Lipke
Hoffnungsträger
PORTRAIT
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Nach den Massakern war es der Zeitpunkt, meine jüdischen Landsleute zu retten.
Jānis Lipke
01. Februar 1900 – 14. Mai 1987
Jelgava · Riga
Johanna Lipke
1904 – 1990
Eleja · Riga
Jānis Lipke arbeitet in den 1920er Jahren als Hafenarbeiter in Riga und beteiligt sich an kommunistischen Untergrundtätigkeiten. Er lebt mit seiner Frau und den zwei Kindern auf einer Insel im Fluss Daugava.
Ende 1941, während der deutschen Besatzung Lettlands, arbeitet Jānis Lipke im Depot der deutschen Luftwaffe. Er wird Zeuge, wie Tausende Jüdinnen und Juden aus dem Rigaer Ghetto zu Massenerschießungen außerhalb der Stadt getrieben werden. Jānis Lipke beschließt, den im Ghetto verbliebenen Jüdinnen und Juden zu helfen. Er findet etwa 25 Verbündete, die ihn dabei unterstützen.
Lipke und sein Netzwerk verhelfen Jüdinnen und Juden zur Flucht aus dem Ghetto und den Arbeitslagern und verstecken sie in Riga und Umgebung. Als ersten rettet Lipke seinen Freund Chaim Smoljanski. Die beiden graben 1942 auf dem Hof der Lipkes ein unterirdisches Versteck. Lipkes Frau Johanna und die Söhne kümmern sich um die Versorgung der Untergetauchten.
© Gedenkstätte Stille Helden
Johanna Novicka wächst in Eleja in einer Bauernfamilie mit sechs Geschwistern auf. 1920 heiratet sie den Hafenarbeiter Jānis Lipke. Während der deutschen Besatzung ab Sommer 1941 hilft Johanna Lipke dabei, verfolgte Jüdinnen und Juden zu retten.
Johanna Lipkes Mann Jānis und weitere Helfer*innen schmuggeln Jüdinnen und Juden aus dem Rigaer Ghetto und Arbeitslagern heraus. Sie bringen sie in einem unterirdischen Versteck auf dem Grundstück der Lipkes und in leerstehenden Gebäuden in Riga und Umgebung unter. Johanna Lipke kümmert sich mit ihren Söhnen Alfrēds und Zigfrīds um die Versorgung der Untergetauchten. Unter Gefahren beschafft Johanna Lipke den Großteil der Nahrung auf dem Schwarzmarkt, denn Nahrungsmittel sind rationiert und größere Einkäufe auf legalem Weg nicht möglich. Zudem züchtet sie mehr Nutztiere, als die Besatzungsmacht erlaubt.
Das Ehepaar Lipke und ihre Helfergruppe verstecken insgesamt 44 Jüdinnen und Juden, die meisten überleben.
1966 werden Johanna Lipke und ihr Mann Jānis als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
© Gedenkstätte Stille Helden
- Am 28. Juni 1966 erkannte Yad Vashem Žanis und Johanna Lipke als Gerechte unter den Völkern an.
- In Rigaist eine Straße nach ihm benannt.1990 errichtete die jüdische Gemeinde Riga auf dem neuen Friedhof ein Denkmal in dankbarer Erinnerung an Jānis und Johanna Lipke.
- Am 4. Juli 2007, dem lettischen Holocaust-Gedenktag, wurde neben der Gedenkstätte der Großen Choralsynagoge an der Gogoļa iela ein Denkmal für die bis zu diesem Zeitpunkt namentlich bekannten 270 Menschen enthüllt, die rund 400 lettische Juden vor den Nationalsozialisten versteckt haben. Die herausragende Rolle Žanis Lipkes wird durch sein in das Denkmal integriertes Porträt unterstrichen.
- 2013 wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des ehemaligen Wohnhauses der Lipkes auf der Daugavainsel Ķīpsala eine Gedenkstätte eröffnet, deren Architektur an eine Arche erinnert.
Marģers Vestermanis. Jewish Cultural Center, Riga (Hrsg.): David Silberman: Like a star in the darkness. Recollections about Janis (Zhan) Lipke. Riga 2010, in englischer Sprache.
Die Jānis-Lipke-Gedenkstätte in Kipsala, Mazais Balasta dambis 9, Riga.
Sie erinnert auf dem Gelände des ehemaligen Wohnhauses an Jānis Lipke und seine Familie. Während der deutschen Besatzung halfen sie rund sechzig jüdischen Bürgern bei der Flucht aus dem Ghetto, versteckten sie in und unter ihrem Haus und riskierten damit ihr eigenes Leben.
Auf dem Dachboden finden sich Schaukästen mit Erinnerungen an die Familie Lipke, ihre Unterstützer und die Geretteten. Man erfährt, wie es ihnen gelang, unerkannt zu bleiben und aus welchen Beweggründen sie handelten.
Im Zentrum des Dachbodens befindet sich eine Luke mit den Maßen des Bunkers, den die Lipkes in ihrem Hof ausgehoben hatten. Dort versteckten sich meist acht bis zwölf Menschen gleichzeitig. Ein Interview mit Johanna Lipke schildert, wie sie Essen ins Ghetto schmuggelte, den Bunker mit ausgrub und mithilfe von Lichtsignalen die Versteckten warnte.
Angesichts weltweiter Konflikte und wachsender Ausgrenzung zeigt sich, dass Orte wie diese wichtiger denn je sind. Sie erinnern daran, dass gesellschaftliche Stimmungen schnell kippen können – und jeder Mensch plötzlich selbst zu den Ausgeschlossenen, zu den ‚Fremden‘, zählen kann.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt