Heike Kabisch, Casey & Luca, 2025
Der Kunstparcours
Casey & Luca, 2025
Das Atelier ist ein freier Raum, in dem Körper und Geist auf vielen Ebenen zugleich aktiv sind. Es ist ein lebendiges Umfeld, ein Ort, an dem meine Gedanken zwischen Intellekt und Intuition pendeln und fortwährend nach einer formalen Lösung suchen, die persönliche Bedeutung trägt und zugleich eine universelle Relevanz vermittelt.
EDUCATION
M.A. Glasgow School of Art, Glasgow
GRANTS, AWARDS, RECOGNITION
2021-22 Professur Universität der Künste Berlin (UdK), Berlin
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Ein Blick hinter das Werk
Mit Casey & Luca führt Heike Kabisch ihre 2025 begonnene Werkreihe Memories in deep creeks fort, eine poetische Erkundung imaginierter Unterwasserwelten, in denen hybride Meereswesen zwischen Evolution und Verfall schweben. Die beiden Skulpturen Casey und Luca erscheinen wie überlebende Fragmente aus einem versunkenen Mythos: zwei menschengroße Seepferdchen aus Acrystal, deren Formen sich zwischen Körper und Erinnerung auflösen. Wie alle Figuren der Serie tragen auch Casey und Luca menschliche Vornamen. Damit verleiht Kabisch den skulpturalen Wesen eine emotionale Nähe, die zwischen Identifikation und Befremden oszilliert. Die mit verschlossenen Augen dargestellten Objekte scheinen in einer engen Beziehung zueinander zu stehen, ihre Haltungen und ineinander verschlungenen Schwänze erinnern an zarte Gesten von Nähe, ein Zeichen von Gemeinschaft.
Der Zustand zwischen Schlaf, Erinnerung und Schweben verweist auf die doppelte Bedeutung des Begriffs Hippocampus, das Seepferdchen als Meereswesen und zugleich als Sitz des menschlichen Gedächtnisses im Gehirn. Kabisch verwebt diese Ebenen zu einer leisen, aber tiefen Allegorie: In ihren Unterwasserheiligtümern wird Erinnerung selbst zu einem fluiden, sich verändernden Raum, in dem Identität, Natur und Körpergrenzen verfließen. Formal stehen Casey & Luca für Kabischs charakteristische Arbeit mit Material und Verletzlichkeit. Das transluzente Acrystal lässt die Figuren zugleich massiv und fragil erscheinen, als wären sie im Moment des Entstehens versteinert und dennoch durchscheinend geblieben. Feine Brüche, sichtbare Fugen und offene Oberflächen verleihen den Skulpturen eine prozesshafte Qualität: Sie scheinen unvollendet, verletzlich, offen für Zeit, Wandel und Vergänglichkeit.
Kabischs künstlerische Praxis, zwischen Skulptur, Installation, Zeichnung und Collage, ist stets von einem Bewusstsein für das Fragile und Temporäre geprägt. Sie arbeitet mit Materialien, die den Zustand des Übergangs betonen: ungebrannter Ton, Stoff, Holz, Draht oder wie hier Acrystal, ein künstliches, aber lichtdurchlässiges Material, das zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit vermittelt. Ihre Arbeiten halten so die Balance zwischen Körperhaftigkeit und Auflösung, zwischen Erinnerung und Auslöschung.
In Casey & Luca verdichtet sich dieses Spannungsfeld zu einer stillen, fast rituellen Begegnung. Das Werk öffnet eine Welt unter der Oberfläche, ein poetisches Zwischenreich, in dem das Menschliche und das Nichtmenschliche, Erinnerung und Materie, Intimität und Distanz ineinander übergehen. Casey & Luca steht im Zentrum dieser Erkundung: zwei Wesen, halb Mensch, halb Seepferdchen, die in der Schwebe verharren, zwischen Traum und Fossil, zwischen Vergangenheit und Zukunft.
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
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