Hoffnungsträger

Die verbrannten Dichter

Bodenrelief

Was die Lebenden zu den Toten reden, hören die Toten nicht. Doch was die Toten den Lebenden sagen, müssen die Lebenden verstehen.

Dass Hugo Sonnenschein, der Dichter, genannt Sonka, dessen Zitat die Bronzeplatte schmückt, – ein Anarchist, der Auschwitz überlebte und 1953 in einem tschechischen Gefängnis starb -, wiederentdeckt wurde, verdanken wir dem Journalisten Jürgen Serke.

Personen:
Keun Irmgard
Graf Oskar Maria
Erich Mühsam

Es ist dunkel geworden, überall in Europa. Umso wichtiger ist es, auf den Widerstand solcher Menschen hinzuweisen, die in ihrem Leben vieles und manche auch alles riskiert haben, wenn man die Menschlichkeit in einer Gesellschaft durchsetzen will.

Es ist dunkel geworden, überall in Europa. Umso wichtiger ist es, auf den Widerstand solcher Menschen hinzuweisen, die in ihrem Leben vieles und manche auch alles riskiert haben, wenn man die Menschlichkeit in einer Gesellschaft durchsetzen will.

Dass Hugo Sonnenschein, der Dichter, genannt Sonka, dessen Zitat die Bronzeplatte schmückt, – ein Anarchist, der Auschwitz überlebte und 1953 in einem tschechischen Gefängnis starb -, wiederentdeckt wurde, verdanken wir dem Journalisten Jürgen Serke.

Der 10. Mai 1933 war der Höhepunkt der Aktion „wider den undeutschen Geist“. In 19 deutschen Universitätsstädten brannten die Scheiterhaufen. Aus öffentlichen und privaten Bibliotheken hatte man die Bücher von jüdischen und oppositionellen Autoren herangekarrt und unter Johlen und Feuersprüchen öffentlich verbrannt. Studenten, Professoren, Männer in Uniform, einfache Bürger waren es, die sie ins Feuer warfen. Sie verbrannten die Bücher, aber sie meinten die Menschen. „Holocaust of Books“, hatte es die amerikanische Illustrierte „Newsweek“ genannt.
Kurt Tucholsky, Heinrich Mann, sein Neffe Klaus, Franz Kafka, Bertolt Brecht, Anna Seghers, um nur einige zu nennen, deren Bücher verbrannt wurden, kennt jeder. Vielleicht auch Erich Kästners Geschichte, wie er Zeuge wurde, als in Berlin auf dem Opernplatz sein Roman Fabian verbrannt wurde. Aber wie ist es mit Armin T. Wegner, der Dichter, der Hitler trotzte? Der Schriftstellerin Claire Goll, dem Lyriker Albert Ehrenstein oder Else Lasker-Schüler? Wer kannte sie noch, wer noch ihre Werke?

War es Hitler gelungen, eine ganze Generation von Dichtern auszulöschen? Nein!

Im Herbst 1976 erschien im Magazin Stern Jürgen Serkes Serie „Die verbrannten Dichter“. Porträts von Dichterinnen und Schriftstellern, deren Werke 1933 von den Nationalsozialisten verbrannt und die selbst verfolgt, vertrieben oder ermordet worden waren. Serke hatte ihre Geschichten recherchiert, sie aufgespürt, sofern sie noch lebten, und befragt, Wilfried Bauer hatte sie fotografiert. Es war eine „Entdeckungsreise in die deutsche Geschichte“, wie Serke es nannte. Die Resonanz der Leser, ihre Betroffenheit darüber, was ihnen an Literatur geraubt worden war, war enorm. Ein Jahr später erschien die Serie um 20 Porträts erweitert als Buch. Es sollte Folgen haben: Die Werke von Franz Jung und Walter Mehring wurden neu aufgelegt. Auch Irmgard Keun, die mit Gilgi, eine von uns über Nacht zum Shootingstar der Weimarer Republik geworden war, die die Nazis verklagt und Deutschland den Rücken gekehrt hatte, wurde wiederentdeckt. Sie konnte zwar nicht mehr an ihre Erfolge vor dem Krieg anschließen, aber ihre Bücher wurden wieder verlegt und sie geehrt.

Ardi Goldman war dabei, als am 9. Mai 2023, 90 Jahre nach der Bücherverbrennung 1933 und kurz nach Jürgen Serkes 85. Geburtstag, in der Deutschen Nationalbibliothek Die verbrannten Dichter in der Neuausgabe des Wallstein Verlags vorgestellt wurden, und er hatte ein Anliegen. Ardi Goldman wollte Jürgen Serke, dessen Reportagen über Die verbrannten Dichter ihn tief berührt hatten, für die Topographie der Hoffnung gewinnen.
Was hätte alles entstehen können, aber das Leben hatte einen anderen Plan. Kurz vor seinem 86. Geburtstag verschwand Jürgen Serke „rittlings auf einer Wolke in den Himmel“.
Was bleibt? Seine Signatur: „Jürgen Serke für Ardi Goldman – Frankfurt – 9. Mai 2023
Ein wehmütiger Zauber und das Bedürfnis sich zu bedanken.

WIR EHREN JÜRGEN SERKE, DER DIE VERBRANNTEN DICHTER WIEDERENTDECKT UND UNS ZURÜCKGEGEBEN HAT.

Jürgen Serkes Sammlung von Büchern, Bildern und Dokumenten wurde 2008 von der Else-Lasker-Schüler Stiftung übernommen. Sie ist Teil der „Bürgerstiftung für verfolgte Künste – Else Lasker-Schüler Zentrum – Kunstsammlung Gerhard Schneider“.

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Carl-Benz-Straße 35
60386 Frankfurt

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