Klingenbeck
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Lieber Jonny! Vorhin habe ich von deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere!
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„Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, er kann ihn nur verlängern.“
Walter Klingenbeck
Der Münchener Mechanikerlehrling Walter Klingenbeck sammelt 1941 einen Kreis katholischer Jugendlicher um sich. Die Freunde verbindet die Ablehnung des NS-Regimes. Klingenbeck, Daniel von Recklinghausen, Hans Haberl und Erwin Eitel bauen einen kleinen Rundfunksender und verbreiten oppositionelle Nachrichten, die sie beim Abhören ausländischer „Feindsender“ erfahren haben. Sie planen, selbstverfasste Flugblätter mit einem ferngesteuerten Modellflugzeug abzuwerfen. Klingenbeck malt mit schwarzer Ölfarbe das „Victory“-Zeichen, ein Symbol für den Sieg der Alliierten, auf Hauswände und Straßenschilder. Er wird im September 1942 vom „Volksgerichtshof“ zum Tode verurteilt und am 5. August 1943 in München-Stadelheim ermordet. Seine Freunde werden einige Tage nach ihrem Todesurteil zu einer achtjährigen Zuchthausstrafe begnadigt.
Unmittelbar vor seiner Ermordung schreibt Walter Klingenbeck an Hans Haberl: „Lieber Jonny! Vorhin habe ich von Deiner Begnadigung erfahren. Gratuliere! Mein Gesuch ist allerdings abgelehnt. Ergo gehts dahin. Nimms net tragisch. Du bist ja durch. Das ist schon viel wert. Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefaßt. Wenn Du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser. Leb wohl. Walter“
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
In seiner Heimatstadt München erinnern zahlreiche Gedenkorte und Initiativen an Walter Klingenbeck:
- 1995 wurde die Walter-Klingenbeck-Realschule in Taufkirchen nach ihm benannt und seit 1998 trägt ein Weg in der Maxvorstadt, unweit der Pfarrkirche St. Ludwig, den Namen Walter-Klingenbeck-Weg. 2006 wurde dort ein akustisches Denkmal mit dem BBC-Signal für „Victory“ (Morsezeichen „V“) eingerichtet.
- Ein Stolperstein erinnert seit 2009 im Kunstpavillon des Alten Botanischen Gartens an Klingenbeck.
- Am Platz der Freiheit steht seit 2016 das von Wolfram P. Kastner initiierte WiderstandsDenkmal, das auch ihm gewidmet ist.
- 2018 wurde zum 75. Todestag eine Gedenktafel an seinem früheren Wohnhaus in der Amalienstraße 44 angebracht.
- Am 17. September 2023 wurde ein weiterer Stolperstein vor der Kirche St. Ludwig verlegt. Anlässlich seines 100. Geburtstags am 12. April 2024 wurde in der Kirche in einem Gedenkgottesdienst an ihn gedacht.
Hannes Liebrandt & Niklas Fischer: Walter Klingenbeck gegen das NS-Regime: ein seliger Märtyrer? BR Podcast: Tatort Geschichte – True Crime meets History. ARD Audiothek, 08.03.2024.
Walter Klingenbeck – Abschiedsbrief an seine Eltern und seine Schwester – Auszug
München-Stadelheim, August 1943
Liebe Eltern und Lisl!
Heute habe ich zum letzten Mal Gelegenheit, Euch zu schreiben. Das Gnadengesuch ist abgelehnt. Na, ja, nichts zu ändern. Tut mir bloß den einen Gefallen, weint nicht um mich, ihr wißt ja, wofür ich sterbe. … Ich bin wieder ganz gefasst, und sehe dem Kommenden ruhig entgegen. …
Lebt wohl und seid alle in Liebe zum letzten Mal gegrüßt von Eurem Walter.
Barbara Galaktionow: Walter Klingenbeck – Hingerichtet mit 19 Jahren – Münchens unbekannter Widerstandskämpfer. Süddeutsche Zeitung, 30.03.2024, online.
„Hitler kann den Krieg nicht gewinnen, er kann ihn nur verlängern.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt