Franke, NEVER ENDING STORY, 2017
Der Kunstparcours
NEVER ENDING STORY, 2017
Blick in den Spiegel. Schauen. Fühlen. Reflektieren. Phantasieren. „Jeder möchte die Kunst verstehen. Warum versucht man nicht, die Lieder eines Vogels zu verstehen?“ Picassos Worte stehen im Zwischenraum. Vielleicht spiegelt “Du sollst dir kein Bildnis machen“ auch das.
EDUCATION
Abendschule der Frankfurter Städelschule, Frankfurt am Main
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Ein Blick hinter das Werk
Das Lichtobjekt Never Ending Story zählt zu den Arbeiten von Isabel Franke, in denen die Sprache mit dem gewählten Trägermaterial – hier dem Spiegel – zu einem Bild emulgiert. Andere Materialien für diesen Typus ihrer Bilder sind Saturnblei und Glas in den langlaufenden Serien „Worte von Blei“ und „Worte von Glas“. Herausgerissen aus dem Overflow gedruckter, digitaler, tönender Textkaskaden stehen die Betrachtenden den Worten in ihrer Singularität gegenüber. Ein konzentrierter Blick wird erzwungen oder ermöglicht, je nach Perspektive. Ein Eintauchen ohne digitales Babylon, ohne Ablenkung durch Vorhergehendes, Folgendes oder Überlagerndes.
Der auf dem Lichtobjekt zu lesende Satz hat seinen Ursprung in den zehn Geboten, die laut Altem Testament Mose auf dem Berg Sinai von Gott erhalten hat, eingemeißelt in Steintafeln, einem nicht reflektierenden Material für menschliche Ewigkeiten. Ganz anders die Spiegeloberfläche des Kunstwerks: die Radiernadel hat sie stellenweise zerstört, die Kratzspuren der Buchstaben fragmentieren das Spiegelbild der Hineinsehenden, doch die blinden Stellen sind die Tür ins Wunderland, aus dem ein helles Licht seinen Schein zurück in unsere Welt wirft. “Du sollst dir kein Bildnis machen“ im dialektischen Assoziationsgewitter. Der Titel Never Ending Story als poetische Chiffre, die in einem immanenten Verweisungszusammenhang mit dem Objekt steht. Eine Struktur – Werk und Titel als parallele Linien, die in Dialog zueinander treten können –, die sich in den meisten Werken der Künstlerin wiederfindet und dazu einlädt, sich auf das Labyrinth möglicher Deutungen einzulassen.
Die Sprachbilder sind ein Segment der vielgestaltigen Werke von Isabel Franke. In ihren Arbeiten verschmelzen primäre Materialien wie Wachs, Pigmente, Blei, Glas mit Fotografie und digitalen Techniken ohne mediale Grenzen, es entstehen auch Objekte, Enkaustikbilder, Zeichnungen, Giclées oder Videoarbeite, die den Blick vom Offensichtlichen auf das darunter liegende Nervengeflecht lenken und in Soloshows zahlreiche Beziehungen zueinander eingehen. In ihren Arbeiten reagiert die Künstlerin auf die Themen unserer Zeit. Auf der Suche nach dem Destillat des Zeitlosen entstehen in spielerischer Verknüpfung mit archetypischen Elementen der menschlichen Evolution und Geistesgeschichte vielschichtige Werke, die in oberflächlicher Schönheit oder Komplexität gelesen werden können.
Über die Künstler:in
Isabel Franke lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Bad Soden. Nach dem Abitur Studium der Philosophie, Germanistik, Theater- Film- und Fernsehwissenschaften in München und Frankfurt am Main, Tanz- und Schauspielausbildung. 1999 bis 2004 Studium an der Abendschule der Frankfurter Städelschule bei Bernhard Jäger, Nicole van den Plas, Ann Reder und Vroni Schwegler. Parallel zur Arbeit als bildende Künstlerin Schauspielerin in der freien Theaterszene, Dramaturgin bei der Bavaria Film, Filmredakteurin bei der ARD bis 2015. Seit 2002 Gruppen- und Einzelausstellungen. Atelier in den „Heddernheimer Höfen“ in Frankfurt am Main.
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