Gerstein
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Auf meinen Eid, nichts ist erfunden.
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„Viele Menschen beten. Ich bete mit ihnen, ich drücke mich in eine Ecke und schreie laut zu meinem und ihrem Gott. Wie gern wäre ich mit ihnen in die Kammern gegangen, wie gern wäre ich ihren Tod mitgestorben ... Noch also darf ich nicht, ich muss noch zuvor künden, was ich hier erlebe!“
Kurt Gerstein, 4. Mai 1945
In Münster geboren wächst Kurt Gerstein in der Familie eines Richters auf. Nach dem Abitur wird er in der christlichen Jugendarbeit tätig und gewinnt dort schnell an Ansehen und Einfluss. Er studiert Bergbau und legt 1931 die Prüfung zum Diplom-Ingenieur ab. Im Mai 1933 tritt Gerstein in die NSDAP ein. Im selben Jahr protestiert er offen gegen die Auflösung der evangelischen Jugendverbände und engagiert sich bald darauf in der Bekennenden Kirche. 1936 wird er aus der NSDAP ausgeschlossen und zweimal inhaftiert. Nachdem Kurt Gerstein über die Mordaktion an Patienten von Heil- und Pflegeanstalten erfährt, entschließt er sich, in die Waffen-SS einzutreten, um auf diesem Weg nähere Informationen zu erhalten. Er wird dem Sanitätswesen der Waffen-SS zugeteilt und übernimmt die Leitung des technischen Desinfektionsdienstes. Im Juni 1942 bekommt Gerstein erstmals den Auftrag, Blausäure (Zyklon B) zur Ermordung von Menschen zu beschaffen. Im August 1942 wird er zudem Zeuge des Massenmordes in den Vernichtungslagern Belzec und Treblinka. Gerstein informiert mehrfach ausländische Diplomaten und Geistliche über die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen und versucht, Lieferungen des Zyklon-B-Gases zu sabotieren. Am 22. April 1945 stellt er sich den französischen Behörden. Im Juli 1945 wird gegen ihn ein Verfahren wegen Mordes und Beihilfe zum Mord eingeleitet. Kurt Gerstein kommt am 25. Juli 1945 in einem Pariser Gefängnis unter bis heute ungeklärten Umständen ums Leben. Der von ihm noch in der Haft verfasste „Gerstein-Bericht“ ist eine der wichtigsten Augenzeugenquellen über die Durchführung des Völkermordes an den Juden Europas.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter. Reinbeck 1963.
- Pierre Joffroy: Der Spion Gottes. Kurt Gerstein – ein SS-Offizier im Widerstand? Berlin 1995.
- Jürgen Schäfer: Kurt Gerstein – Zeuge des Holocaust. Ein Leben zwischen Bibelkreisen und SS. Bielefeld 1999.
- Der Gerstein-Bericht. Nach der Edition von Jürgen Schäfer bearbeitet und gekürzt von Markus Köster. In: Kurt Gerstein. Der Christ, das Gas und der Tod. Begleitheft zum Film. Hrsg. vom Landesverband Westfalen-Lippe.
Münster 2007, S. 32–40. (Als PDF verfügbar). - Bernd Hey/Matthias Rickling/Kerstin Stockhecke: Widerstand in SS-Uniform. Bielefeld 2000.
Heiner Wember: Kurt Gerstein. SS-Offizier und Warner vor der NS-Vernichtung. Deutschlandfunk, 25.07.2025.
- Kurt Gerstein – Widerstandskämpfer oder Täter? SWR-Retro Report Chronik. SWR 29.06.1964.
- Der Stellvertreter. Spielfilm. Regie: Constantin Costa-Gavras. Frankreich/ Deutschland/ Rumänien 2002.
- Kurt Gerstein – Zeuge der Wahrheit ist ein Film aus dem Jahr 2007 von Philippe Labrune.
„Viele Menschen beten. Ich bete mit ihnen, ich drücke mich in eine Ecke und schreie laut zu meinem und ihrem Gott. Wie gern wäre ich mit ihnen in die Kammern gegangen, wie gern wäre ich ihren Tod mitgestorben ... Noch also darf ich nicht, ich muss noch zuvor künden, was ich hier erlebe!“
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