Wijsmuller-Meijer Geertruida
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Auf Wiedersehen, Mama! Auf Wiedersehen, Papa! Auf bald, mein Kind!
„Wo du helfen kannst, musst du helfen.“
Geertruida Wijsmuller-Meijer
Geertruida „Truus“ Wijsmuller-Meijer, geb. 21. April 1896 in Alkmaar, half schon seit 1933 jüdischen Kindern, aus dem nationalsozialistischen Deutschland zu fliehen. Ab 1938 rettete „Tante Truus“, wie die Kinder sie nannten, Tausende von ihnen vor der Verfolgung durch das NS-Regime.
Truus war Niederländerin, nicht jüdisch, verfügte über ein riesiges Netzwerk – und war mutig genug, mit Adolf Eichmann zu verhandeln. Im Dezember 1938 reiste sie nach Wien, um mit ihm über die Ausreise von 600 jüdischen Kindern nach England zu sprechen. Eichmann stimmte zu – unter der Bedingung, dass alle Kinder Österreich innerhalb von fünf Tagen verließen. Er war überzeugt, dass dies in so kurzer Zeit unmöglich sei. Doch Truus nutzte ihre Kontakte und zögerte nicht: Noch in derselben Woche reisten die Kinder aus.
Ab da ließ sie sich nicht mehr aufhalten. In Deutschland und Österreich suchte Truus nach Kindern, deren Eltern verzweifelt versuchten, sie in Sicherheit zu bringen. Sie reiste nach Frankfurt, Berlin, Hamburg, Wien, Breslau, Danzig, Königsberg und Prag. Unterstützt von Kinderrettungskomitees und mit Hilfe ihrer Kontakte in den Behörden organisierte sie wöchentliche Transporte. Etwa 500 Kinder verließen regelmäßig den niederländischen Hafen Hoek van Holland in Richtung England. Der letzte Transport fuhr am 14. Mai 1940 – dem Tag der niederländischen Kapitulation. An Bord: fünf Busse mit Kindern aus Amsterdamer Waisenhäusern, persönlich von Truus auf die Reise geschickt.
Auch nach dem letzten Kindertransport setzte sie ihr Engagement fort. Nun verhalf sie vor allem erwachsenen jüdischen Flüchtlingen zur Flucht ins Ausland und versorgte Internierte in Lagern und Gefängnissen mit dringend benötigten Lebensmitteln und Medikamenten. 1944 verhinderte sie die Deportation von etwa 50 Waisenkindern aus dem Lager Westerbork nach Auschwitz. Sie zögerte keine Sekunde – und gab gegenüber den Behörden an, die Kinder seien „arischer Herkunft“. Statt nach Auschwitz gelangten sie über Bergen-Belsen nach Theresienstadt und überlebten. Im Mai 1945 traf der erste Zug mit Überlebenden aus Theresienstadt in Maastricht ein. Truus stand am Bahnsteig und nahm die Kinder persönlich in Empfang.
Quellen: Yad Vashem; Christa Matenaar: Geertruida Wijsmuller–Meijer – Biografie. FemBio – Frauen.Biografieforschung, online.
- Geertruida Wijsmuller-Meijer erhielt zahlreiche Ehrungen, darunter 1948 die Médaille de la Reconnaissance und 1959 den St.-Georgs-Verdienstorden.
- 1966 wurde sie von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern anerkannt.
- Zudem war sie Offizierin im Orden von Oranje-Nassau und Ehrenbürgerin von Amsterdam; in vielen niederländischen Orten tragen Straßen und Plätze ihren Namen.
- 1978 wurde am Bachplein in Amsterdam eine Bronzebüste aufgestellt, 1980 entstand in Almere eine Stiftung für geistig behinderte Kinder und Jugendliche zu ihrem Andenken.
- 2011 wurde ein Asteroid nach ihr benannt (15296 Tantetruus) und 2020 wurde ihr zu Ehren ein Denkmal in ihrer Geburtsstadt eingeweiht.
Miriam Keesing: Die Kinder von Tante Truus. Stiftung Deutsche Kriegskinder in den Niederlanden (DOKIN) 2010, online.
European Holocaust Research Infrastructure – Podcast: Der verlorene Brief: Er erzählt die Geschichte von Tommy Benford Jr., 1939 in Paris geboren und von Truus Wijsmuller-Meijer gerettet. Grundlage ist der Brief seines Vaters mit der eindringlichen Bitte, seinen Sohn zu retten. EHRI-Project. Podcast Episode. The Lost Letter. Tommy Benford Jr. 14.11.2024, in englischer Sprache.
- Truus Children. Dokumentarfilm. Buch und Regie: Pamela Sturhoofd, Jessica van Tijn. Niederlande 2020. DVD. OmU.
- Truus Wijsmuller-Meijer. Kurzfilm für Schulen. Solingen/Wuppertal 2024. Auf YouTube.
- Keine Zeit für Tränen – Die Kindertransporte von Tante Truus: 2024 im Zentrum für verfolgte Künste Solingen gezeigt, seit 2025 als Wanderausstellung ausleihbar. Infos und Anfragen unter tantetruus.de.
„Wo du helfen kannst, musst du helfen.“
Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH
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Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main