Kunst der unionität

Hans Coppi

Die Coppi-Tafel

Für die, die mehr hinterlassen als ein Blatt Papier

„Ein fallendes Blatt vom Winde getragen, zeigt uns an, dass die Stunde geschlagen – das Erfüllte sanft von uns schreitet, das Unerfüllte bleibt – und leidet!"

In der Nacht vor seiner Hinrichtung schrieb Hans Coppi ein Gedicht. Eine letzte Botschaft an seine Frau Hilde, die im Gefängnis saß – schwanger mit ihrem gemeinsamen Kind. Allein, aber immer noch verbunden mit ihm durch Gedanken, Hoffnung und Erinnerung. Die Zeilen, die er ihr hinterließ, sind zart und klar. Kein Aufruf, kein Zorn. Nur das Bild eines Blattes, das fällt. Und der Schmerz über das, was nicht mehr gemeinsam gelebt werden kann.

Hans und Hilde Coppi waren keine heldenhaften Strategen. Sie waren junge Menschen, die sich verliebten, die sich politisch engagierten, die sahen, was geschah – und nicht wegsahen. Inmitten eines brutalen Regimes entschieden sie sich für den Widerstand. Gemeinsam mit anderen organisierten sie Informationen, verbreiteten Flugblätter, knüpften Kontakte zur sowjetischen Aufklärung. Sie wurden Teil der sogenannten „Roten Kapelle“, einer Gruppe, die vom NS-Staat als Hochverräter stigmatisiert und zerschlagen wurde.

Nach ihrer Verhaftung wurden Hans und Hilde voneinander getrennt. Er erlebte den Prozess nicht mehr – wurde im Dezember 1942 hingerichtet. Hilde, schwanger und unter ständiger Beobachtung, durfte ihren Sohn zur Welt bringen. Wenige Wochen später wurde auch sie ermordet. Was ihnen blieb, war ein kurzer Moment der Verbindung – über ein paar geschriebene Zeilen, versteckt in einer Bibel.
Hans Coppi
Hilde Coppi © Privatbesitz Reproduktion Gedenkstätte Deutscher Widerstand
„Ein letzter Brief. Ein Gedicht. Eine Liebe, die nicht vergeht.“

Ein Blick hinter das Werk

Harald Poelchau, evangelischer Theologe, war Seelsorger in den Gefängnissen des Dritten Reichs. Er begleitete viele Verurteilte in ihren letzten Stunden, sprach mit ihnen, hörte zu – und schmuggelte ihre letzten Worte nach draußen. Auch das Gedicht von Hans Coppi gab er weiter. Für Hilde. Für ihren Sohn. Für die Erinnerung.

Nach dem Krieg nahm Poelchau das Kind in seine Obhut. Er sorgte dafür, dass es nicht in der Sprachlosigkeit des Systems aufwuchs, sondern in einem Zuhause, das um die Geschichte seiner Eltern wusste – und sie bewahrte.

Heute hängen die Worte von Hans Coppi auf dem Union-Gelände. Sie stehen nicht nur für eine persönliche Geschichte. Sie erinnern an das, was möglich ist: zu lieben, zu handeln, standzuhalten. Auch dann, wenn alles verloren scheint.

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main

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