Hübener
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Lasst euch euren freien Willen nicht nehmen!
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Helmuth Hübener kommt in Hamburg als Sohn einer Arbeiterin zur Welt und wird entscheidend durch die Religionsgemeinschaft Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) geprägt. Er wächst ohne Vater auf und beginnt 1941 eine Lehre bei der Hamburger Sozialbehörde. Zugleich hilft er als ehrenamtlicher Sekretär dem Gemeindepräsidenten seiner Religionsgemeinschaft. 1940/41 kommt er in Kontakt mit einer illegalen Altonaer kommunistischen Jugendgruppe. Er hört regelmäßig ausländische Rundfunksender und verbreitet wichtige Meldungen als Streuzettel weiter. Im Sommer 1941 gewinnt er mit dem sechzehnjährigen Schlossergesellen Rudolf Wobbe und dem siebzehnjährigen Malergesellen Karl-Heinz Schnibbe, wenig später mit dem siebzehnjährigen Verwaltungslehrling Gerhard Düwer Gesinnungsfreunde. Sie diskutieren gemeinsam mit ihm zahlreiche Flugblätter und verteilen sie in Hamburger Arbeitervierteln, um die nationalsozialistischen Wehrmachtsberichte und Nachrichtensendungen zu korrigieren. Im Winter 1941 sehen die Freunde um Hübener bereits die militärische Niederlage voraus. Sie wollen deshalb nicht mehr allein mit kurzen Parolen auf Streuzetteln zum Kampf gegen das NS-Regime auffordern, sondern die Menschen über den Ernst der Lage aufklären. Innerhalb von sechs Monaten konzipiert Hübener mehr als 20 Flugblätter. Ende Januar 1942 bitten Düwer und Hübener einen Bekannten, die Flugblätter ins Französische zu übersetzen. Sie werden dabei beobachtet, denunziert und am 5. Februar 1942 von der Gestapo verhaftet, die wenige Tage später auch Schnibbe und Wobbe festnimmt. Die Jugendlichen werden schwer misshandelt. Am 11. August 1942 findet vor dem Berliner Volksgerichtshof der Prozess statt. Helmuth Hübener wird trotz seines Alters von 17 Jahren zum Tode verurteilt und am 27. Oktober 1942 in Berlin-Plötzensee ermordet. Seine drei Freunde erhalten lange Freiheitsstrafen. Sie können das Kriegsende überleben.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- In Hamburg und darüber hinaus erinnern zahlreiche Orte an Helmuth Hübener und seine Widerstandsgruppe. In der Verwaltungsschule Hamburg in Borgfelde gibt es eine Dauerausstellung sowie den Helmuth-Hübener-Saal.
- Straßen in Lohbrügge und St. Georg tragen seinen Namen, ebenso das Jugendhaus „Helmuth Hübener Haus“ auf St. Pauli. An der Heinrich-Wolgast-Schule in St. Georg entstand 2010 ein Wandbild von Hildegund Schuster, und vor dem Haus Sachsenstraße 42 in Hammerbrook wurde ein Stolperstein verlegt.
- Die Stadtteilschule in Barmbek-Nord wurde 2011 in Stadtteilschule Helmuth Hübener umbenannt und pflegt mit dem Wettbewerb „MUT ÜBEN“ die Erinnerung an sein Vorbild. Auch die Schule der Jugendstrafanstalt Berlin-Plötzensee trägt seit 2020 seinen Namen.
- Ulrich Sander: Helmuth Hübener. Berlin 1983.
- Jürgen Zarusky: „… nur eine Wachstumskrankheit“? Jugendwiderstand in Hamburg und München.
In: Dachauer Hefte, Nr. 7: Solidarität und Widerstand. Dachau 1991. - Ulrich Sander: Jugendwiderstand im Krieg. Die Helmuth-Hübener-Gruppe 1941/1942. Bonn 2002.
- Otto Langels: NS Justiz – Ein Jugendlicher vor dem Volksgerichtshof.
Kalenderblatt – Deutschlandfunk, 08.01.2025, online. - Stefanie Wittgenstein: Helmuth Hübener: Gestorben für den Widerstand gegen die Nazis.
