Hoffnungsträger

Robert Siewert
30. Dezember 1887

2. November 1973

PORTRAIT

Die Maurerschule im KZ Buchenwald.

Robert Siewert wurde in eine Handwerkerfamilie geboren – sein Vater war Zimmermann, er selbst erlernte den Beruf des Maurers. Nach seiner Ausbildung ging er auf Wanderschaft und arbeitete ab 1908 in der Schweiz, wo er auch Lenin begegnete. Bereits 1906 trat er in die SPD ein, später in die KPD. Von 1920 bis 1929 war er Abgeordneter im Sächsischen Landtag und bekleidete zentrale Funktionen innerhalb der Partei.
30. Dezember 1887

2. November 1973
Schwersenz

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Berlin

„Die Kommunisten in der Häftlingsverwaltung erwirkten bei der SS die Erlaubnis, eine, Maurerschule‘ einrichten zu dürfen. Im Lagerbau herrschte ‚Fachkräftemangel‘. Offiziell sollte die Schule dazu dienen, Nachwuchs für das Baukommando anzulernen. Der Kapo des Kommandos, Robert Siewert, erteilte den Unterricht. In dieser Schule überlebten wir den ersten Thüringer Winter.“

Robert Siewert, Sohn eines Zimmermanns und gelernter Maurer, führte ein außergewöhnliches Leben: Schon als junger Handwerker zog er auf Wanderschaft durch Europa, arbeitete in der Schweiz – und begegnete dort Lenin. Früh schloss er sich der Arbeiterbewegung an, trat 1906 in die SPD und später in die KPD ein. Zwischen 1920 und 1929 saß er im Sächsischen Landtag und übernahm zentrale Aufgaben innerhalb der Partei.

Wegen seiner Kritik an der Stalinisierung der KPD wurde Siewert 1929 aus der Partei ausgeschlossen; danach trat er der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) bei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er im kommunistischen Widerstand aktiv, wurde 1935 verhaftet und nach Verbüßung seiner Haftstrafe 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert.

Dort wurde er Kapo des Baukommandos 1 mit über 1.000 Häftlingen und spielte eine führende Rolle im illegalen Widerstand. Gemeinsam mit anderen politischen Funktionshäftlingen setzte er sich besonders für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein. 1939 überzeugte er die SS unter dem Vorwand, Fachkräfte für die Kriegswirtschaft auszubilden, von der Einrichtung einer ‚Maurerschule‘, in der er selbst unterrichtete. In Wirklichkeit bot sie jungen polnischen und jüdischen Häftlingen Schutz vor Zwangsarbeit und Deportation.

1942 kam die „Polenschule“ hinzu – offiziell zur Sprachförderung, tatsächlich jedoch ein weiterer Schutzraum. Als immer mehr Kinder ins Lager gebracht wurden, unterstützte Siewert die Einrichtung spezieller Kinderbaracken: 1943 entstand Block 8 im Hauptlager, 1945 Block 66 im „Kleinen Lager“. Bei der Befreiung durch die US-Armee am 11. April 1945 befanden sich fast 1.000 Kinder und Jugendliche in Buchenwald – viele verdankten ihr Überleben dem Einsatz der Widerstandsgruppe um Siewert.

Nach der Befreiung wurde er Innenminister von Sachsen-Anhalt. Doch 1950 fiel er in Ungnade – aufgrund seiner früheren KPO-Mitgliedschaft wurde er aller Ämter enthoben und ins Bauwesen versetzt. Erst nach der Entstalinisierung wurde Siewert rehabilitiert.
Bis ins hohe Alter engagierte er sich im Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer und setzte sich für die Erinnerung an die NS-Verbrechen ein. Er war maßgeblich an der Gründung der Gedenkstätten Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück beteiligt.

Quellen: Jugend im KZ Buchenwald Mittelbau-Dora. Rettungsinitiativen: Maurerschule, online.
Robert Siewert 1887-1973. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bund des Antifaschisten vvn-bda Sachsen-Anhalt, online.

„Die Kommunisten in der Häftlingsverwaltung erwirkten bei der SS die Erlaubnis, eine, Maurerschule‘ einrichten zu dürfen. Im Lagerbau herrschte ‚Fachkräftemangel‘. Offiziell sollte die Schule dazu dienen, Nachwuchs für das Baukommando anzulernen. Der Kapo des Kommandos, Robert Siewert, erteilte den Unterricht. In dieser Schule überlebten wir den ersten Thüringer Winter.“

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