Der Kunstparcours

Alfred Haberpointner

Haken – Herkules

2004-2006 | Holz, Stahl, verzinkt, Kette | 95 x 50 x 30 cm

Meine Intention ist die, ein Objekt in der Erscheinung, in der Oberfläche gewissermaßen durchzugestalten, durch wiederholte Einsätze, auch durch Gliederung in relativ kleine Segmente, eine Gesamtoberfläche, eine Gesamttextur zu schaffen.

Alfred Haberponiter lebt und arbeitet in London, UK
*1966 in Salzburg, AUT

EDUCATION

Abschluss der Fachschule für Bildhauerei, Hallein
Studium an der Hochschule für Gestaltung, Linz

GRANTS, AWARDS, RECOGNITION

1997 Theodor-Körner-Preis zur Förderung von Wissenschaft und Kunst, Wien
2001 Förderpreis des Landes Oberösterreich, Linz

Ein Blick hinter das Werk

Mit der Bronzeskulptur Herkules setzt der österreichische Bildhauer Alfred Haberpointner ein prägnantes Zeichen für die Auseinandersetzung von physischer Präsenz, innerer Kraft und formaler Reduktion. Die polierte Bronze hängt auf dem Union-Areal als komprimierte Verdichtung jener Themen, die Haberpointners gesamtes Werk bestimmen: Körper, Struktur, Energie und der Dialog zwischen Masse und Raum.
Der Titel Herkules ruft die mythische Gestalt des antiken Helden auf: Symbol übermenschlicher Stärke, von Mut und Ausdauer. Doch Haberpointners Herkules ist kein klassischer, heroisch auftrumpfender Körper. Er ist auf seine elementaren Proportionen reduziert, ein abstrahierter, irritierend klein wirkender Torso, der trotz formaler Vereinfachung eine enorme physische Spannung ausstrahlt. In der glänzenden Bronzeoberfläche spiegelt sich das Licht, als wolle es die Kraft, die in der kompakten Form eingeschlossen ist, nach außen entlassen.

Mit der Entscheidung, den Herkules in Bronze auszuführen und die Oberfläche zu polieren, schafft Haberpointner eine bewusste Umkehrung seiner sonst haptisch rauen Formensprache. Die hochgradig reflektierende Oberfläche verleiht der Gestalt einen auratischen Charakter; das polierte Metall wird zum Spiegel, es reflektiert nicht nur das Licht, sondern auch seine Umgebung, die Teil des Werkes wird. Der Herkules ist somit weniger ein heroisches Abbild als eine zeitgenössische Interpretation des Mythos: Stärke erscheint hier nicht als Muskelkraft, sondern als Verdichtung und Balance zwischen Gewicht und Leichtigkeit, Präsenz und Anpassung an den Umraum verkörpert.
In Haberpointners Œuvre nehmen der menschliche Kopf und Körper seit jeher eine zentrale Stellung ein, nicht als realistisches Porträt, sondern als archetypische Form, als Träger von Energie und Ausdruck. Herkules steht in dieser Reihe als plastische Verdichtung des Menschlichen schlechthin: kraftvoll, aber verwundbar, schillernd und zugleich still.

Im öffentlichen Raum entfaltet die Skulptur eine besondere Wirkung. Auf dem Union-Areal, zwischen Architektur, Kunst und freiem Blick in den Himmel, wird Herkules zu einer stillen Figur, die den Blick sammelt und die Spannung zwischen Objekthaftigkeit und Mythos spürbar macht. Stärke, so scheint Haberpointners Herkules zu sagen, liegt nicht in triumphaler Größe oder Pathos, sondern im Widerhaken der Form.

Über die Künstler:in

Haberpointner, 1966 in Salzburg geboren, bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen Abstraktion und Figuration, zwischen Materialstudie und Körpermetapher. Bekannt wurde er vor allem durch seine aus Holz geschlagenen Skulpturen und Reliefs, deren Oberflächen er in rhythmischen Bewegungen hackt, schneidet, brennt und strukturiert. Diese Bearbeitung erzeugt eine vibrierende Textur, die den Entstehungsprozess sichtbar macht und den Werken eine pulsierende Lebendigkeit verleiht.

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