Der Kunstparcours

Friedhelm Welge

Das macht die Henker machtlos, 2016

Das macht die Henker machtlos (Christopherus/Bonhhoefer -P14) · In andere Welten aufbrechen · Krummgeschlossenen ·
Er konnte schon immer durch die Decke stoßen | verschiedene Größen

Von der Gestapo in Tegel inhaftiert Am 9. April 1945 in Flossenbürg in aller Eile gehängt Er sollte nicht überleben: Dietrich Bonhoeffer Einer an dem man sich festhalten kann in größter Not Wie dieser Christopherus In den Folterkellern der Gestapo gab er Mithäftlingen Zuversicht Und Unbeugsamkeit Er rettete sie vor der Zerstörung ihres Menschseins Ein Märtyrer aus Fleisch und Blut In seiner Biographie wurde Mir der legendäre Christopherus begreiflich Er bringt dich rüber auf die andere Seite Macht dass du als menschliches Wesen heil bleibst Das macht die Henker machtlos

Friedhelm Welge lebt in Frankfurt am Main und arbeitet in seinem Atelier in Bad Camberg.
*1952 in Krefeld, DE

Ein Blick hinter das Werk

Das macht die Henker machtlos
(Christopherus/ Bonhoeffer-P14), 2016
Grüner Marmor | 190 x 82 x 49 cm

„Er sollte nicht überleben. Dietrich Bonhoeffer. Einer, an dem man sich festhalten kann in größter Not. Wie dieser Christopherus.“

Die Skulptur erinnert an Dietrich Bonhoeffer, der von der Gestapo in Berlin-Tegel inhaftiert und am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ermordet wurde. In der Haft war Bonhoeffer für viele Mitgefangene Halt und geistiger Widerstand: Einer, der Menschlichkeit bewahrte, wo sie systematisch zerstört werden sollte.

Welge verbindet diese Gestalt mit dem Motiv des heiligen Saint Christopher: einer, der trägt, der hinüberhilft, der Stand gibt im Strom der Bedrohung. Der Märtyrer „aus Fleisch und Blut“ wird zur Brückenfigur. Einer, der hilft, „dass er auf die andere Seite gelangt und dass er als menschliches Wesen heil bleibt“. „Das macht die Henker machtlos.“

 

KRUMMGESCHLOSSENER
Roter Sandstein | 97 x 49 x 33 cm

„Cyriacus. Zwangsarbeit. Tägliche Demütigung. Grausame Willkür an Häftlingen. In den Lehmgruben des alten Roms wie in den Folterkellern des Jetzt.“

Der Titel verweist auf eine historische Foltermethode. Bereits August Bebel schrieb 1913 in seiner Biografie, sein Vater sei Gefängniswärter gewesen, und Gefangene seien durch „Krummschließen“ gequält worden, ein Bild existenzieller Rechtlosig1^keit, das ihn im Kampf für die Arbeiterklasse prägte. Welge übersetzt dieses Bild in eine strenge Form, deren überdrehte Gliedmaßen körperliche und seelische Brechung sichtbar machen. Auch die Schilderungen des Überlebenden Jean Améry über erlittene Folter haben den Künstler tief bewegt. Die Skulptur wird so zur Verdichtung von Geschichte und Gegenwart und zugleich einem Gegenbild zu Das macht die Henker machtlos.

 

In andere Welten aufbrechen
Tuffgestein | Höhe 190 cm

„Als Abt sei er friedlich entschlafen nach einem erfüllten Leben. Die Ausnahme unter den Vierzehn. Wundersame Geschichten ranken um ihn; Ägidius.“

Mit Ägidius erscheint eine Figur, die im Kontrast zu den leidvollen Biografien der anderen Werke steht – „die Ausnahme unter den Vierzehn“. Für Welge wird Saint Giles (lat. Ägidius) zum Symbol einer Identität, die in ihrer „Kutte/Hülle“ aufgehoben ist und zugleich über sich hinausweist.

Die Form trägt etwas Kapselhaftes, Geschütztes – und zugleich Futuristisches. Der Künstler spricht selbst von einer Anmutung „wie ein Astronaut“: eine Figur zwischen Innerlichkeit und Aufbruch, zwischen klösterlicher Sammlung und kosmischer Weite.

Nicht zufällig erinnert der Name auch an die 1968 in Rom gegründete Comunità di Sant’Egidio, die 1992 maßgeblich am Friedensschluss in Mosambik beteiligt war. So verbindet die Skulptur spirituelle Tradition mit gegenwärtigem Engagement – ein Aufbruch „in andere Welten“, der im Diesseits wirksam wird.

 

Über die Künstler:in

Der Bildhauer Friedhelm Welge (*1952) lebt in Frankfurt am Main, hat sein Atelier in Bad Camberg und arbeitet realistisch-expressiv. Aus seinem zentralen Werk PROJEKT 14 (14 Skulpturen zum Thema Menschenrechte) hat Ardi Goldman drei Skulpturen erworben. Seit über 40 Jahren ist der Bildhauer künstlerisch tätig, ebenso lange schreibt er parallel dazu. Dabei folgt er dem Credo: „Dichten ist Wüten und Walten im Steinbruch der Sprache.“ So ist etwa der Gedichtband WORTSTEINE. Gedichte zu Skulpturen im Jahr 2025 erschienen; er enthält unter anderem Texte zu allen vier Skulpturen, die auf dem Union-Areal zu sehen sind. Er arbeitet bevorzugt mit Marmor, Sandstein, Diabas, Muschelkalk und Granit. Doch greift er auch immer wieder zu Holz, Bronze oder entwickelt objekthafte Formen.

Sein bildhauerisches und sprachliches Arbeiten durchdringen einander. Die Skulptur ist für Welge nie nur Form, sondern immer auch verdichtete Erzählung, historisches Echo und existenzielle Befragung. In den drei hier versammelten Werken aus dem PROJEKT 14 wird dieser Zusammenhang besonders deutlich – sie verbinden individuelle Schicksale, geistige Haltungen und spirituelle Dimensionen mit dem übergeordneten Thema der Menschenrechte.

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main

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