Schmitz
Hoffnungsträger
PORTRAIT
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Auf keinem Gebiet hat die Kirche so rettungslos versagt.
„Es ist keine Übertreibung, wenn von dem Versuch der Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen werden muss!“
Mit diesen Worten ergänzte Elisabeth Schmitz ihre Denkschrift nach dem Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze.
Elisabeth Schmitz unterrichtet seit 1929 Deutsch, Geschichte und evangelische Religionslehre am Berliner Luisen-Oberlyzeum. 1935 wird sie nach Berlin-Lankwitz strafversetzt. Am 1. April 1939 tritt sie freiwillig in den vorzeitigen Ruhestand, da sie sich weigert, im nationalsozialistischen Sinne zu unterrichten. Schmitz engagiert sich in der Bekennenden Kirche. Nicht zuletzt durch die enge Freundschaft mit Martha Kassel, einer 1938 emigrierten protestantischen Ärztin jüdischer Herkunft, registriert Schmitz die judenfeindlichen Maßnahmen des NS-Regimes sehr genau und sieht ihre Kirche in der Pflicht, sich offen auf die Seite der Verfolgten zu stellen. Mit ihrer Denkschrift „Zur Lage der deutschen Nichtarier“- von 1935/36 fordert sie die Bekennende Kirche auf, öffentlich gegen die Verfolgungen und für die Menschen jüdischer Herkunft einzutreten. Sie warnt darin vor einer weiteren Steigerung der judenfeindlichen Maßnahmen. Doch ihre eindringliche Schrift bleibt bei den kirchlichen Leitungsgremien unbeachtet. Nach dem Novemberpogrom 1938 bekräftigt sie ihre Position, kann jedoch auch jetzt keinen einhelligen, offensiven Protest der Bekennenden Kirche erwirken. Gemeinsam mit einem Kreis ehemaliger Kolleginnen und Schülerinnen leistet Schmitz nach Beginn der Massendeportationen Hilfe für versteckt lebende Juden und stellt zeitweise ihre Wohnung als Quartier zur Verfügung. 1943 kehrt Schmitz in ihre Heimatstadt Hanau zurück, wo sie das Kriegsende überlebt.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1959 arbeitete Elisabeth Schmitz wieder als Lehrerin, engagierte sich im Hanauer Geschichtsverein und lebte zurückgezogen. Über ihren aus christlicher Überzeugung motivierten Widerstand während der NS-Zeit sprach sie nie öffentlich. Auch diejenigen, die von ihrer Denkschrift wussten, schwiegen.
Erst im Jahr 2004 wurde sie einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: In einem Kellerraum der Johanneskirchengemeinde in Hanau, der Elisabeth Schmitz angehörte, wurden Entwürfe ihrer Denkschrift wiederentdeckt. Dieser Fund zeigte erstmals, mit welcher Entschlossenheit sie gegen die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung im Nationalsozialismus protestiert hatte.
- Im November 2005 ehrten die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck, der Evangelische Arbeitskreis „Christen–Juden“ und die Stadt Hanau Elisabeth Schmitz mit einem Gedenkstein sowie einem Ehrengrab auf dem Hanauer Hauptfriedhof.
- 2011 wurde Elisabeth Schmitz posthum von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
- 2013 brachte die Stadt Hanau eine Gedenktafel an ihrem früheren Wohn- und Geburtshaus in der Corniceliusstraße an.
- Eine Schule im Hanauer Stadtteil Wolfgang trägt heute den Namen Elisabeth-Schmitz-Schule.
- In Berlin erinnert eine Gedenktafel an der Beethoven-Oberschule in der Barbarastraße 9 in Berlin-Lankwitz an Elisabeth Schmitz.
- Dietgard Meyer: „Wir haben keine Zeit zu warten“. Der Briefwechsel zwischen Elisabeth Schmitz und Karl Barth in den Jahren 1934-1966. In: Kirchliche Zeitgeschichte 22 (2009), S. 328 ff.
- Manfred Gailus: Mir aber zerriss es das Herz. Der stille Widerstand der Elisabeth Schmitz. Biografie. Göttingen 2010.
- Sibylle Biermann-Rau: Elisabeth Schmitz. Wie sich die Protestantin für Juden einsetzte, als ihre Kirche schwieg. Hamburg 2017.
- Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Themenkatalog 5: Widerstand aus christlichem Glauben. 2., überarbeitete Auflage. Berlin 2018.
„Es ist keine Übertreibung, wenn von dem Versuch der Ausrottung des Judentums in Deutschland gesprochen werden muss!“
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