Hoffnungsträger

Hans-Albrecht Löhr
29. Mai 1922

22. August 1942

PORTRAIT

Der kleine Dienstag.

29. Mai 1922

22. August 1942
Berlin

·

bei Saplatino

Erich Kästners und Hans-Albrecht Löhrs Freundschaft beginnt 1929. Der siebenjährige Hans-Albrecht war von Kästners gerade erschienenem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ so begeistert, dass er dem Schriftsteller einen Leserbrief schreibt. Mit seinem Brief, in dem der ohne Vater aufwachsende Hans-Albrecht sich, seine Mutter und seine Schwester vorstellt, und Kästner aufzählt, welche Straßen Berlins, in denen Emils Geschichte spielt, er angesehen hat, erobert er sofort Kästners Herz.

„Da der kleine Hans-Albrecht Löhr ein ungewöhnlich liebenswürdiger und aufgeweckter kleiner Junge war, blieb es nicht aus, dass wir uns anfreundeten … Jedenfalls ist dieser Hans-Albrecht für mich eine unverlierbare Erinnerung. Allein an diesem einzigen sinnlosen Verlust kann ich ermessen, was, millionenfach multipliziert, Hitler auf dem Gewissen hat.“

Erich Kästners und Hans-Albrecht Löhrs Freundschaft beginnt 1929. Der siebenjährige Hans-Albrecht war von Kästners gerade erschienenem Kinderbuch „Emil und die Detektive“ so begeistert, dass er dem Schriftsteller einen Leserbrief schreibt. Mit seinem Brief, in dem der ohne Vater aufwachsende Hans-Albrecht sich, seine Mutter und seine Schwester vorstellt, und Kästner aufzählt, welche Straßen Berlins, in denen Emils Geschichte spielt, er angesehen hat, erobert er sofort Kästners Herz.

Nach mehreren Briefen treffen sie sich zum Kaffee und Hans-Albrecht ist glücklich dem von ihm verehrten Kästner nah zu sein. 1930 spielt Löhr in der Theaterfassung von Emil und die Detektive den kleinen Dienstag. Als der Roman 1931 verfilmt wird und er auch hier die Rolle des kleinen Dienstags spielen darf, erfüllt sich für ihn ein Traum. Eine große Ehre. “Der kleine Dienstag“ wird sein Spitzname. Löhr und seine Schwester sind Testleser für Kästners nächstes Kinderbuch „Pünktchen und Anton“.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 ändert sich alles. Kästner muss mit ansehen, wie seine Bücher verbrannt, sein Werk verboten und ihm selbst jede Veröffentlichung untersagt wird. Er schreibt nun unter Pseudonym Drehbücher – auch für nationalsozialistische Filmproduktionen. Nach einem Verhör durch die Gestapo zieht er einen schmerzhaften Schluss: Aus Angst, Hans-Albrecht in Gefahr zu bringen, bricht er den Kontakt ab. Er weiß, wie sehr ihn das treffen wird. Hans-Albrecht glaubt, sein großes Vorbild sei wie viele andere Intellektuelle ins Exil gegangen. Doch Kästner bleibt in Berlin.

Nach einer Falschmeldung über Kästners Tod, weiß der inzwischen jugendliche Hans-Albrecht, dass sein Freund die ganze Zeit in Berlin war. Ihm wird klar, dass Kästner ihn nur schützen wollte und steht weiterhin zu ihrer Freundschaft. Beide hoffen auf ein schnelles Ende des Krieges. Umsonst: Hans-Albert bekommt seinen Einberufungsbescheid, was für den Pazifisten Kästner unerträglich ist. Dennoch sieht er für den 19-jährigen keine Chance sich dem zu widersetzen, da auf Desertion die Todesstrafe steht.

Nachdem Kästners Freund Erich Ohser alias e.o.plauen in Gestapo-Haft Suizid beging und seine eigene Wohnung durch Bombenangriffe der Alliierten zerstört wurde, verlässt er doch noch Berlin. Bei Kriegsende erhält er während vorgetäuschter Dreharbeiten in Tirol die Nachricht von Hans-Albrecht Löhrs Tod, „gefallen an der Ostfront“. Der kleine Dienstag wurde 20 Jahre alt.

Quelle: Dorothee Schön, Kästner-Genese, online.

„Da der kleine Hans-Albrecht Löhr ein ungewöhnlich liebenswürdiger und aufgeweckter kleiner Junge war, blieb es nicht aus, dass wir uns anfreundeten … Jedenfalls ist dieser Hans-Albrecht für mich eine unverlierbare Erinnerung. Allein an diesem einzigen sinnlosen Verlust kann ich ermessen, was, millionenfach multipliziert, Hitler auf dem Gewissen hat.“

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