Grüninger
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Um Menschen zu retten, habe ich bewusst meine Befugnisse überschritten.
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Paul Grüninger ist Leiter der Kantonspolizei in St. Gallen und zuständig für Flüchtlingsangelegenheiten. Die Schweiz schließt im August 1938 die Grenze zum Deutschen Reich. Trotzdem gelingt es Grüninger und seinen Helfern, weiterhin jüdische und nichtjüdische Verfolgte über die Grenze zu lassen und dafür zu sorgen, dass sie nicht wieder ausgewiesen werden. Er missachtet dabei offizielle Weisungen. Grüninger fälscht Einreisegenehmigungen oder datiert die Einreise auf einen Zeitpunkt vor Schließung der Grenzen. Dadurch ist der Status der Flüchtlinge scheinbar legal. Er rettet mehrere Hundert Verfolgte vor der nationalsozialistischen Verfolgung und Ermordung.1939 wird Paul Grüninger fristlos entlassen und 1940 vom Bezirksgericht St. Gallen wegen Amtspflichtverletzung und Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe verurteilt.
© Gedenkstätte Stille Helden
Das Gericht erkannte Grüningers altruistischen Beweggründe an, entschied aber, dass er als Beamter verpflichtet gewesen wäre, sich an die Bestimmungen zu halten. Entehrt, mittellos und fast vergessen, verbrachte Grüninger den Rest seines Lebens unter schwierigen Umständen. 1993 wird Paul Grüninger politisch rehabilitiert und 1995 hob das Bezirksgericht St. Gallen das Urteil gegen Grüninger auf, 23 Jahre nach seinem Tod.
Erst 1998 erhielten Grüningers Erben eine Entschädigung für die durch die fristlose Entlassung entstandenen Lohn- und Pensionseinbußen. Die Summe floss in die Paul-Grüninger-Stiftung.
- Am 20. April 1971 wurde Paul Grüninger von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.
- In Wien wird eine Schule nach ihm benannt, auch einige Straßen und Plätze in St. Gallen, Hohenems oder Jerusalem.
- 2012 wird die Grenzbrücke über den Alten Rhein zwischen Hohenems und Diepoldsau nach ihm benannt.
- In Rischon LeZion bei Tel Aviv wurde 2017 die Paul Gruninger ST. eingeweiht.
- Rolf Hochhuth: Grüninger-Novelle. In: Atlantik-Novelle. Erzählungen. Reinbek 1985.
- Stefan Keller: Grüningers Fall. Biografie. Zürich 1997.
- Wulff Bickenbach: Gerechtigkeit für Paul Grüninger. Verurteilung und Rehabilitierung eines Schweizer Fluchthelfers (1938-1998). Köln 2009.
Entlang der Radroute Nr. 1 von Bregenz bis Partenen sowie an ausgewählten Orten in der Schweiz und in Liechtenstein erzählen 52 Hörstationen die Geschichten von Menschen, die zwischen 1938 und 1945 versuchten, über die Grenze in die Schweiz zu fliehen – Juden, politische Gegner des NS-Regimes, Deserteure, Zwangsarbeiter und andere Verfolgte.
Symbolische Grenzsteine markieren die Stationen der 100 Kilometer langen Hör-Route. Über QR-Codes lassen sich die Fluchtgeschichten unterwegs mit dem Fahrrad erkunden. Persönliche Briefe, Zeitzeugenberichte, Fotografien und Dokumente zeigen die Schicksale der Flüchtenden und ihrer Helfer, darunter auch Paul Grüninger.
Das Projekt ist eine Initiative des Jüdischen Museums Hohenems in Kooperation mit zahlreichen Gemeinden und Partner in Vorarlberg, der Schweiz und Liechtenstein.
Akte Grüninger. Regie: Alain Gsponer. Schweizer Radio und Fernsehen 2014. Kostenlos streamen auf Play Suisse.
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt