Wajcblum
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Wir könnten uns von dieser Hölle befreien.
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Nach ihrer Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau muss die 1924 in Warschau geborene Ester Wajcblum als Häftling in der Metallfabrik Metall-Union arbeiten. Dort gelingt es ihr, Schießpulver zu entwenden und in das Lager zu schmuggeln, wo sie Kontakt zur jüdischen Untergrundbewegung hat. Am 7. Oktober 1944 wird das Krematorium III im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau von den Häftlingen des Sonderkommandos gesprengt, vier SS-Leute werden getötet, andere verletzt. Nach dem Aufstandsversuch des Sonderkommandos wird Ester Wajcblum verhört und geschlagen, kann aber ihr Geheimnis bewahren. Später erfährt die SS bei dem Verhör einer Mitverschworenen, dass Ester Wajcblum Sprengstoff geschmuggelt hat. Zusammen mit anderen Verschwörern, unter ihnen auch Rosa Robota, wird sie am 5. Januar 1945 öffentlich gehenkt.
Jahre nach der Ermordung von Ester Wajcblum berichtet eine Mitgefangene:
„Etwa im Frühjahr 1943 kam ein Transport aus Warschau, darunter auch zwei Schwestern – Ester und Hanna Wajcblum… Es war ihnen untersagt, sich mit anderen Häftlingen im Lager zu treffen. Trotzdem habe ich mit beiden Schwestern heimlich verkehrt. Eines Tages überreichte mir Ester Wajcblum ein kleines, leichtes Päckchen, mit der Bitte, ich möchte es aufbewahren, bis sie oder jemand anderer, den sie schicken wird, es abholt… Nach einigen Tagen kam zu mir Rosa Robota, welche in der Bekleidungskammer arbeitete, und verlangte das Päckchen. Dies wiederholte sich mehrmals… In den Päckchen war, wie ich später erfuhr, das von den Union Werken herausgeschmuggelte Schießpulver. Ester sprach nie darüber, nur einmal sagte sie zu mir: ‚Wir könnten uns von dieser Hölle befreien…’“
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Hermann Langbein: Menschen in Auschwitz. Wien 1972.
- Lore Shelley: The Union Kommando in Auschwitz. The Auschwitz Munition Factory.
Through the Eyes of Its Former Slave Laborers. Lanham 1996.
In einem Interview schildert Anna (Wajcblum) Heilman den Aufstand in Auschwitz und wie sie gemeinsam mit ihrer Schwester Ester heimlich Sprengstoff aus der Munitionsfabrik schmuggelte. Das Gespräch The Auschwitz Uprising – Anna (Wajcblum) Heilman ist in englischer Sprache auf der Webseite der USC Shoah Foundation abrufbar.
Esters letzter Brief an ihre Schwester Anna – aus dem Lagergefängnis:
„Ich höre die Schritte der Gefangenen, die auf den Boden über mir knallen, das Gemurmel der Menschen, die nach einem langen Arbeitstag zu ihrem Block zurückkehren, um sich auszuruhen. Durch die Gitterstäbe meines Fensters versuchen wenige graue Lichtstrahlen sich einen Weg zu bahnen, die Strahlen des Sonnenuntergangs gebrochen von den Schatten vieler vorbeigehender Füße.
Die vertrauten Geräusche des Lagers – die Schreie der Kapos, die Schreie nach Tee, nach Suppe, nach Brot, all diese verhassten Geräusche scheinen mir nun kostbar und werden so bald verloren sein. Diejenigen hinter meinem Fenster haben noch Hoffnung, aber ich habe nichts; alles ist für mich verloren. Die frohe Botschaft der bevorstehenden Befreiung ist nicht für mich, der Tee ist nicht für mich, der Appell, alles ist verloren und ich will doch unbedingt leben.“
Quelle: Nicht mit Uns! Verfolgung von Jugendlichen im Nationalsozialismus. Biografie: Ester Wajcblum, online.
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