{"id":2514,"date":"2025-09-02T12:41:16","date_gmt":"2025-09-02T12:41:16","guid":{"rendered":"https:\/\/kultur-goldman.de\/?post_type=kunst&#038;p=2514"},"modified":"2026-05-22T15:35:26","modified_gmt":"2026-05-22T15:35:26","slug":"vergangenheit-die-nicht-vergehen-will-2024","status":"publish","type":"kunst","link":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/kunst\/vergangenheit-die-nicht-vergehen-will-2024\/","title":{"rendered":"Warburg Vergangenheit, die nicht vergehen will,\u00a02024"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Nicholas Warburg \u2013 Vergangenheit, die nicht vergehen will<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit seinem Werk &#8211; \u201eVergangenheit, die nicht vergehen will\u201c &#8211; greift der K\u00fcnstler Nicholas Warburg die verdr\u00e4ngte, selektiv erinnerte Geschichte des Holocaust auf, eine schmerzhafte Leerstelle in der kollektiven Erinnerungskultur Deutschlands.<br>Der Titel des Werks zitiert bewusst die Formulierung des Historikers Ernst Nolte, dessen gleichnamiger Beitrag 1986 in der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> erschien und den \u201eHistorikerstreit\u201c ausl\u00f6ste. In einer Reihe sp\u00e4terer Debatten \u2013 angefangen bei Martin Walsers Rede zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1998, in der er von der \u201eMoralkeule Auschwitz\u201c und der \u201eMonumentalisierung unserer Schande\u201c sprach, bis zu Bj\u00f6rn H\u00f6ckes Rede von 2017, in der er das Berliner Holocaust-Mahnmal als ein \u201eDenkmal der Schande\u201c bezeichnete \u2013 zeigt sich eine Linie eklatanter Geschichtsvergessenheit.<br>Auch in der aktuellen Debatte des Historikerstreit 2.0 wird wieder die Singularit\u00e4t des Holocaust in Frage gestellt, dieses Mal sind es jedoch keine deutschen Intellektuellen, sondern internationale Wissenschaftler*innen vor allem aus dem postkolonialen Spektrum. Warburg positioniert sich gegen diese Tendenzen \u2013 und spiegelt zugleich die Ambivalenz, mit der sich die deutsche Erinnerungskultur ihrer eigenen Vergangenheit stellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bekannt wurde Nicholas Warburg als Mitgr\u00fcnder des Kollektivs <em>Frankfurter Hauptschule<\/em>, das seit 2013 durch medienwirksame, oft provokante Aktionen Aufmerksamkeit erregt. Seine Arbeiten thematisieren deutsche Mythen, autorit\u00e4re Denkfiguren und die blinden Flecken einer sich als aufgekl\u00e4rt verstehenden Gesellschaft. Sein Werk lebt von Irritation, Humor und analytischer Pr\u00e4zision. Er setzt dort an, wo es weh tut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Figuren in Warburgs Arbeit \u201eVergangenheit, die nicht vergehen will\u201c erscheinen wie R\u00fcckenansichten aus einem alten Comic, keine \u201eEntenhausener Helden\u201c, sondern \u201eVater und Sohn\u201c, sinnbildlich f\u00fcr die Generation der T\u00e4ter und der Nachgeborenen. Die vermeintlich harmlosen Referenzen kippen, wenn man sich fragt, welche Erz\u00e4hlungen fehlen \u2013 und warum manche Bilder so pr\u00e4sent sind, w\u00e4hrend andere systematisch verdr\u00e4ngt wurden.<br>Warburgs Kunst analysiert und nimmt die Formen der Popkultur, der Medien und des Designs als Speicher kollektiver Vorstellungen, W\u00fcnsche und Projektionen ernst. Zwischen Wohlstandskitsch und Aufarbeitungsl\u00fccke wird seine Bildsprache zum Skalpell.<br>Seine Arbeit verweist auf das, was die Soziologen Oliver Decker und Elmar Br\u00e4hler im Anschluss an Herbert Marcuse als \u201enarzisstische Plombe\u201c bezeichnen: eine Gesellschaft, die sich \u2013 wenn keine F\u00fchrerfigur mehr greifbar ist \u2013 abstraktere Identifikationssymbole wie eine starke D-Mark sucht. Wohlstand tilgt Schuld und Erinnerung wird durch historische Kulissen ersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Arbeit spricht von Verdr\u00e4ngung, Verkl\u00e4rung und Vergessen, ohne moralisierend zu sein. Mit \u201eVergangenheit, die nicht vergehen will\u201c formuliert Nicholas Warburg einen klugen und vielschichtigen Kommentar zum kulturellen Ged\u00e4chtnis der Bundesrepublik und konfrontiert das Publikum mit der Frage: Welche Geschichten erz\u00e4hlen, welche verschweigen wir? Und wie verorten wir uns selbst im Kontext dieser Erz\u00e4hlung?<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>","protected":false},"featured_media":2518,"template":"","style-kunst":[],"qr-kat":[],"qr-code-kunst":[],"class_list":["post-2514","kunst","type-kunst","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","entry","has-media"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst\/2514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/kunst"}],"about":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/types\/kunst"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"style-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/style-kunst?post=2514"},{"taxonomy":"qr-kat","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-kat?post=2514"},{"taxonomy":"qr-code-kunst","embeddable":true,"href":"https:\/\/kultur-goldman.de\/it\/wp-json\/wp\/v2\/qr-code-kunst?post=2514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}