Veseli
Hoffnungsträger
PORTRAIT
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Ein Versprechen zu halten, ist Ehrensache – muslimische Albaner.
1943–1944
Kruja
„Unsere Eltern waren fromme Muslime und glaubten – wie wir auch –, dass jedes Klopfen an der Tür ein Segen Gottes ist. Wir haben nie Geld von unseren jüdischen Gästen genommen. Alle Menschen sind von Gott. Besa existiert in jeder albanischen Seele.“
Hamid und Xhemal Veseli
Die muslimische Familie Veseli nimmt zwei jüdische Familien auf und rettet sie. Die Familien kommen aus Jugoslawien und sind auf der Flucht. In ihrem Land drohen ihnen Deportation und Ermordung durch die deutschen Besatzer. Sie überleben im Haus der Veselis in den albanischen Bergen.
In Albanien ist Gastfreundschaft Tradition. Die Familie Veseli empfängt die Verfolgten mit offenen Armen. Sie erwartet dafür keine Gegenleistung. Familie Veseli handelt nach einer traditionellen Verhaltensregel – dem albanischen Ehrenkodex „Besa“: Wird ein Versprechen gegeben, ist es eine Ehrensache, es einzuhalten. Die Veselis versprechen den jüdischen Familien, sie zu beschützen. Die Menschen, die Jüdinnen und Juden helfen, riskieren, verraten und von den deutschen Besatzern bestraft zu werden. Trotz dieser Gefahr hält Familie Veseli ihr Versprechen ein. Sie beschützt ihre Gäste bis zum Kriegsende.
Auch weitere albanische Familien beherbergen und retten jüdische Verfolgte vor der Ermordung durch die deutschen Besatzer. Nahezu alle Jüdinnen und Juden in Albanien überleben den Zweiten Weltkrieg.
1987 werden Fatima Veseli, ihr Mann Vesel und ihr Sohn Refik als erste Albaner von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
© Gedenkstätte Stille Helden – Rettungsversuche – Besa
- 1987 werden Fatima Veseli, ihr Mann Vesel und ihr Sohn Refik als erste Albaner von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
- Die Brüder Hamid und Xhemal Veseli wurden am 23. Mai 2004 ebenfalls von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
- In Berlin-Kreuzberg trägt seit 2014 eine Schule den Namen Refik-Veseli. (Bereits seit 2012 besteht eine Bildungspartnerschaft zwischen der Refik-Veseli-Schule und dem Jüdischen Museum Berlin. 2017 entwickelten Schüler der Schule gemeinsam mit dem Museum eine digitale Schnitzeljagd für Jugendliche ab 13 Jahren, die zu Orten des Widerstands in Kreuzberg führt).
Die Flucht der Familie Mandil
Refik Veseli wohnt mit seinen Eltern und Geschwistern im Dorf Kruja in den albanischen Bergen. 1943 zieht er nach Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Der 17-Jährige will Fotograf werden. In einem Fotostudio arbeitet er mit dem jüdischen Fotografen Moshe Mandil zusammen. Moshe und Gabriela Mandil sowie ihre Kinder Gavra und Irena sind nach dem deutschen Einmarsch aus Jugoslawien geflohen. Sie leben in Albanien unter falscher Identität. Refik Veseli lernt von Moshe Mandil zu fotografieren. Sie werden enge Freunde.
Nach dem deutschen Einmarsch taucht Familie Mandil in der Großstadt Tirana unter. Refik Veseli bietet Familie Mandil Zuflucht im Haus seiner Eltern in Kruja an. Sein Vater Vesel Veseli begleitet die Mandils auf der Flucht in die Berge. Sie sind als albanische Familie getarnt. Refik Veselis Brüder Hamid und Xhemal bringen auch die jüdische Familie Ben-Josef in das Elternhaus. Die Menschen im Dorf wissen von den Flüchtlingen, halten sich aber auch an den Ehrenkodex „Besa“ und verraten die Flüchtlinge nicht.
© Gedenkstätte Stille Helden – Rettungsversuche – Besa
© Gedenkstätte Stille Helden
„Unsere Eltern waren fromme Muslime und glaubten – wie wir auch –, dass jedes Klopfen an der Tür ein Segen Gottes ist. Wir haben nie Geld von unseren jüdischen Gästen genommen. Alle Menschen sind von Gott. Besa existiert in jeder albanischen Seele.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt