Der Kunstparcours

Stefan Strumbel

o.T., 2017

Bronze patiniert | 160 x 80 x 70 cm

Heimat darf kein Besitzanspruch sein – sondern ein Angebot zur Begegnung.

Stefan Strumbel lebt und arbeitet in Offenburg, DE.
*1979 in Offenburg, DE

EDUCATION

Freischaffender Künstler seit 2021

GRANTS, AWARDS, RECOGNITION

2007 Stipendium der Kunststiftung Hohenkarpfen, Hausen ob Verena
2017 Kunst am Bau, Sparkasse Offenburg

Ein Blick hinter das Werk

Durch die Integration von Aluminiumobjekten und Bronzeskulpturen reduzierte Stefan Strumbel das Farbspektrum seines Oeuvres bewusst auf monochrome Kompositionen, deren Farbigkeit allein aus der Patinierung der Oberflächen entsteht.

Ein zentrales Motiv dieser Werkgruppe ist die in Luftpolsterfolie eingepackte Madonna, die auch auf dem Union-Areal installiert ist. Unweigerlich wird die Figur als Maria mit Kind identifiziert, obwohl die kunstvoll gefaltete Folie kein Gesicht erkennen lässt. Das vollständig verhüllte Antlitz entzieht sich jeder ikonografischen Lesbarkeit, der vermeintliche Inhalt bleibt dem Blick verborgen. Gerade diese unmittelbare Identifikation verweist auf eine tief verankerte kulturelle Prägung: Selbst dort, wo ikonografische Merkmale fehlen, lesen wir Formen anhand tradierter, historisch gewachsener religiöser Bildvorstellungen.

In dieser Arbeit wird die Verpackung selbst zur dauerhaften Hülle und zum eigentlichen Bildträger. Die Madonna wird nicht zerstört, sondern konserviert, geschützt und zugleich dem direkten Zugriff entzogen. Die Luftpolsterfolie – ein billiges und massenhaft verbreitetes Verpackungsmaterial – verleiht der Figur ein Moment von Geheimnis und Ambivalenz. Ob sie Schutz oder Isolation symbolisiert, bleibt bewusst offen. Die Betrachtenden werden so zu Konsumenten, die mit kindlicher Neugierde immer neue Pakete öffnen möchten – ein Begehren, das hier gezielt frustriert wird. Das Auspacken bleibt unmöglich.

Auf diese Weise wird die religiöse Ikone zu einem Objekt zwischen Fetisch und Readymade. In Anlehnung an Marcel Duchamps Konzept des objet trouvé erhebt Strumbel ein Fragment aus dem musealen und ökonomischen Alltag – die Verpackung – zum zentralen Bedeutungsträger. Die verhüllte Madonna bleibt ein Bild des Dazwischen: zwischen Sichtbarkeit und Entzug, Verehrung und Profanisierung, Glaube und Ware. Gerade in dieser Spannung entfaltet die Arbeit ihre nachhaltige Irritation.

Über die Künstler:in

Der Künstler Stefan Strumbel (*1979 in Offenburg) entdeckte Anfang der 1990er-Jahre seine Leidenschaft für den öffentlichen Raum und die Graffitiszene. Mit Beginn seiner Karriere als freischaffender Künstler im Jahr 2001 setzte sich „Heimat“ als Leitthema durch. Er überzeichnet Kultur- und Kultgegenstände wie Kuckucksuhren, Holzmasken oder Kruzifixe mit Stilelementen der Street- und Pop-Art und stellt sie in einen neuen, teils provokanten Kontext. Mit seinen transformierten Objekten gelingt es Strumbel, eine illusionäre Welt zu präsentieren, die die realen Missstände der Gesellschaft widerspiegelt. Aluminiumobjekte und Bronzeskulpturen markieren eine neue Richtung in seinem Schaffensprozess. Strumbel nahm an zahlreichen Kunst-am-Bau-Projekten teil.

Beispielsweise gestaltete er 2011 den Innenraum der katholischen Kirche Maria, Hilfe der Christen in Goldscheuer neu. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen, wie „Heimat“ im Kunstverein Hamburg oder „Holy Heimat“ im Badischen Landesmuseum Karlsruhe im Jahr 2012 folgten 2020 „Forest Bathing / Biophilia“ bei Ruttkowski;68 in Paris und 2022 „Wonderwalls“ im NRW-Forum in Düsseldorf. Für die Oper Stuttgart entwarf der Künstler das Bühnenbild für die Neuinszenierung von „La Bohème“ und für das Badische Staatstheater Karlsruhe das für die Produktion „Die neuen Todsünden“. Zu seinen Sammlern zählen beispielsweise Karl Lagerfeld oder Hubert Burda.

Photos: © Stefan Gröpper Photography, Marie Ruck

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main

Kontaktieren
Sie uns