Hoffnungsträger

Charlotte Salomon
16. Apr. 1917

10. Okt. 1943

PORTRAIT

Leben? Oder Theater?

Charlotte Salomon wird 1917 in Berlin geboren, in eine liberale jüdische Familie. Ihre Kindheit ist geprägt von Bildung und Kultur – bis den Terror des Nationalsozialismus alles verändert. Am 9. November 1938, während der Pogrome, wird ihr Vater Albert verhaftet. Charlotte flieht daraufhin zu ihren Großeltern nach Villefranche-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste.
16. Apr. 1917

10. Okt. 1943
Berlin

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Auschwitz-Birkenau

Der Krieg tobte weiter, und ich saß da am Meer und sah tief hinein in die Herzen der Menschen. Ich war meine Mutter, meine Großmutter, ja, alle Personen, alle Personen, die vorkommen in meinem Stück, war ich selbst.

Der Krieg tobte weiter, und ich saß da am Meer und sah tief hinein in die Herzen der Menschen. Ich war meine Mutter, meine Großmutter, ja, alle Personen, alle Personen, die vorkommen in meinem Stück, war ich selbst.

Charlotte Salomon wird 1917 in Berlin geboren, in eine liberale jüdische Familie. Ihre Kindheit ist geprägt von Bildung und Kultur – bis den Terror des Nationalsozialismus alles verändert. Am 9. November 1938, während der Pogrome, wird ihr Vater Albert verhaftet. Charlotte flieht daraufhin zu ihren Großeltern nach Villefranche-sur-Mer an der französischen Mittelmeerküste.

 

Doch auch dort bleibt die Bedrohung nicht fern. Als deutsche Truppen in Frankreich einmarschieren, zerbricht die fragile Sicherheit endgültig: Charlottes Großmutter nimmt sich das Leben. Kurz darauf offenbart ihr Großvater eine erschütternde Wahrheit – eine Reihe von Suiziden in der Familie, darunter auch der ihrer Mutter.

Charlotte steht am Rand des Abgrunds. Um sich selbst zu retten, beginnt sie zu malen. Mit fieberhafter Entschlossenheit hält sie ihr Leben in Bildern fest. Zwischen 1940 und 1942 entstehen über 1300 Gouachen; 800 davon wählt sie für ihr Werk „Leben? Oder Theater?“ aus.

In dichten Szenen erzählt sie von ihrer Familie, ihren Freunden, den Massen, dem Jubel, den Flaggen und der Gewalt. Biografisches und Erfundenes verbinden sich zu einer Erzählung, die weit mehr ist als eine Chronik. Charlotte stellt sich Musik vor, die jede Szene begleitet – ihr Werk wächst zu einem stillen Singspiel, halb Theaterstück, halb Graphic Novel. Jede Seite trägt den Kampf um das eigene Leben in sich.

Im September 1943 wird Charlotte verhaftet, nach Drancy verschleppt und kurz darauf nach Auschwitz deportiert. Am 10. Oktober wird sie ermordet. Sie war im fünften Monat schwanger.

Doch ihr Werk bleibt. Leben? Oder Theater? ist ein einzigartiges Zeugnis der Hoffnung und des künstlerischen Widerstands. Es bewahrt Charlottes Stimme, ihren Mut und ihre einzigartige und berührende Sicht auf die Welt.

Quelle: Yad Vashem

Ardi Goldman Kunst-
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