Golz-Goldlust
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Bis zum letzten Augenblick war ich glücklich.
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„Meine Frau Marianne wollte (im Sommer 1939) zunächst nach England nachkommen. Als aber dann der Krieg ausbrach, war diese Möglichkeit vorbei. (…) Sie hat sofort damit begonnen, Tschechen und Juden die Flucht über Wien nach Italien zu ermöglichen. Sie hat Verbindungen zur Gestapo aufgenommen und wusste, wen sie bestechen konnte, damit die Leute falsche Papiere bekamen. (…) Einmal, als alle bei ihr in der Wohnung waren, wurden sie verhaftet.“
Hans Golz
Die Schauspielerin und Opernsängerin Marianne Golz lebt mit ihrem Mann Hans seit 1933 in Prag. Im März 1939 wird die Stadt von deutschen Truppen besetzt. Hans Golz ist als Jude von der einsetzenden nationalsozialistischen Verfolgung bedroht. Im Sommer 1939 flieht er nach England. Marianne Golz gelingt es nicht nachzureisen, bevor die Grenzen im September geschlossen werden.
1940 knüpft sie Kontakt zu Ottokar Zapotecky und seiner Widerstandsgruppe in Prag. Diese unterstützt tschechische Jüdinnen und Juden bei der Flucht ins Ausland. Marianne Golz hilft dem jüdischen Bankangestellten Viktor Kühnel, aus Prag zu fliehen. Vor seiner Flucht hat er Marianne Golz Geld übergeben, weil eine Mitnahme zu riskant ist. Golz schickt ihm davon regelmäßig Geldbeträge.
Im November 1942 wird Marianne Golz verraten. Die Mitglieder des Fluchthilfenetzes werden daraufhin festgenommen und verhaftet. Marianne Golz wird zum Tode verurteilt und 1943 mit dem Fallbeil ermordet.
Für ihre Hilfe wird sie 1988 postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
© Gedenkstätte Stille Helden
Für ihre Hilfe wird sie 1988 postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
- Marianne Golz-Goldlust: Der große Tag. Die Briefe und Kassiber der „Volksfeindin“ Marianne Golz-Goldlust, geschrieben 1943 in einem Prager Gefängnis. Stuttgart 1988.
- Ronnie Golz: Ich war glücklich bis zur letzten Stunde. Marianne Golz-Goldlust 1895–1943. Berlin 2004.
- Erhard Roy Wiehn, Hartung-Gorre (Hrs.): Andreas Meckel: Der Gerechtigkeit freien Lauf zu lassen: Die Justizmorde an Oskar Löwenstein und Marianne Golz durch das Sondergericht Prag 1943. Konstanz 2009.
Marianne Golz-Goldlust sitzt in ihrer Zelle im Gestapo-Gefängnis Pankrác in Prag und schreibt am 5. Oktober 1943 ihren letzten Brief an ihre Schwester.
„Liebes Rosilein!
hier nun mein letzter Gruß. Ich kann Dir nur mitteilen, dass ich das Spiel ums Überleben verloren habe. Ich werde versuchen als Heldin abzutreten. Weine nicht! Das Sterben ist hier etwas Alltägliches. Das Leben war bis auf die letzten zwei Stunden schön. Bis zum letzten Augenblick hatten mich hier alle lieb. Bis zum letzten Augenblick war ich glücklich“. …
Drei Tage später ist es so weit. Zwischen ihrer Übergabe an den Scharfrichter und der Urteilsvollstreckung vergehen nur neun Sekunden – „ganz ohne Zwischenfall“, wie es im Bericht an den Generalstaatsanwalt später heißt.
Quelle: Helge Hommers: Glücklich bis zur letzten Stunde, Prager Zeitung, 7. 9. 2016, online.
„Meine Frau Marianne wollte (im Sommer 1939) zunächst nach England nachkommen. Als aber dann der Krieg ausbrach, war diese Möglichkeit vorbei. (…) Sie hat sofort damit begonnen, Tschechen und Juden die Flucht über Wien nach Italien zu ermöglichen. Sie hat Verbindungen zur Gestapo aufgenommen und wusste, wen sie bestechen konnte, damit die Leute falsche Papiere bekamen. (…) Einmal, als alle bei ihr in der Wohnung waren, wurden sie verhaftet.“
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