Trollmann Johann
Hoffnungsträger
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Steckbrief

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Der deutsche Boxmeister. Er tanzte im Ring.
27. Dez. 1907 – 1944
Wilsche ∙ Neuengamme Außenlager Wittenberge
Ich schämte mich dafür, dass ich einen Sinti Frau war. Doch heute macht es mich stolz. Ich bin die Tochter dieses großartigen Mannes.
Rita Vowe-Trollmann
Ich schämte mich dafür, dass ich einen Sinti Frau war. Doch heute macht es mich stolz. Ich bin die Tochter dieses großartigen Mannes.
Johann Wilhelm Trollmann wächst mit acht Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in der Altstadt von Hannover auf. Mit acht Jahren steigt er erstmals in den Boxring. Er gewinnt in jungen Jahren viermal die Regionalmeisterschaft und nimmt an der deutschen Meisterschaft im Amateurboxen teil. Als er 1928 nicht für die Olympischen Spiele in Amsterdam aufgestellt wird, entschließt er sich, Profiboxer zu werden. Sein Erfolg wächst rasch. Allein im Jahr 1930 bestreitet er 13, darunter auch internationale Kämpfe. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme werden die Boxclubs „gleichgeschaltet”, „nichtarische” Mitglieder wie der Sinto Johann Trollmann ausgeschlossen. Im Juni 1933, acht Tage nach seinem Sieg über Adolf Witt, wird Johann Trollmann der Titel als Deutscher Boxmeister im Halbschwergewicht aberkannt. Im Juli 1933 erscheint er zu einem Boxkampf mit blond gefärbten Haaren und weiß gepuderter Haut, um so gegen den Rassenwahn des NS-Regimes zu demonstrieren.
Er muss seine Profikarriere aufgeben und schlägt sich in den Folgejahren als Boxer auf Jahrmärkten durch. 1938 wird er mehrere Monate im Arbeitslager Hannover-Ahlem festgehalten. Nach der Entlassung taucht er zeitweilig unter, um weiteren Verhaftungen zu entgehen. 1939 wird Trollmann zur Wehrmacht eingezogen, 1941 an der Ostfront verwundet und 1942 aus „rassischen Gründen” aus der Wehrmacht ausgeschlossen.
Im Juni 1942 wird er in Hannover verhaftet, schwer misshandelt und einige Wochen später in das KZ Neuengamme überstellt. 1944 wird Johann Trollmann im KZ-Außenlager Wittenberge ermordet.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
Johann „Rukeli“ Trollmann wird heute an vielen Orten öffentlich geehrt. Im Kreuzkirchenviertel der Altstadt von Hannover wurde 2004 ein Fußweg in Johann-Trollmann-Weg umbenannt. Vor seinem früheren Wohnhaus wurde dort 2008 ein Stolperstein verlegt.
Auch in Hamburg erinnert seit 2009 ein Stolperstein im Schanzenviertel vor der Roten Flora an Trollmann, der dort – zuletzt im November 1933 – mehrere Profikämpfe bestritten hatte.
2003 erhielt Trollmann seinen Meistertitel im Halbschwergewicht vom Bund Deutscher Berufsboxer e. V. (BDB) zurück.
Ein weiterer Stolperstein wurde 2010 vor der früheren Bockbrauerei in der Fidicinstraße in Berlin-Kreuzberg verlegt – einem seiner historischen Boxorte, an dem heute auch eine Gedenktafel angebracht ist. Am 28. Januar 2011 wurde die Sporthalle der ehemaligen Rosegger-Grundschule in Berlin-Kreuzberg in Johann-Trollmann-Boxcamp benannt.
Seit 2023 trägt in Gifhorn-Wilsche ein Weg seinen Namen. Ein besonderes Zeichen setzt das Künstlerkollektiv Bewegung Nurr mit dem Projekt „9841 – Temporäres Denkmal für Johann Rukeli Trollmann“. Die begehbare Skulptur in Form eines schrägen Boxrings, benannt nach seiner Häftlingsnummer, wurde 2010 in Berlin und 2011 in Hannover temporär gezeigt und steht seit Oktober 2012 dauerhaft im Außenbereich des Festspielhauses Hellerau in Dresden.
Hans Firzlaff: Knock-out. Das Leben des deutschen Sinti-Boxers Rukelie Trollmann aus der hannoverschen Altstadt. 2. Auflage, Hannover 1997.
Gibsy – Die Geschichte des Hannoveraner Boxers Johann Rukeli Trollmann. Doku-Drama/Biopic.Buch, Regie und Produktion: Eike Besuden. Deutschland 2012.
Jennifer Stange: Nazi-Opfer Johann Trollmann – Der tanzende „Zigeuner“. Deutschlandfunk Archiv, 27.06.2020.
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