Kirchner
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Ihr werdet glücklichere Zeiten erleben.
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„Lass von Menschen und Dingen Dich nur nicht niederzwingen. Nichts ist so unerschütterlich wie eines Menschen Eigenes Ich.“
Johanna Kirchner
Aus einer alten sozialdemokratischen Familie in Frankfurt am Main stammend, gehört Johanna Kirchner seit dem
14. Lebensjahr der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), dann der SPD an, arbeitet für die Arbeiterwohlfahrt und als Zeitungskorrespondentin auf Partei- und Gewerkschaftskongressen. Als 1933 gegen sie ein Haftbefehl erlassen wird, befindet sie sich auf einer Reise in die Schweiz, um für andere Verfolgte des NS-Regimes Fluchthilfe zu organisieren. Sie emigriert zunächst ins Saargebiet, beteiligt sich an den Vorbereitungen zur Saarabstimmung und muss im Januar 1935 weiter flüchten. Im französischen Forbach, nahe der deutschen Grenze, bleibt sie mit dem Kampf der deutschen Hitlergegner eng verbunden und steht mit kommunistischen Gruppen in Kontakt. Als Mitarbeiterin der Beratungsstelle für Saarflüchtlinge gibt sie ab 1936 mit Emil Kirschmann ein Informationsblatt heraus und wird 1937 Mitglied des in Straßburg gegründeten Hilfskomitees für die Saar-Pfalz. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wird Johanna Kirchner auf Erlass der französischen Regierung interniert. Obwohl es zunächst gelingt, sie mit Hilfe französischer Freunde aus dem Lager Gurs zu befreien, wird sie später von der Vichy-Regierung an Deutschland ausgeliefert. Seit dem 9. Juni 1942 in Deutschland Gestapo-Vernehmungen ausgesetzt, verurteilt sie der Volksgerichtshof im Mai 1943 zu 10 Jahren Zuchthaus. In einem Wiederaufnahmeverfahren wird sie vom Volksgerichtshof am 21. April 1944 zum Tode verurteilt und am 9. Juni 1944 in Berlin-Plötzensee ermordet.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Zahlreiche Straßen in Deutschland tragen zu Ehren Johanna Kirchners ihren Namen: Bereits 1947 wurde in Frankfurt am Main-Westhausen eine Straße nach ihr benannt. Weitere Johanna- bzw. Hanna-Kirchner-Straßen oder -Wege finden sich in Bonn, Saarbrücken, Wallenhorst, München-Hadern, Bremen, Karlsruhe-Oberreut sowie in Berlin-Plötzensee, wo 1962 der Kirchnerpfad nahe der Hinrichtungsstätte entstand.
- Von 1991 bis 1995 verlieh die Stadt Frankfurt am Main die „Johanna-Kirchner-Medaille“ an Menschen, die zwischen 1933 und 1945 Widerstand geleistet haben. An der Frankfurter Paulskirche erinnert eine Gedenktafel an sie.
- Seit 2011 vergeben die Arbeiterwohlfahrt und die FH Frankfurt den Johanna-Kirchner-Preis in Höhe von 1000 Euro an den Verfasser bzw. die Verfasserin einer Abschlussarbeit in den Bereichen Altenhilfe, Kinder-, Jugend- oder Straffälligenarbeit.
- 1985 ehrte die Stadt Saarbrücken Johanna Kirchner mit einer Büste im Rathaus und am 5. Juli 2012 wurde für sie ein Stolperstein verlegt.
- In Frankfurt am Main trägt ein Altenhilfe- und in Saarbrücken ein Seniorenzentrum der AWO Johanna-Kirchners Name.

Gedenktafel für Johanna Kirchner an der Paulskirche in Frankfurt am Main
GNU-Lizenz: CC BY-SA 3.0. Urheber: Frank Behnsen
- Max Oppenheimer: Das kämpferische Leben der Johanna Kirchner. Frankfurt am Main 1974.
- Antje Dertinger, Jan von Trott: „…und lebe immer in Eurer Erinnerung.“
Johanna Kirchner – eine Frau im Widerstand. Berlin/Bonn 1985. - Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand.Themenkatalog 16 Exil und Widerstand.
2. überarbeitete Aufl. Berlin 2018.
Abschiedsbrief von Johanna Kirchner an ihre Töchter und Freunde – Auszug
Berlin-Plötzensee, 9. Juni 1944
„Meine Lotte, meine Inge und meine Herzlieben alle!
Dieser Brief bringt Euch meine letzten Grüße und Wünsche. (…) Meine ganze Liebe und mein Segen wird aber immerdar bei Euch sein. Ich gehe tapfer und unverzagt meinen letzten Gang. Meine letzte große Herzensbitte an Euch ist: seid auch tapfer und unverzagt. Lasst Euch von Leid nicht niederdrücken, (…). Weint nicht unnötig um mich.
Denkt immer an unsere gemeinsame glückliche Vergangenheit und glaubt daran, dass meine Mutterliebe und mein Segen Euch allen eine bessere Zukunft bringen wird. Habt herzinnigen Dank für alle Eure Liebe. Ihr habt mich ja im Leben so glücklich gemacht. (…) Bleibt immer in treuer Liebe und Kameradschaft verbunden. Diese Gewissheit Eurer treuen kameradschaftlichen Gemeinschaft ist eine so große Beruhigung für mich. Habt auch tausendmal Dank für alles, was Ihr für mich getan habt, ich weiß, die Verhältnisse waren stärker als Eure Liebe. Bitte, bitte, klagt nicht und weint nicht. Ich war glücklich, in Eurem letzten Brief – mit dem wundervollen Vergissmeinnicht – zu lesen, dass Ihr auch das Unabänderliche tapfer und gefasst tragen werdet.
Eure Liebe und eure Tapferkeit sind mir Trost und Beruhigung in meiner letzten Stunde. (…) Ich weiß, ich bin und bleibe immer Eure Mutsch und lebe immer in Eurer Erinnerung. (…) Werdet glücklich und seid tapfer, es kommt eine bessere Zukunft für Euch, meine Liebe und mein Segen ist immerdar bei Euch. Lebt wohl! Ich umarme und küsse Euch und drücke Euch an mein Herz und bleibe in Liebe immer
Eure Mutsch
Alles Liebe, Gute und Herzliche für Euch alle, ihr meine Herzallerliebsten.
Quelle: Gedenkstätte Plötzensee
„Lass von Menschen und Dingen Dich nur nicht niederzwingen. Nichts ist so unerschütterlich wie eines Menschen Eigenes Ich.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt