?post=1791"},{"taxonomy":"qr-kat","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-kat?post=1791"},{"taxonomy":"qr-code-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-code-kunst?post=1791"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}