Der Kunstparcours

Fabian Thiele

Baumarten sterben angenehm, 2025

Profil 5 UNBELEUCHTET | Lackierung | Acrylglas | 270 x 121,6 x 33,5 cm

Seit mehr als 20 Jahren widme ich mich dem Erhalt und der Restaurierung alter Leuchtreklame-Buchstaben. Ich sammle, repariere und archiviere um deren ursprüngliche Schönheit und Geschichte zu bewahren. In neue (Wort-) Zusammenhänge gesetzt, entstehen daraus abhängig vom umgebenden Raum neue Kontexte ohne das die Buchstaben ihre historische Bedeutung verlieren. Meine Objekte verbinden Handwerkskunst mit einem Blick auf Gestaltung und Geschichte: recieve_restore_reuse_rethink

Über die Künstler:in

Fabian Thiele sammelt Großstadtlichter, genauer gesagt: Leuchtbuchstaben, die das nächtliche Stadtbild prägen. Ausgangspunkt ist seine Faszination für klassische Neonreklamen, Sinnbilder urbaner Orte voller Möglichkeiten und Energie; Orte, die nie schlafen.

Das Leuchten der Schriftzüge auf Dächern und über Ladentüren ist für ihn das Herzstück urbaner Realität. Die Leuchtreklame, früher Symbol für Modernität und Wohlstand, ist heute meist ersetzt worden durch günstigere Leuchtkästen oder moderne LCD-Screens und so zum Nostalgieobjekt geworden.

Thiele ist nicht nur Gestalter, sondern auch Sammler, Konservator und Chronist. Die über Jahre entstandene Patina der Buchstaben ist für ihn integraler Bestandteil seiner Werke, ein sichtbares Zeichen ihres Reliktcharakters. Seine Sammlung leuchtender Lettern ist ein beeindruckendes Archiv urbaner Typografie: ein Mix aus Design-, Stadt-, Konsum- und Unternehmensgeschichte. Manche dieser Schriftzeichen prägen das Bild einer Stadt nachhaltiger als offizielle Sehenswürdigkeiten, vor allem nachts, wenn alles andere im Dunkeln liegt.

Nicht nur das Licht, auch die Typografie selbst trägt zur Faszination bei; in ihr manifestieren sich Identität und Unverwechselbarkeit. Jeder Buchstabe, den Thiele verwendet, ist ein Unikat, weshalb er meist nur einzelne Lettern nutzt. Zum einen aus urheberrechtlichen Gründen, zum anderen, um gezielt Irritation zu stiften. Doch selbst diese Fragmente evozieren Bilder im kollektiven Gedächtnis.

In seinem Atelier werden die Buchstaben, aus ihrem ursprünglichen Werbekontext herausgelöst, neu kombiniert. Thiele nutzt sie als Licht- und Zeichenobjekte, kreiert Worte und schafft mit diesen Wortschöpfungen neue Assoziationsräume. Die Spannung zwischen Geschichte und neuer Bedeutung verleiht seinen Objekten eine eigentümliche Ausstrahlung: Sie bewahren ihre alte Identität und gewinnen zugleich eine neue Lebendigkeit.

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

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