Pratschke I Anja
Der Kunstparcours
I Anja, 2019
Immer ist es der Mensch und dessen Ausstrahlung, die mein Interesse erwecken. Es geht mir um eingefangenes Leben, Sinnlichkeit und Grazie – ein Prozess, der Zeit brauche. Wenn es mir dann gelingt, Zeitlosigkeit in der Skulptur zu gestalten, überrascht es mich oder andere Betrachter.
EDUCATION
Studium Städelschule – Staatliche Hochschule für bildende Künste, Frankfurt am Main
GRANTS, AWARDS, RECOGNITION
- zum Standort navigieren
Ein Blick hinter das Werk
Die Figur Anja zählt zu den frühesten Arbeiten von Martina Pratschke. Sie entstand 1977 im ersten Semester ihres Studiums an der Städelschule in Frankfurt am Main bei Willi Schmidt. Erst nahezu fünf Jahrzehnte später, während der Pandemie, entschloss sich die Künstlerin, das ursprüngliche Modell erstmals in Bronze gießen zu lassen. Diese außergewöhnliche zeitliche Distanz verleiht der Skulptur eine besondere Bedeutung: Sie ist zugleich Zeugnis eines künstlerischen Anfangs und Ausdruck einer über Jahrzehnte hinweg konsequent entwickelten Haltung.
Die stehende Figur strahlt Ruhe, Konzentration und stille Würde aus und scheint zugleich von einer inneren Spannung geprägt zu sein. Ihre aufrechte Haltung vermittelt Selbstbehauptung und Verletzlichkeit gleichermaßen. Mit ihrer nahezu lebensgroßen Erscheinung fordert sie die unmittelbare Begegnung und schafft eine intensive Präsenz im Raum. Bereits in diesem frühen Werk zeigt sich jene Sensibilität für den menschlichen Körper als Träger innerer Zustände, die das gesamte spätere Schaffen der Künstlerin prägen sollte.
Über die Künstler:in
Die Bildhauerin Wanda Pratschke zählt zu jenen künstlerischen Positionen, die den öffentlichen Raum in Frankfurt am Main prägen. Seit der Einweihung ihrer ersten Skulptur Betty im Jahr 1984 in den Wallanlagen ist sie mit mehreren Werken im Stadtbild vertreten, darunter Die Unbesiegbare (2022) auf dem Adornoplatz an der Goethe-Universität. Mit unverwechselbarer Handschrift verbindet Pratschke figürliche Tradition mit einer kraftvollen, zeitgenössischen Interpretation des menschlichen Körpers. Ihre Skulpturen entstehen aus einer intensiven Auseinandersetzung mit Form, Material und Bewegung, stets getragen von einem tiefen Verständnis für die Wechselwirkung zwischen Figur, Raum und Betrachter*in.
Auf dem Union-Areal präsentiert Pratschke zwei Arbeiten, die den weiten Bogen ihres Schaffens auf eindrucksvolle Weise verdeutlichen: Anja 1977/2025 und Traum II (Kopf).
Photos: © Stefan Gröpper Photography
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main