Rincker, Die Union-Glocke
Kunst der unionität
Die Union-Glocke
„Frieden hängt. Liebe klingt."
Heute hängt sie frei, sichtbar, mit Würde – an der Ecke Rosenthaler Straße und Meinekestraße, direkt an den sechs Goldman-Kastanien am Platz des Europäischen Versprechens. Nicht auf einem Kirchturm, nicht als Funktionsobjekt, sondern als Skulptur, als Mahnung, als Einladung. Auf ihrem bronzenen Leib steht: „Jesus ist unser Frieden.“ Eine Inschrift, die aus der Zeit gefallen scheint – und gerade deshalb so gegenwärtig ist.
Ein Blick hinter das Werk
Neben der Glocke steht eine Bronzetafel mit Worten von Dietrich Bonhoeffer — einem Gedicht, das er 1944 im Gefängnis schrieb, wenige Monate vor seiner Ermordung durch die Nationalsozialisten. Ein leises, trotziges Vertrauen auf etwas, das nicht zerstörbar ist. Bonhoeffers Text und die Glocke gehören hier zusammen. Beide sprechen vom Überstehen. Vom Getröstet sein, wo es keinen Trost gibt. Vom Licht, das in der Dunkelheit bleibt.
Ihr Glockengeläut erhält die Union-Glocke von der Westerkerk in Amsterdam — denselben Glocken, die Anne Frank in ihrem Versteck hörte. Klänge, die durch Mauern drangen, als alles andere draußen Bedrohung war. In ihrem Tagebuch schrieb sie, dass dieser Klang ihr Trost spendete.
So entsteht ein Klangdreieck: Frankfurt, Berlin, Amsterdam. Bonhoeffer, Anne Frank, die gerettete Glocke. Eine Erzählung, die nicht abgeschlossen ist. Keine Gedenkskulptur, sondern eine lebendige Spannung zwischen Vergangenheit und Jetzt. Diese Glocke wurde nicht aufgehängt. Sie wurde aufgehoben.
Das Geläut der Westerkerk in Amsterdam. Dieselben Glocken, die Anne Frank hörte.
Fotos: © Stefan Gröpper
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main