Wiese Gerhard
Hoffnungsträger
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Steckbrief

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Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.
Der Auschwitz-Prozess begleitet mich bis heute.
Gerhard Wiese
Der Auschwitz-Prozess begleitet mich bis heute.
Gerhard Wiese, geboren 1928, studierte Jura in Frankfurt am Main. Auf Initiative von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer war er als junger Staatsanwalt gemeinsam mit Joachim Kügler und Georg Friedrich Vogel maßgeblich am Auschwitz-Prozess (1963–1965) vor dem Landgericht Frankfurt beteiligt. Er verfasste Anklageschriften, hielt Plädoyers gegen einige der grausamsten Täter und trug entscheidend dazu bei, die Verbrechen juristisch aufzuarbeiten, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und den Opfern eine Stimme zu geben.
Die Ankläger im „Auschwitz-Prozess“ stießen auf erhebliche Widerstände, sowohl in der Justiz als auch in der Gesellschaft. Der Prozess brachte erstmals die systematische Ermordung europäischer Juden ins öffentliche Bewusstsein. Gerhard Wiese betonte: „Keiner konnte mehr behaupten, dass es keine Gaskammer gegeben hat.“
Wiese engagierte sich auch in weiteren NS-Verfahren. 1966 beobachtete er in Ost-Berlin den Prozess gegen den Lagerarzt Horst Fischer, der zum Tode verurteilt wurde. Ab 1971 war er Oberstaatsanwalt in Frankfurt am Main, ab 1989 stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft. Wiese ging 1993 in den Ruhestand. Seither hält Wiese auf Einladung von Universitäten Vorträge zu den Auschwitzprozessen und engagiert sich als Zeitzeuge, insbesondere bei Schulklassen.
Für seine außerordentlichen Verdienste um die Gerechtigkeit und die deutsche Justiz hat Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese am 14. November 2017 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Im Juni 2023 erhielt er den Hessischen Verdienstorden.
Gerhard Wiese wurde im Juli 2024 die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Johann-Wolfgang Goethe-Universität verliehen.
Fritz Bauer: Die Kriegsverbrecher vor Gericht. Reihe: Fritz-Bauer-Schriften; Bd. 1. Göttingen 2025.
Irmtrud Wojak: Fritz Bauer 1903-1968. Eine Biografie. München, 2. Neuauflage, 2019.
Ronen Steinke: Fritz Bauer oder Auschwitz vor Gericht. München, 2013.
Die Ermittlung. Film zum ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess
Regie: RP Kahl, Deutschland 2024.
Im Labyrinth des Schweigens. Zur Vorgeschichte des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Regie: Giulio Ricciarelli. Deutschland 2014.
„Sie müssten ewig leben“ – Zeitzeuge der Auschwitzprozesse berichtet. Gerhard Wiese ist der der letzte noch lebende Staatsanwalt der Frankfurter Auschwitzprozesse der 1960er-Jahre. SWR Aktuell Rheinland-Pfalz, 27.01.2024. ARD-Mediathek 2024.
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
60386 Frankfurt