Der Kunstparcours

Friedhelm Welge

Krummgeschlossener

Roter Sandstein | 97 x 49 x 33 cm

„Cyriacus. Zwangsarbeit. Tägliche Demütigung. Grausame Willkür an Häftlingen. In den Lehmgruben des alten Roms wie in den Folterkellern des Jetzt.“

Friedhelm Welge lebt in Frankfurt am Main und arbeitet in seinem Atelier in Bad Camberg.
*1952 in Krefeld, DE

Ein Blick hinter das Werk

Der Titel verweist auf eine historische Foltermethode. Bereits August Bebel schrieb 1913 in seiner Biografie, sein Vater sei Gefängniswärter gewesen, und Gefangene seien durch „Krummschließen“ gequält worden, ein Bild existenzieller Rechtlosig1^keit, das ihn im Kampf für die Arbeiterklasse prägte. Welge übersetzt dieses Bild in eine strenge Form, deren überdrehte Gliedmaßen körperliche und seelische Brechung sichtbar machen. Auch die Schilderungen des Überlebenden Jean Améry über erlittene Folter haben den Künstler tief bewegt. Die Skulptur wird so zur Verdichtung von Geschichte und Gegenwart und zugleich einem Gegenbild zu Das macht die Henker machtlos.

Über die Künstler:in

Der Bildhauer Friedhelm Welge (*1952) lebt in Frankfurt am Main, hat sein Atelier in Bad Camberg und arbeitet realistisch-expressiv. Aus seinem zentralen Werk PROJEKT 14 (14 Skulpturen zum Thema Menschenrechte) hat Ardi Goldman drei Skulpturen erworben. Seit über 40 Jahren ist der Bildhauer künstlerisch tätig, ebenso lange schreibt er parallel dazu. Dabei folgt er dem Credo: „Dichten ist Wüten und Walten im Steinbruch der Sprache.“ So ist etwa der Gedichtband WORTSTEINE. Gedichte zu Skulpturen im Jahr 2025 erschienen; er enthält unter anderem Texte zu allen vier Skulpturen, die auf dem Union-Areal zu sehen sind. Er arbeitet bevorzugt mit Marmor, Sandstein, Diabas, Muschelkalk und Granit. Doch greift er auch immer wieder zu Holz, Bronze oder entwickelt objekthafte Formen.

Sein bildhauerisches und sprachliches Arbeiten durchdringen einander. Die Skulptur ist für Welge nie nur Form, sondern immer auch verdichtete Erzählung, historisches Echo und existenzielle Befragung. In den drei hier versammelten Werken aus dem PROJEKT 14 wird dieser Zusammenhang besonders deutlich – sie verbinden individuelle Schicksale, geistige Haltungen und spirituelle Dimensionen mit dem übergeordneten Thema der Menschenrechte.

Photos: © Marie Ruck

Ardi Goldman Kunst-
und Kulturstiftung gGmbH

Uniongelände
Hanauer Landstraße 188, 60314 Frankfurt am Main

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