Siewert Robert
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Die Maurerschule im KZ Buchenwald.
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„Die Kommunisten in der Häftlingsverwaltung erwirkten bei der SS die Erlaubnis, eine, Maurerschule‘ einrichten zu dürfen. Im Lagerbau herrschte ‚Fachkräftemangel‘. Offiziell sollte die Schule dazu dienen, Nachwuchs für das Baukommando anzulernen. Der Kapo des Kommandos, Robert Siewert, erteilte den Unterricht. In dieser Schule überlebten wir den ersten Thüringer Winter.“
Władysław Koźdoń, der als Jugendlicher der Maurerschule im KZ Buchenwald zugeteilt war, erinnert sich an ihre Bedeutung für sein Überleben.
Robert Siewert, Sohn eines Zimmermanns und gelernter Maurer, führte ein außergewöhnliches Leben: Schon als junger Handwerker zog er auf Wanderschaft durch Europa, arbeitete in der Schweiz – und begegnete dort Lenin. Früh schloss er sich der Arbeiterbewegung an, trat 1906 in die SPD und später in die KPD ein. Zwischen 1920 und 1929 saß er im Sächsischen Landtag und übernahm zentrale Aufgaben innerhalb der Partei.
Wegen seiner Kritik an der Stalinisierung der KPD wurde Siewert 1929 aus der Partei ausgeschlossen; danach trat er der Kommunistischen Partei-Opposition (KPO) bei. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten war er im kommunistischen Widerstand aktiv, wurde 1935 verhaftet und nach Verbüßung seiner Haftstrafe 1939 in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert.
Dort wurde er Kapo des Baukommandos 1 mit über 1.000 Häftlingen und spielte eine führende Rolle im illegalen Widerstand. Gemeinsam mit anderen politischen Funktionshäftlingen setzte er sich besonders für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein. 1939 überzeugte er die SS unter dem Vorwand, Fachkräfte für die Kriegswirtschaft auszubilden, von der Einrichtung einer ‚Maurerschule‘, in der er selbst unterrichtete. In Wirklichkeit bot sie jungen polnischen und jüdischen Häftlingen Schutz vor Zwangsarbeit und Deportation.
1942 kam die „Polenschule“ hinzu – offiziell zur Sprachförderung, tatsächlich jedoch ein weiterer Schutzraum. Als immer mehr Kinder ins Lager gebracht wurden, unterstützte Siewert die Einrichtung spezieller Kinderbaracken: 1943 entstand Block 8 im Hauptlager, 1945 Block 66 im „Kleinen Lager“. Bei der Befreiung durch die US-Armee am 11. April 1945 befanden sich fast 1.000 Kinder und Jugendliche in Buchenwald – viele verdankten ihr Überleben dem Einsatz der Widerstandsgruppe um Siewert.
Nach der Befreiung wurde er Innenminister von Sachsen-Anhalt. Doch 1950 fiel er in Ungnade – aufgrund seiner früheren KPO-Mitgliedschaft wurde er aller Ämter enthoben und ins Bauwesen versetzt. Erst nach der Entstalinisierung wurde Siewert rehabilitiert.
Bis ins hohe Alter engagierte er sich im Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer und setzte sich für die Erinnerung an die NS-Verbrechen ein. Er war maßgeblich an der Gründung der Gedenkstätten Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück beteiligt.
Quellen: Jugend im KZ Buchenwald Mittelbau-Dora. Rettungsinitiativen: Maurerschule, online.
Robert Siewert 1887-1973. Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Bund des Antifaschisten vvn-bda Sachsen-Anhalt, online.
- Robert Siewert wurde in der DDR vielfach geehrt. In Berlin-Karlshorst, im Chemnitzer Fritz-Heckert-Gebiet und in Weimar wurden Straßen nach ihm benannt. Bis zur Wiedervereinigung trugen auch Schulen in Beutha und Dahme/Mark (Brandenburg) seinen Namen.
- 1976 erhielt ein Straßenbauregiment der Nationalen Volksarmee in Neuseddin, in dem Bausoldaten dienten, den Namen Robert Siewert. Auch die Berufsschule des VEB Ausbau und Modernisierung in Ost-Berlin wurde nach ihm benannt.
- Zu seinem 100. Geburtstag würdigte die Deutsche Post der DDR Siewert im Jahr 1987 mit einer Sonderbriefmarke.
- Nach seiner politischen Rehabilitierung erhielt Siewert den Karl-Marx-Orden. 1972 wurde er zum „Held der Arbeit“ ernannt und 1973 zum „Verdienten Bauarbeiter der DDR“.
Harald Jentsch: Robert Siewert. Eine Biografie. Berlin 2024.
„Die Kommunisten in der Häftlingsverwaltung erwirkten bei der SS die Erlaubnis, eine, Maurerschule‘ einrichten zu dürfen. Im Lagerbau herrschte ‚Fachkräftemangel‘. Offiziell sollte die Schule dazu dienen, Nachwuchs für das Baukommando anzulernen. Der Kapo des Kommandos, Robert Siewert, erteilte den Unterricht. In dieser Schule überlebten wir den ersten Thüringer Winter.“
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