Porschütz
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Unbesungene Heldin, die ich liebe.
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„Sie hat unter wirklich großem persönlichen Risiko Verfolgten geholfen (…), ein mutiger Mensch ohne Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden, ohne Rücksicht auf das Risiko, dass sie einging.“
Prof. Dr. Johannes Tuchel
Hedwig Porschütz ist seit 1940 bei Otto Weidt angestellt, dem Besitzer einer Bürstenfabrik am Hackeschen Markt in Berlin-Mitte. Sie beteiligt sich an Weidts Hilfsaktionen und versteckt in ihrer Mansardenwohnung von Januar bis zum Sommer 1943 die Zwillinge Marianne und Anneliese Bernstein. Im März 1943 nimmt sie auch Grete Dinger und Lucie Ballhorn auf. Porschütz stellt ihre Wohnung gelegentlich Prostituierten zur Verfügung. Die Jüdinnen müssen in dieser Zeit das Versteck verlassen.
Als im Sommer 1943 im Haus ein jüdisches Paar festgenommen wird, wird der Aufenthalt dort zu gefährlich. Porschütz versorgt die Untergetauchten weiterhin mit Lebensmitteln und bringt Dinger und Ballhorn zeitweise bei ihrer Mutter, Hedwig Völker, in Berlin-Schöneberg unter. Porschütz wird wegen „Schwarzhandels“, der auch der Ernährung ihrer Schützlinge diente, zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, die sie ab Oktober 1944 bis Kriegsende verbüßt.
1959 lehnt der West-Berliner Senat Porschütz‘ Ehrung als „Unbesungene Heldin“ mit Verweis auf ihre frühere Prostitution ab. 2015 wird sie postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ anerkannt.
© Gedenkstätte Stille Helden
Erst am 3. Juni 2011 erklärte die Staatsanwaltschaft Berlin das gegen Hedwig Porschütz ergangene Urteil des NS-Sondergerichts für rechtswidrig und hob es auf.
- Im Rahmen des Berliner Gedenktafelprogramms wurde Hedwig Porschütz im November 2010 geehrt, und am 13. November 2012 brachte man an ihrem ehemaligen Wohnhaus in der Feurigstraße 43 in Berlin-Schöneberg eine Gedenktafel an, die daran erinnert, dass sie 1943/44 mehrere Jüdinnen in ihrer Wohnung in der Alexanderstraße 5 versteckte und so vor der Deportation rettete.
- 2015 wird Hedwig Porschütz postum von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt.
- 2018 wurde im Berliner Neubaugebiet Europacity, parallel zum Otto-Weidt-Platz, eine Straße nach Hedwig Porschütz benannt.
Johannes Tuchel: Hedwig Porschütz. Die Geschichte ihrer Hilfsaktion für verfolgte Juden und Diffamierung nach 1945. Berlin 2010.
Karin Becker: Hedwig Porschütz – Verachtete Heldin. Interview mit Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Regie: Frank Halbach. Redaktion: Nicole Ruchlak. Bayern 2 Radiowissen, 20. Juni 2025. ARD Audiothek.
„Sie hat unter wirklich großem persönlichen Risiko Verfolgten geholfen (…), ein mutiger Mensch ohne Rücksicht auf das eigene Wohlbefinden, ohne Rücksicht auf das Risiko, dass sie einging.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt