Schröder Gustav
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Der Kapitän hat die Verantwortung für jeden Menschen an Bord.
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„Ein gastliches Schiff mitten auf dem weiten Ozean ist eine andere Welt. So ist es auch hier: Zuversicht und Hoffnung blühen.“
Gustav Schröder
Gustav Schröder war Kapitän der St. Louis, die im Mai 1939 mit mehr als 900 jüdischen Passagieren an Bord von Hamburg nach Amerika auslief. Nach der Überquerung des Atlantiks wurde den Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland – von denen viele bereits nach der Reichspogromnacht im November 1938 einmal verhaftet worden waren – sowohl von den kubanischen als auch von den amerikanischen Behörden die Einreise verweigert. Das Schiff musste nach Europa zurückkehren. Anstatt jedoch direkt zu einem deutschen Hafen zurückzukehren, verzögerte Kapitän Schröder die Rückreise und weigerte sich, nach Deutschland zurückzukehren, bis er einen sicheren Hafen für seine jüdischen Passagiere gefunden hatte.
Er ging sogar so weit, einen Notfallplan zu entwickeln, der vorsah, dass die St. Louis nahe der englischen Küste auf spektakuläre Weise Schiffbruch erleiden sollte, um die britischen Behörden zum Handeln zu zwingen. Schließlich wurde jedoch eine Lösung gefunden und die Passagiere durften in Antwerpen von Bord gehen, nachdem Belgien, Großbritannien und Frankreich sich mit dem American Jewish Joint Distribution Committee darauf geeinigt hatten, jeweils eine bestimmte Anzahl von Personen aufzunehmen.
Wäre die St. Louis direkt in einen deutschen Hafen zurückgekehrt, wären ihre jüdischen Passagiere mit Sicherheit alle in Konzentrationslagern der Nazis gelandet. Es war also vor allem dem Mut und der Entschlossenheit von Kapitän Schröder zu verdanken, seine jüdischen Passagiere nicht ihrem Schicksal zu überlassen, dass viele von ihnen den Nazis entkommen konnten.
Am 11. März 1993 wurde Gustav Schröder von Yad Vashem postum in den Kreis der „Gerechten unter den Völkern“ aufgenommen.
© Yad Vashem
- 1957 wurde Kapitän Gustav Schröder für seine Verdienste bei der Rettung von Emigranten mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
- 1993 ehrte ihn die israelische Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechten unter den Völkern.
- Auch in Hamburg ist sein Name präsent: In Langenhorn trägt eine Straße seinen Namen, an den Landungsbrücken erinnert seit 2000 eine Gedenktafel an ihn, und 2019 wurde in Altona eine Grünfläche als Kapitän-Schröder-Park eingeweiht.
- Die Ungewollten – Die Irrfahrt der St. Louis. Regie: Ben von Gravenstein. ARD Mediathek 2019.
- Kapitän Schröder und die Irrfahrt der „St. Louis“ – Erinnerungen an ein Drama auf See. Buch/Regie: Manfred Uhlig.
ARD Mediathek, 2025.
Heinz Burmester: Aus dem Leben des Kapitän Gustav Schröder. Deutsches Schifffahrtsarchiv, 13, S. 164-200.
Online-PDF1990.
Transkript und Übersetzung des Dokuments
Zwischenstaatlicher Ausschuss
1, Central Buildings
Westminster
London, S.W.1. 26. Juni 1939
Sehr geehrter Pierrepont,
Bob hat Ihnen in der vergangenen Woche meinen Bericht über die Behandlung der Flüchtlinge an Bord der „St. Louis“ in Antwerpen übermittelt. Wir haben erst jetzt die endgültig korrigierten Zahlen über die Verteilung der 907 Flüchtlinge an Bord dieses Schiffes auf die vier beteiligten Länder erhalten. Diese lauten wie folgt:
England – 287
Frankreich – 224
Belgien – 215
Niederlande – 181
Mit freundlichen Grüßen
Joe Harsch
J. C. Harsch
Pierrepont Moffat, Esq.
US-Außenministerium
Washington, D. C.

Schreiben des Intergovernmental Committee zur Verteilung der Flüchtlinge von Bord der St. Louis, 29. Juni 1939 © National Archives, College Park, MD
„Ein gastliches Schiff mitten auf dem weiten Ozean ist eine andere Welt. So ist es auch hier: Zuversicht und Hoffnung blühen.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt