Harnack Mildred
Hoffnungsträger
–
PORTRAIT
- zum Standort navigieren
Ein Widerstandsnetzwerk, das sich selbst nie so nannte.
Personenbeispiel von:
–
·
„Und ich habe Deutschland so geliebt.“
Dr. Mildred Harnack
Mildred Fish wächst in einer Kaufmannsfamilie im US-Bundesstaat Wisconsin als jüngstes von vier Kindern auf. Nach dem Studium der englischen Philologie und Literaturgeschichte lehrt sie an der Universität Madison Literaturwissenschaft und lernt dort Arvid Harnack kennen, den sie im Sommer 1926 heiratet.
1929 folgt sie ihrem Mann nach Deutschland und erhält 1931 eine Anstellung als Lektorin für amerikanische Literaturgeschichte an der Berliner Universität. 1933 wird sie entlassen und beginnt am Berliner Städtischen Abendgymnasium als Lehrerin für englische Literatur und Li-teraturgeschichte zu arbeiten.
Ihre Schüler Karl Behrens, Bodo Schlösinger und Wilhelm Utech nehmen an einem Schulungszirkel zu ökonomischen und politischen Themen teil, den Arvid Harnack leitet. Mildred Harnack nutzt ihre guten Beziehungen zur amerikanischen Botschaft. Sie beschafft Reden von Roosevelt und anderen Politikern, Nachrichten über den Spanischen Bürgerkrieg, Kommentare zu Hitlers Politik und andere Informationen, die sie zusammenstellt und an Gleichgesinnte weitergibt.
Sie knüpft Kontakte zu oppositionell oder gegenüber dem NS-Regime kritisch eingestellten Menschen, gewinnt einige für eine aktive Widerstandstätigkeit und unterstützt die illegale Arbeit von Arvid Harnack und der Roten Kapelle. Im November 1941 promoviert sie an der Universität Gießen und wird Lehrbeauftrage an der Berliner Universität. Ein von Arvid Harnack besorgtes Ticket für die Überfahrt in die USA nutzt sie nicht, da sie bei ihrem Mann in Deutschland bleiben will.
Nach der Enttarnung der Roten Kapelle wird Mildred Harnack am 7. September 1942 gemeinsam mit ihrem Mann festgenommen und am 19. Dezember 1942 vom Reichskriegsgericht zu zunächst sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 21. Dezember 1942 hebt Hitler das Urteil jedoch auf und so wird Mildred Harnack am 16. Januar 1943 zum Tode verurteilt und am 16. Februar 1943 in Plötzensee ermordet.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Seit 1986 begehen alle Schulen im US-Bundesstaat Wisconsin am 16. September einen Gedenktag für Mildred Fish-Harnack; in ihrer Geburtsstadt Milwaukee trägt eine Kunstschule ihren Namen.
- 1990 wurde am Wohnhaus von Mildred und Arvid Harnack eine Gedenktafel enthüllt.
- Am 6. Juli 2009 erhielt die Peter-A.-Silbermann-Schule den Namen Mildred-Harnack-Fish-Kolleg und am 20. September 2013 wurden vor dem Haus Genthiner Straße 14 in Berlin-Tiergarten in Anwesenheit des US-Botschafters John B. Emerson Stolpersteine für Mildred und Arvid Harnack verlegt.
- 2015 benannte das Studentenwerk Gießen das Otto-Eger-Heim in Mildred-Harnack-Fish-Haus um; in Gießen erinnert außerdem der Mildred-Harnack-Weg an sie.
- Auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin erinnert ein Gedenkstein an Mildred und Arvid Harnack.
- Mildred Harnack-Fish: Variationen über das Thema Amerika. Studien zur Literatur der USA. Hrsg. von Eberhard Brüning. Berlin (Ost) und Weimar 1988.
- Shareen Blair Brysac: Mildred Harnack und die Rote Kapelle. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau und einer Widerstandsbewegung. Bern 2003.
- Rebecca Donner: Mildred. Die Geschichte der Mildred Harnack und ihres leidenschaftlichen Widerstands gegen Hitler. Berlin 2022.
- Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Johannes Tuchel: „… wenn man bedenkt, wie jung wir sind, so kann man nicht an den Tod glauben.“ Liane Berkowitz, Friedrich Rehmer und die Widerstandsaktionen der Berliner Roten Kapelle. Berlin 2022.
- Bianca Walther – „Mildred Harnack (1902–1943) – Eine Frau im Widerstand“. Interview mit Mildreds Urgroßnichte und Biografin Rebecca Donner. Podcast (Folge 21/22, 05.05.2022); abrufbar auf Spotify und in gängigen Podcast-Apps, wahlweise im englischen Original oder mit deutscher Simultanübersetzung.
- Podcast Rote Kapelle. Auf einem Spaziergang durch Berlin lernen Sie die Geschichte der legendären Widerstandsgruppe kennen. Ein Projekt von Stefan Roloff, produziert von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und When 6 is 9 Productions GmbH. Deutsch, Englisch und Spanisch.
Von Mildred Harnack am Tag ihrer Ermordung in der Haft übersetztes Goethe-Gedicht, 16. Februar 1943

© Gedenkstätte Deutsche Widerstand, Sammlung Dr. Falk Harnack
„Und ich habe Deutschland so geliebt.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main