Bartali Gino
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Gewisse Medaillen werden an die Seele geheftet, nicht an die Jacke.
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„Man tut Gutes, aber man spricht nicht darüber.“
Gino Bartali
Der italienische Radsportler Gino Bartali war dreimaliger Meister des italienischen Mehretappenrennens Giro d’Italia (1936, 1937 und 1946) und gewann zweimal die Tour de France (1938 und 1948). Aufgrund seiner bemerkenswerten sportlichen Leistungen wurde er zu einem der beliebtesten Sportler und weithin bewunderten Nationalhelden in Italien.
Bei Kriegsausbruch war Bartali erst 25 Jahre alt und hatte schon einmal die Tour de France gewonnen. Doch der Krieg unterbrach seine Karriere abrupt. Bis 1946 sollte er an keinen Wettrennen mehr teilnehmen. Dennoch radelt der Spitzensportler weiter; allerdings nicht zum Training, sondern um Juden zu retten. Als Kurier des italienischen Widerstands transportierte Bartali, von dem bekannt war, dass er zu Trainingszwecken weite Strecken mit dem Fahrrad zurücklegte, gefälschte Dokumente von einem Ort zum anderen. Als Bartali angehalten und durchsucht wurde, bat er ausdrücklich darum, sein Fahrrad nicht anzufassen, da die verschiedenen Teile sehr sorgfältig darauf abgestimmt seien, Höchstgeschwindigkeit zu erreichen. Denn die gefälschten Papiere hat Bartali eingerollt und mal im Sattelrohr, mal im Lenker versteckt. Zudem versteckte er auch die jüdische Familie Goldberg in einem seiner Häuser in Florenz.
Nach dem Krieg sprach Bartali nie mehr über seine Untergrundarbeit während der deutschen Besetzung. Daher bleiben viele seiner mutigen Unternehmungen unbekannt. Er lehnte jegliche Befragung entschieden ab und erklärte, er sei aus Gewissensgründen motiviert gewesen und wolle daher keine Dokumentation seiner Tätigkeit.
Am 7. Juli 2013 erkannte Yad Vashem Gino Bartali als Gerechten unter den Völkern an.
© Yad Vashem
Bartali gehörte einem Widerstandsnetzwerk an, das vom Erzbischof von Florenz, Elia Dalla Costa, und dem Rabbiner Nathan Cassuto gegründet worden war. Als gläubiger Katholik und Laienbruder der Karmeliter fuhr er mindestens 40-mal zum Kloster San Quirico, einem Zentrum des geistlichen Widerstands. In der Nähe fertigte der Drucker Luigi Brizi nachts heimlich gefälschte Ausweise an. „Um den Krach zu übertönen, den die Druckerpresse machte, öffneten die Ordensschwestern die Fenster und sangen die ganze Nacht“, erzählt Bartalis Enkelin Gioia dem „Spiegel“.
Quelle: Katja Ilken: Waden aus Stahl, Herz aus Gold. Spiegel-Online – Geschichte, 27.04.2018.
- Im Jahr 2005 verlieh der italienische Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi Gino Bartali posthum die goldene Ehrenmedaille Medaglia d’oro al merito civile für seinen humanitären Einsatz.
- Am 7. Juli 2013 erkannte Yad Vashem Gino Bartali als Gerechten unter den Völkern an.
- Jan-Christoph Kitzler, Stefan Osterhaus: Der Kurier des Widerstandes. Deutschlandfunk Kultur Archiv, 02.09.2012.
- Stefan Osterhaus: Der Champion, der Juden rettete. Deutschlandfunk Kultur Archiv, 09.11.2013.
Tom Mustroph: Gino Bartali (2/2). Ein Mann größer als sein Sport. Deutschlandfunk, 11. Mai 2025.
„Man tut Gutes, aber man spricht nicht darüber.“
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