Hoffnungsträger

Charlotte Salomon
16. April 1917

10. Oktober 1943

PORTRAIT

Leben? Oder Theater?

Charlotte Salomon wird 1917 in Berlin in eine liberale jüdische Familie geboren. Ihr Vater ist ein angesehener Chirurg und ihre Mutter Krankenschwester. Charlotte ist acht Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Ihre Kindermädchen und Paula Lindberg, die zweite Frau ihres Vaters, eine berühmte Mezzosopranistin, kümmern sich um Charlotte und erkennen ihr künstlerisches Talent.
16. April 1917

10. Oktober 1943
Berlin

·

Auschwitz-Birkenau

„Der Krieg tobte weiter, und ich saß da am Meer und sah tief hinein in die Herzen der Menschen. Ich war meine Mutter, meine Großmutter, ja, alle Personen, alle Personen, die vorkommen in meinem Stück, war ich selbst.“

Charlotte Salomon wird 1917 in Berlin in eine liberale jüdische Familie geboren. Ihr Vater ist ein angesehener Chirurg und ihre Mutter Krankenschwester. Charlotte ist acht Jahre alt, als ihre Mutter stirbt. Ihre Kindermädchen und Paula Lindberg, die zweite Frau ihres Vaters, eine berühmte Mezzosopranistin, kümmern sich um Charlotte und erkennen ihr künstlerisches Talent.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wird Charlottes Vater entlassen und Paula Lindberg erhält Auftrittsverbot. 1935 wird Charlotte trotz der bereits geltenden Rassengesetze, an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin aufgenommen. Im Wintersemester 1937 bricht sie ihr Studium ab, nachdem ihr der erste Preis bei einem Wettbewerb aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aberkannt wird.

Ihr Vater Albert, wird am Tag nach der Reichspogromnach, am 10. November 1938, verhaftet. Dank gefälschter Papiere, die seine Frau Paula besorgt, kommt er wieder frei. Angesichts der Gefahren, denen die Juden in Deutschland ausgesetzt sind, wird Charlotte Anfang 1939 von ihrem Vater zu ihren Großeltern nach Villefranche in Südfrankreich geschickt.

Als die deutschen Truppen 1940 in Frankreich vorrücken, fühlt sich Charlottes Großmutter zunehmend bedroht und nimmt sich das Leben. Von ihrem Großvater erfährt Charlotte erstmals von einer ganzen Reihe von Selbstmorden in ihrer Familie – darunter auch der ihrer Mutter.
Sie ist schockiert, hat Angst verrückt zu werden und sich das Leben zu nehmen. Um sich selbst zu retten, beginnt sie ihr Leben zu malen. Im Sommer 1940 wird sie zusammen mit ihrem Großvater für etwa zwei Monate im Lager Gurs interniert. Nach ihrer Entlassung arbeitet sie weiter an ihrer künstlerischen Autobiografie. In dichten Szenen erzählt sie von ihrer Familie, ihren Freunden, den Massen, dem Jubel, den Flaggen und der Gewalt. Biografisches und Fiktives verbinden sich zu einer Erzählung. Charlotte stellt sich Musik vor, die jede Szene begleitet – ihr Werk wächst zu einem Singspiel, halb Theaterstück, halb Graphic Novel. Salomons einzigartiges Werk ist von großer Schönheit und zeigt ihren Lebenswillen. Zwischen 1940 und 1942 entstehen über 1300 Gouachen; 800 davon wählt sie für ihr Meisterwerk „Leben? Oder Theater?“ aus.

Charlotte freundet sich mit dem österreichischen jüdischen Flüchtling Alexander Nagler an. Wenige Monate nach dem Tod ihres Großvaters, heiraten sie im Juni 1943. Am 24. September 1943 wird das Paar verhaftet, in das Durchgangslager Drancy verschleppt und kurz darauf nach Auschwitz deportiert. Charlotte Salomon, zu dieser Zeit im fünften Monat schwanger, wird vermutlich gleich bei ihrer Ankunft am 10. Oktober 1943 ermordet. Ihr Mann kommt ins Arbeitslager, wo er drei Monate später stirbt.

Doch Charlotte Salomons Werk bleibt. Leben? oder Theater? bewahrt ihre Hoffnung, ihre Stimme und ihren künstlerischen Widerstand.

Seit 1971 befinden sich Charlotte Salomons Arbeiten im Joods Museum in Amsterdam (Charlotte Salomon Foundation).

Quellen: Yad Vashem
Doris Hermanns: Charlotte Salomon: Biografie. Fembio, Frauenbiografieforschung, online. 10. Oktober 2023.

 

„Der Krieg tobte weiter, und ich saß da am Meer und sah tief hinein in die Herzen der Menschen. Ich war meine Mutter, meine Großmutter, ja, alle Personen, alle Personen, die vorkommen in meinem Stück, war ich selbst.“

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