Weidt
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Kein Mensch wird als Held geboren.
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„Ich wünschte, ich könnte einmal, auch im Namen derjenigen., die nicht wiedergekommen sind, Herrn Weidt für alles danken, was er für uns getan hat.“
Inge Deutschkron
Otto Weidt wächst in Rostock auf und erlernt wie sein Vater den Beruf des Tapezierers. In seiner Freizeit schreibt er Gedichte. Während des Ersten Weltkriegs gelingt es dem Pazifisten, sich aufgrund eines Ohrenleidens dem Dienst an der Waffe zu entziehen. In Berlin lernt Otto Weidt, der aus erster Ehe zwei Söhne hat, Else Nast kennen. 1936 heiratet das Paar. Seine Pläne, sich mit einer Polstermöbelfabrik in Berlin zu etablieren, scheitern. Nach seiner fast vollständigen Erblindung wird er Bürstenmacher und eröffnet 1936 in Berlin-Kreuzberg eine Bürstenwerkstatt. Otto Weidt ist entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Ab 1939 beschäftigt er hauptsächlich Juden. Er tut alles, um sie vor den judenfeindlichen Maßnahmen des Staates zu schützen. 1940 zieht er mit seinem Betrieb nach Berlin-Mitte in die Rosenthaler Straße 39. Dort arbeiten mehr als dreißig blinde und taubstumme Juden für ihn. Mit den in der Werkstatt produzierten Besen und Bürsten beliefert er auch die Wehrmacht. Deshalb gilt die Blindenwerkstatt als „wehrwichtig“. Durch diesen Status und indem Otto Weidt regelmäßig Gestapo-Beamte besticht, bleiben seine Arbeiter eine Zeit lang von der Deportation verschont. Gemeinsam mit weiteren Helfern besorgt er ihnen Lebensmittel, gefälschte Papiere und Verstecke. Als Ende 1943 seine Sekretärin Alice Licht deportiert wird, reist er ihr nach, um sie aus dem Konzentrationslager Auschwitz zurückzuholen. Er kann ihr bei der Flucht helfen. Nach dem Krieg engagiert sich Otto Weidt für den Aufbau eines jüdischen Kinder- und Altersheimes in Berlin-Niederschönhausen.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- 1971 wurde Otto Weidt posthum von Yad Vashem als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Seine letzte Ruhestätte auf dem Friedhof Pankow III ist seit 1994 ein Ehrengrab des Landes Berlin.
- 1993 erhielt er am Haus Rosenthaler Straße 39 eine Gedenktafel, aus der 1999 das Museum „Blindenwerkstatt Otto Weidt“ hervorging. Seit 2005 gehört es zur Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Zwischen 2008 und 2017 war dort zudem die Gedenkstätte „Stille Helden“ untergebracht.
- 2003 wurde eine weitere Gedenktafel an seinem letzten Wohnsitz in der Salzachstraße 6 in Berlin-Schlachtensee angebracht, 2007 folgte eine am ersten Standort der Werkstatt in der Großbeerenstraße 92. Im Jahr 2014 kam eine zusätzliche Tafel an seinem Geburtshaus in Rostock hinzu.
- Seit 2018 trägt ein Platz in der Europacity in Berlin seinen Namen: der Otto-Weidt-Platz, verbunden mit dem Golda-Meir-Steig. Auch Straßenschilder, eine Bushaltestelle und ein Hochhaus in der Umgebung wurden nach ihm benannt.
- Robert Kain: „Otto Weidt: Vom Anarchisten zum „Gerechten unter den Völkern“. In: Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.):
Der vergessene Widerstand der Arbeiter, Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter. Berlin 2012. - Inge Deutschkron: Papa Weidt: Er bot den Nazis die Stirn. Taschenbuch, Berlin 2017.
- Robert Kain: Otto Weidt. Anarchist und „Gerechter unter den Völkern“. Berlin 2017.
- Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand (Hrsg.): Widerstand im Kriegsalltag.
Themenkatalog 18. Aufl., Berlin 2018, S. 60-65. - Museum Blindenwerkstatt Otto Weidt in der Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Berlin 2023.
Claudia Belemann: Otto Weidt, NS-Gegner (Geburtstag, 02.05.1883).
WDR Zeitzeichen, 02.05.2023.
- Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt. Doku-Drama.
Drehbuch: Dorothee Schön. Regie: Kai Christiansen. NDR, rbb 2014. - Otto Weidt – Ein stiller Held – Digitale Angebote GDW.
„Ich wünschte, ich könnte einmal, auch im Namen derjenigen., die nicht wiedergekommen sind, Herrn Weidt für alles danken, was er für uns getan hat.“
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60386 Frankfurt