NDR-Geschichte, 08.01.2025, online.
Vier gegen Hitler – Auf den Spuren der Helmuth-Hübener-Gruppe. Ein Film von Jürgen Kinter und Gerhard Brockmann. Deutschland 2021.
HITLERJUGEND, Winter 1941 – Deutsche Jungen, seid ihr euch überhaupt bewusst, was die H. J. ist und welche Ziele sie verfolgt? Ihr könnt es nicht wissen. Eure selbstherrlichen Führer und Unterführer predigen immer von Kameradschaft, während sie sich selbst aus dem Kreise der Kameradschaft ausschließen. Sie fühlen sich hier doch recht in ihrem Element, wenn sie die eingeschüchterten Jungen, wenn sie euch tyrannisieren können. Oder wollt ihr etwa abstreiten, dass man euch mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gefügig machen will? Man droht euch mit disziplinarischen Strafen, polizeilichen Maßnahmen und lässt euch, Deutsche, sogar die Freiheit nehmen und in sog. Wochenendkarzer stecken.
Kennt ihr derartige Bauten? Nein? Nun, bei der nächsten Gelegenheit werdet ihr noch von ihnen zu hören bekommen. Das ist also die weit und breit gepriesene H.J. Eine Zwangsorganisation ersten Ranges zur Heranziehung nazihöriger Volksgenossen. Hitler und seine Komplizen wissen, dass sie euch von Anfang an den freien Willen nehmen müssen, um gefügige, willenlose Elemente aus euch machen zu können. Denn Hitler weiß, dass seine Zeitgenossen ihn langsam zu durchschauen beginnen, ihn, den Unterdrücker freier Nationen, den Mörder von Millionen.
Darum rufen wir euch zu: Lasst euch euren freien Willen, das Kostbarste, was ihr besitzt, nicht nehmen. Lasst euch von euren Führern – selbstherrlichen Königen im Kleinen – nicht unterdrücken und tyrannisieren, sondern wendet vielmehr der H.J., dem Werkzeug des Hitlerregimes für euren Untergang, den Rücken. Wir sind bei euch, und unsere Hilfe ist euch jederzeit gewiss! „Harret aus, Deutschland erwacht!“ „Hitlerjugend“, Flugblatt von Helmuth Hübener, 1941,
Helmuth Hübener – Flugblatt © Bundesarchiv 11689
DER NAZI-REICHSMARSCHAL, 1941 – Ja, der gute, feiste Hermann: Reichsmarschall. … Wenn die R.A.F. [Royal Air Force] jemals dazu kommt, Berlin zu bombardieren, will ich Meier heißen, sagte er zu Beginn des Krieges. Heute zeigen die Straßen Berlins schon deutliche Spuren der britischen Luftoffensive, doch Göring ist immer noch Göring – und er freut sich, dass er es ist. – Und dann das allzu beliebte Schlagwort: 1000 für eine! Auch ein blendender Reinfall; denn heute ist die deutsche Luftwaffe zufrieden, wenn sie die Insel überhaupt noch einmal überfliegen kann, ohne dabei durch die Abwehr schwere Verluste und blutige Köpfe erleiden zu müssen. Wohl kann der Luftmarschall der Nazis noch immer eine horrende Dividende … aus seinen Rüstungswerken ziehen, doch der Traum von der uneingeschränkten, immer zunehmenden Luftüberlegenheit seiner Fliegerarmada geht dem Ende immer mehr entgegen. Es wird ein böses Erwachen geben.
Denn Winston S. Churchill sagte: Wenn es sein muss, bringen unsere tapferen Bombenflieger Tod und Verderben über Nazi-Deutschland!! Wir wünschen es nicht, haben es nie gewollt, doch der Tod vieler tausender hingemordeter Menschen in Rotterdam, Belgrad und nicht zuletzt in Frankreich, Norwegen und Polen, das Blut vieler freiheitsliebender Brüder in dem durch Gestapo-Terror niedergehaltenen Europa darf nicht ungesühnt bleiben. = Vergeltung wird kommen – so oder so, Herr Göring.
Helmuth Hübener – Flugblatt © Bundesarchiv 11693
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