Der Kunstparcours

Ardi Goldman

Die Raketen

,,Was bedeutet es die Welt "gut" zu erschaffen?"

Ardi Goldman lebt und arbeitet in Frankfurt am Main, DE.
*1962 in Frankfurt am Main, DE

EDUCATION

Autodidakt, Entwickler & Stiftungsgründer

Ein Blick hinter das Werk

Die Raketen oder „Sag mir, wo die Blumen sind …“

Das Werk, zwei vertikal montierte Raketen, die an der Fassade des schwarzen Backsteingebäudes angebracht sind. Auf ihren Oberflächen jeweils eine Liedzeile: Sag mir, wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“ und „Sag, wo die Soldaten sind über Gräbern weht der Wind“. Die Zeilen dieses Antikriegsliedes wurden bewusst auf Objekte projiziert, die für destruktive Kraft stehen.

Das Werk Die Raketen verbindet den poetischen Kreislauf von Leben, Verlust und Wiederkehr mit der physischen Form militärischer Gewalt. Die Raketen stehen starr und lautlos, doch der Text auf ihnen erzählt von der Wiederholung der immer gleichen Fragen und von der Unfähigkeit der Menschheit, aus ihrem eigenen Kreislauf des Krieges auszubrechen.

Zwischen Gebäuden, Himmel und urbanem Raum entsteht ein Spannungsfeld: Während der Ort alltäglich bleibt, ist die Botschaft universell. Unversehens werden die Objekte selbst zu einem Warnsignal, weil ihre warnende Inschrift sie verrät: Raketen sind Kriegs-Werkzeug.

Marlene Dietrich, die 1930 als fesche Lola in der Verfilmung von Heinrich Manns Roman Professor Unrat „Der blaue Engel“ berühmt wurde, ging mit dem Regisseur Josef von Sternburg nach Hollywood. So sehr sie nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten von der deutschen Filmindustrie auch umworben wurde und so lukrativ die Angebote auch waren, sie blieb in Amerika. 1939 wurde sie amerikanische Staatsbürgerin und unterstütze die US-Truppen während des Zweiten Weltkriegs. 1962 machte sie die deutsche Version von Pete Seegers Antikriegslied „Where Have All The Flowers Gone“ berühmt. Kaum bekannt ist, dass die Idee des Liedes einem Donkosaken Lied entliehen ist. Der Song passt also nicht in nationale Schubladen. „Sag mir, wo die Blumen sind“ ist eine zyklische Antikriegserzählung, die die Folgen des Krieges durch wiederkehrende Fragen und Antworten illustriert. Es beginnt mit der Frage, wo die Blumen geblieben sind und wird beantwortet, dass Mädchen sie flink gepflückten haben. Dies führt zur Frage nach den Mädchen, und so weiter, bis zum Thema Krieg und Gräber. Pete Seegers Text und Max Colpets deutsche Version zeigen eine unaufhaltsame Kette von Ereignissen, die aus dem Verlust und dem Leiden entstehen.

Durch die Gegenüberstellung der Raketen entsteht ein Spannungsfeld zwischen lyrischer Fragilität und militärischer Härte. Dabei wirken die Raketen wie eingefrorene Zeugen einer Gewalt, die überall auf der Welt Spuren hinterlässt. Aber der Liedtext verwandelt sie in Warnsignale und weist auf den ewigen Kreislauf von Natur, Mensch, Krieg und Tod hin, den das Lied beschreibt und der hier in metallischer Form sichtbar wird.

Die Installation holt den Antikriegssong in den öffentlichen Raum und richtet den Blick nach oben, dorthin, wo Bedrohung und Hoffnung gleichermaßen verortet sein können. So wird das Werk zu einer stillen Frage an jede:n BetrachterIn: Wann wird man je verstehen?

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Carl-Benz-Straße 35
60386 Frankfurt

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