Lutz
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Die Gesetze des Lebens sind stärker als Paragrafen.
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„Die Panik wuchs von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Täglich standen Hunderte von hilfesuchenden Menschen vor unseren Büros."
Carl Lutz
1942 wird Carl Lutz als Vizekonsul an die Schweizerische Botschaft in Budapest entsandt. Im März 1944 marschieren deutsche Truppen in Ungarn ein. Mit ungarischer Unterstützung werden nun innerhalb weniger Wochen über 400.000 Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Der Schweizer Diplomat Lutz vertritt auch die Interessen Großbritanniens in Ungarn und führt Auswanderungslisten für das britische Mandatsgebiet Palästina. Für 7.800 Jüdinnen und Juden erhält er Einwanderungszertifikate, eine Ausreise ist jedoch nicht möglich. Um sie dennoch vor der Deportation zu schützen, stellt er ihnen ohne Genehmigung der Schweizer Behörden Schutzbriefe aus. Indem er die Nummern der Zertifikate mehrfach vergibt, gibt er Tausende Schutzbriefe zusätzlich aus. Weitere werden von zionistischen Widerstandsgruppen gefälscht. Im Budapester Ghetto stellt Carl Lutz 76 Häuser unter diplomatischen Schutz. Mehr als 30.000 Jüdinnen und Juden sind dort untergebracht. Im Gebäude der Schweizer Gesandtschaft bringt Lutz bis zu 3.000 Schutzsuchende unter.
Bis zu 62.000 Jüdinnen und Juden verdanken Carl Lutz ihr Leben.
1964 wird Carl Lutz als Gerechter unter den Völkern geehrt.
© Gedenkstätte Stille Helden
- 1948 erhielt Carl Lutz ein offizielles Dankesschreiben der Zweiten Ungarischen Republik. 1961 wurde er zum Ehrenkonsul ernannt und 1963 verlieh ihm sein Geburtsort Walzenhausen das Ehrenbürgerrecht.
- 1964 ehrte ihn die Gedenkstätte Yad Vashem gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Gertrud Lutz-Fankhauser mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“.
- 1991 wurde in Budapest ein Denkmal für ihn errichtet. 1995 wurde er durch die Schweizer Behörden postum rehabilitiert. Am 3. April desselben Jahres fand in Bern eine Ehrenfeier zu seinem 100. Geburtstag statt.
- 2005 richtete die Carl Lutz Foundation im sogenannten Glashaus in Budapest – einem Zufluchtsort während des Krieges – einen Gedenkraum ein. 2010 wurde ein etwa anderthalb Kilometer langer Abschnitt des Donauufers auf der Pester Seite Budapests in Carl Lutz Rakpart (Carl-Lutz-Kai) umbenannt.
- 2013 folgte eine Sonderausstellung in Walzenhausen zur Erinnerung an seine Judenrettung und 2014 verlieh ihm die George-Washington-Universität eine Ehrenmedaille. Schließlich wurde 2018 der wichtigste Sitzungsraum des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten im Bundeshaus West in Bern in „Salle Carl Lutz“ umbenannt.
- Alexander Grossmann: Nur das Gewissen. Carl Lutz und seine Budapester Aktion. Geschichte und Porträt. Frauenfeld 1986.
- Erika Rosenberg: Das Glashaus. Carl Lutz und die Rettung ungarischer Juden vor dem Holocaust. München 2016.
- Agnes Hirschi und Charlotte Schallié (Hrsg.): Unter Schweizer Schutz. Die Rettungsaktion von Carl Lutz während des Zweiten Weltkriegs in Budapest. Zeitzeugen berichten. Erweiterte Auflage, Zürich 2020.
Carl Lutz – Der vergessene Held. Dokumentarfilm. Buch und Regie: Daniel von Aarburg. Schweiz 2014. Zu sehen auf YouTube.

Schutzbrief aus dem Jahr 1944.
Jüdisches Museum der Schweiz. Wikimedia Commons © Fotograf unbekannt, gemeinfrei

Schweizer Schutzpass, ausgestellt am 29. April 1944 von Carl Lutz in Budapest.
Wikimedia Commons © Fotograf unbekannt, gemeinfrei
„Die Panik wuchs von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Täglich standen Hunderte von hilfesuchenden Menschen vor unseren Büros."
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt