Schumacher Kurt
Hoffnungsträger
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PORTRAIT
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Ein Widerstandsnetzwerk, das sich selbst nie so nannte.
Personenbeispiel von:
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„Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er denken und danach handeln kann, mit eigenem Wollen.“
Kurt Schumacher
Nach einer Lehre als Holzbildhauer studiert Kurt Schumacher an den Berliner Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst. Dort lernt er Elisabeth Hohenemser kennen, die er 1934 heiratet. Der bald anerkannte Meisterschüler steht mit Harro Schulze-Boysen und der Zeitschrift „gegner“ in Verbindung. Die erhaltenen Medaillons an der Berliner Schleusenbrücke gehören zu seinen ersten Auftragsarbeiten als freier Bildhauer. Politische Diskussionen im Freundeskreis von Schulze-Boysen stärken den sich herausbildenden Widerstandszusammenhang. Kontakte zu Heinrich Scheel, Eugen Neutert und Hans Coppi erweitern den Kreis der Mitstreiter. Im Mai 1941 erklärt sich Kurt Schumacher bereit, im Kriegsfalle als Funker die Kommunikation mit der Sowjetunion aufrechtzuerhalten. Schumacher wird jedoch Anfang Juni 1941 zur Wehrmacht eingezogen. Anfang August 1942 nimmt er den aus Moskau kommenden Fallschirmagenten Albert Hößler bei sich auf und leitet ihn an Hans Coppi weiter. Bei der Verhaftung Schumachers am 12. September 1942 verwüstet die Gestapo sein Atelier und zerstört zahlreiche Arbeiten. Am 19. Dezember 1942 wird Kurt Schumacher vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt und drei Tage später in Berlin-Plötzensee ermordet.
© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
- Postum ehrte ihn das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR am 6. Oktober 1969 mit dem Orden des Vaterländischen Krieges Erster Stufe. In der DDR vergab die Kunsthochschule Berlin-Weißensee eine Kurt-Schumacher-Gedächtnisplakette.
- Am 25. September 2015 wurde vor seinem ehemaligen Wohnort in Berlin-Tempelhof, Hansakorso 2 (heute Werner-Voß-Damm 42), ein Stolperstein verlegt.
- Regina Griebel/Marlies Coburger/Heinrich Scheel: Erfasst? Das Gestapo-Album zur Roten Kapelle. Halle 1992.
- Heinrich Scheel: Kurt und Elisabeth Schumacher. In: Hans Coppi/Jürgen Danyel/Johannes Tuchel (Hrsg.): Die Rote Kapelle im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Berlin 1994, 254ff.
- Johannes Tuchel: „… wenn man bedenkt, wie jung wir sind, so kann man nicht an den Tod glauben.“ Liane Berkowitz, Friedrich Rehmer und die Widerstandsaktionen der Berliner Roten Kapelle. Berlin 2022.
Abschrift des letzten Kassibers von Kurt Schumacher, 02. November 1942
Weil ich dabei geschnappt wurde, wie ich für Harro einen Zettel an einen Franzosen durch die Essklappe zu werfen versuchte, wurde mir alles entzogen, meine eigenen Bücher, die Bücher von hier, alles Schreibzeug, sogar das von meiner geliebten Elisabeth geschenkte Bild mit unseren beiden Gesichtern. Es ist so gut, dass meine Vernichtung ewig schade wäre. Dann habe ich den kärglichen Spaziergang auch nicht mehr, bekomme keine Post und keine Pakete. Das alles jetzt seit 10 Tagen, es ist zuweilen fast unerträglich …
Kann je ein Mensch das Maß an Schmerzen, Kummer, Not, Elend und Verzweiflung ermessen, das all die Armen zu erdulden haben, weil sie an eine friedliche Gemeinschaft der
Völker glauben, die mit ihrer Handarbeit ein menschenwürdiges Dasein schaffen können, jenseits der Barbarei des Krieges, mit den ungeheuren technischen und organisatorischen Mitteln der Neuzeit großen Wohlstand erreichend, der Friede bedeutet. Ich war nicht genügend stumpfsinnig und hatte ein zu fühlendes Herz, um nicht auch mitbestrebt zu sein, das zu erringen. Deshalb bin ich hier. Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er denken und danach handeln kann, mit eigenem Wollen. Furchtbar das Los einer menschlichen Hammelherde, die zur Schlachtbank gejagt wird und weiß nicht wofür. Wir kämpften für unsere Sache.
gefesselt 2. Nov. 1942 Kurt Schumacher

© Gedenkstätte Deutscher Widerstand
„Der Mensch unterscheidet sich vom Tier dadurch, dass er denken und danach handeln kann, mit eigenem Wollen.“
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